Um Europa kämpfen!

Dieter Popp: „Es sind keine bequemen Zeiten, die auf uns zukommen“

Autor Dieter Popp

Der alljährlich am 9. Mai begangene Europatag sollte uns auch daran erinnern, dass dieses Europa, das wir als Europäische Union zunächst nur im Westen, mittlerweile aber auch in Mitteleuropa kennen und vielfach lieben gelernt haben, keine Selbstverständlichkeit darstellt.

Vor allem die Jugend Europas – glücklicherweise auch außerhalb der EU, die ja nur 60 % des europäischen Kontinents umfasst – hat dies vor allem mit dem ERASMUS-Programm schätzen gelernt. Es wird immer noch zu viel über Europa, oftmals wegen der Bürokratie geklagt. Dabei sind aber nicht immer wirklich Europa oder die EU die Ursache solcher Klagen, da häufig aus nationalem Interesse die Schuld an bestimmten Vorgängen und bequemerweise nach Brüssel geschoben wird.

Das soll nun nicht heißen, dass alles in und mit der EU schon auf den richtigen Gleisen zum Ziel fährt

Wer die unschätzbaren Vorteile des gemeinsamen Europas in Anspruch nehmen möchte, muss dafür aber auch offensiv im täglichen Leben eintreten. Das kann Widerspruch auslösen und bringt nicht immer nur Zuspruch ein. Aber dies ist nun einmal die alltägliche Herausforderung der Demokratie, die noch nie einfach war und auch niemals in Zukunft sein wird. Wir werden immer um sie kämpfen müssen. Versäumen wir dies, dann kann man politische Bekenntnisse erleben, die uns möglichweise in diesem Jahr bei einigen Wahlen bevorstehen und die Augen öffnen.

Und für Europa müssen wir uns auch aktiv einsetzen, die Zeiten sind endgültig vorbei, dass unser Europa von Fremden für uns beschützt wird. Wir müssen und wir können diese ureigene Pflicht auch aus eigener Kraft leisten. Das wird nicht bequem sein und das wird auch finanziert werden müssen.
Uns sollte aber – gerade an einem solchen Tag – auch klar sein, dass die von uns an Europa geschätzten Werte nicht zum Selbstkostenpreis zu haben sind. Diese Werte sollten es uns in der Tat auch wert sein, sich für sie einzusetzen.

Selten war an einem dieser seit 1950 begangenen Tage der Blick auf die Verteidigung dieses Europa so wichtig.
Kein Mitgliedsland der EU hegt Gebietsansprüche an andere und seit der politischen Wende in Ungarn sind auch diese nationalistischen Misstöne wohl dauerhaft aus der europäischen Debatte verschwunden.

Aber eine Bedrohung von außen – so undenkbar wir sie bis vor kurzen noch für möglich hielten – ist mittlerweile wieder zu einer Option geworden.
Daher müssen leider auch wieder Finanzmittel – die sehr viel sinnvoller in Bildung, Gesundheitsprävention, Kultur, Umweltvorsorge oder andere Infrastruktur investiert wäre – nun in die Wehrhaftigkeit unserer Freiheit, der Menschenwürde und unserer Selnstbestimmung fließen. Und solange es diese Bedrohungen gibt, ist dieser Weg bedauerlicherweise auch alternativlos.

Es macht daher Sinn, an diesem Europatag an die ja vorhandene, aber nicht immer selbstbewusst und offensiv gezeigte Stärke unseres offenen europäischen Gesellschaftssystems zu erinnern.

Dieter POPP, Regionalberater

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