Klimaplatz in Gunzenhausen bekräftigt den Dialog

Es ist keine einfache Verweilzone, von denen es in den Städten so viele gibt. Der Klimaplatz in Gunzenhausens Stadtmitte, unweit der einstigen Synagoge, ist Bestandteil des deutsch-jüdischen Dialogs, der seit drei Jahren gepflegt wird. Mit 80-prozentiger Förderung durch den Freistaat Bayern ist auf engagiertes und nachhaltiges Betreiben von Bürgermeister Karl-Heinz Fitz eine Anlage entstanden, die an die frühere jüdische Gemeinde in Gunzenhausen erinnern soll. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zählte sie an die 300 Personen, 181 lebten immerhin noch zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Ära in der Stadt, aber 1939 war sie „judenfrei“.
75 Jahre nach der systematischen Auslöschung der jüdischen Gesellschaft in Deutschland („Reichskristallnacht“ am 9. November 1938) formierte sich eine Dialoggruppe aus jüdischen Nachkommen und Gunzenhäuser Bürgern. Mit dabei war Faye Dottenheim-Brooks. Ihr Onkel war der Werner Dottenheimer aus der damals bekannten Weinhandelsfamilie. Sein Leben endete 1942 im Konzentrationslager Majdanek (Polen). Die Mörsacher Bildhauerin Elke Zimmermann war zur gleichen Zeit anwesend und erkannte auf Anhieb die Ähnlichkeit in den Gesichtern der beiden jüdischen Menschen. So entstand die enge Verbindung über den Ozean hinweg. Faye Brooks Stimme war über Lautsprecher zu vernehmen.
Eine der Moderatoren der Dialoggruppe ist Rachel Tamari als Vertreterin der jüdischen Nachkommen aus Gunzenhausen. Ihre Großeltern, Heinrich und Laura Teitelbaum lebten in der Hospet 1 und hatten in der Gerberstraße 11 einen Hutladen. Über 90 Jahre waren sie in der Stadt. Rachel Tamari ist auf die von Emmi Hetzner gestaltete Hompage „Jüdisches Leben in Gunzenhausen“ aufmerksam geworden und besuchte daraufhin mehrmals die Stadt („Meine Familie war erstaunt vom warmherzigen Empfang und dem uns entgegengebrachten Respekt“). Dass am neuen Klimaplatz jetzt Steine verbaut wurden, die den Abbruch der Synagoge überstanden hatten, findet ihre Anerkennung. Sie weiß, dass antisemitische Vorfälle und Hasskriminalität weltweit angestiegen sind und fordert daher: „Wir müssen zusammenstehen gegen Hass, Vorurteile, Stereotypisierung, Respektlosigkeit und Extremismus.“ In ihrem Statement, das bei der Vorstellung des Klimaplatzes per Tonband über Lautsprecher zu vernehmen war, dankte sie dem scheidenden Bürgermeister Karl-Heinz Fitz für sein „inspirierendes Beispiel für wahre Versöhnung“.
Wie Künstlerin Elke Zimmermann ankündigte, sollen noch weitere drei Bronzestatuen auf dem Platz aufgestellt werden.
WERNER FALK