Ein Amt und nicht das ganze Leben

Gedanken zum Ausgang der Kommunalwahlen

Die Gesellschaft lebt vom Engagement der Menschen für das Gemeinwohl.  Das ist ein hehres Wort, aber keine großspurige Floskel. Die meisten Frauen und Männer, die sich für ein Amt als Gemeinderat, Stadtrat, Kreisrat, Bürgermeister oder Landrat aufstellen lassen, sind Idealisten im wahrsten Sinne des Wortes. Sie denken nicht eigennützig, sondern wollen sich in den Dienst der Gemeinschaft stellen. Ihnen gebührt unser Respekt und unser Wohlwollen. Wir geben ihnen unsere Stimme, weil wir Vertrauen in sie haben.

Aber natürlich gibt es auch die andere Sorte von Menschen, die vom Eigennutz getrieben werden, die sich gerne wichtig machen und denen es gefällt, wenn sie sich über andere erheben können. Menschen, die das Schulterklopfen der anderen brauchen, um ihr Selbstwertgefühl auszuleben, verbergen nicht selten ihren Idealismus hinter ihrem Egoismus, ihrem Ehrgeiz und der Einbildung, unverzichtbar zu sein. Gar manche Menschen stehen in der Gefahr, mit dem Amt abzuheben. Vor allem jene, die über viele Jahre, sogar Jahrzehnte, ein öffentliches Amt begleiten, erkennen oftmals nicht mehr die Grenzen ihrer Selbstsucht. Deshalb ist es gut, dass es für den Wähler die Möglichkeit gibt, die einen von den anderen zu unterscheiden und ihnen die rote Karte zu zeigen.

Diese Erfahrung mussten in den letzten Wochen auch Kommunalpolitiker machen. Wer sich für so wichtig hält, um selbst als annähernd Achtzigjähriger noch einmal für ein Wahlamt antritt, der soll erleben, dass ihm Grenzen gesetzt sind. Die Lebenserfahrung ist im öffentlichen Leben ein wertvolles und auch wichtiges Gut, aber sie sollte nicht überbewertet werden. Wie so oft im Leben kommt es auf die Verhältnismäßigkeit an.  Ich habe mich deshalb entschieden, mit 76 Jahren  meine öffentlichen Ämter als Stadt- und Kreisrat aufzugeben und auch meine Mitgliedschaft in der FDP nach  59 Jahren zu beenden.

Für Mandatsträger, die sechs und mehr Jahre in der Kommunalpolitik tätig waren, dann aber überraschend und unverhofft abberufen werden, ist der Verlust ihres öffentlichen Ansehens und der gesellschaftlichen Anerkennung ein gewaltiger Einschnitt in ihrem Leben. Sie mögen von Undankbarkeit der Mitmenschen reden, aber sie übersehen, dass es Dankbarkeit in der Politik im Grundsatz nicht gibt.  Wer sie erwartet, der wird bitter enttäuscht sein. Es gibt den Begriff vom „Amt auf Zeit“. Nicht umsonst sind viele öffentliche Ämter zeitlich befristet, um Missbrauch auszuschließen und den Wechsel zu ermöglichen.  Aber für das Ehrenamt gilt er nicht, auch nicht für berufsmäßige Bürgermeister und Landräte sofern sie am Wahltag das 65. Lebensjahr noch nicht überschritten haben.

Die Kommunalwahl  hat erfreulicherweise offenbart, dass es unter jungen Menschen viele gibt, die sich für ein öffentliches Wahlamt bewerben und die auch Anerkennung beim Wähler finden. Mit dem Abtritt der Alten geht also die Welt nicht unter. Sie geht weiter, aber unter anderen Vorstellungen. Zwei Beispiele sollen herausgegriffen werden: Marco Meier und Michael Dinkelmeier. Beide sind 33 bzw. 30 Jahre alt und seit dem 22. März neue Landräte in Ansbach bzw. Donau-Ries. Der erste hat sich mit einem überwältigenden Sieg gegen den seit 14 Jahren amtierenden Landrat durchgesetzt, der andere hat die stellvertretende Landrätin ausgestochen. Von den Wählern werden sie kritisch begleitet. Sie haben auch das Recht, vieles im Umgang mit der Faktenlage und den Menschen anders zu machen und sie sind klug beraten, wenn sie offen bleiben und sich nicht von ihren Ämtern vollständig vereinnahmen lassen.

WERNER FALK

Falk Report per E-Mail

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