1. März: Alexander Boldachev und seine Königin der Instrumente

Alexander Boldachev hat Charisma, und davon ganz viel. Dazu eine Harfe, die er meisterlich beherrscht und damit ganze Orchester in den Schatten stellt. Sein Publikum verzaubert er als vielsprachiger Kulturgigant, er ist Poet, Virtuose und Alleinunterhalter in einem. Von ein wenig Extravaganz berichten sein wilder Haarschopf und die roten Barfußschuhe. Hier haben wir eine Marke sitzen, der weltweit Fans von klassischer Musik begeistert folgen. Klassische Musik? Nicht nur, denn Boldachev wagt den Spagat und zitiert mit seiner Harfe nicht nur die großen Komponisten. Sein musikalisches Repertoire ist eine wilde Mixtur aus Klassik, Pop- und Rockmusik, Videogames und populäre Songs aus berühmten Filmen. Vergangenen Sonntag war der russische Künstler im Rahmen der Gunzenhäuser Konzertreihe in der Stadthalle zu Gast.Nylon, Plastik, Stahl, dazu das Gedicht „Harfenspieler“ von Goethe und ein einnehmendes, spitzbübisches Grinsen. Bereits der Einstieg in diesen besonderen Abend hatte es in sich. Die Harfe gilt als die Königin der Instrumente, Boldachev ist mit ihr seit drei Jahrzehnten eng verbunden. Seine Königin ist beeindruckend verziert, wird zart gestreichelt und vor jedem neuen Stück sanft gestimmt. Die vielen Saiten aus den genannten Materialien beginnen Johann Sebastian Bachs eigentlich für die Orgel geschriebenen Ohrwurm „Toccata und Fuge d-Moll“ gefühlvoll auf Wanderschaft zu schicken, es folgen Antonio Vivaldis „Jahreszeiten“ Sommer
und Winter, die Boldachev jeweils mit Lyrik einzustimmen weiß. Manchmal mit Handy in der Hand, manchmal mit geschlossenen Augen. Vor der Pause lud er auch auf eine Reise in die Schweiz, seine zweite Heimat, in der er bereits mit 15 Jahren zum Studieren kam. Gioachino Rossinis Ouvertüre zu „Guillaume Tell“ wurde mit viel Gefühl zelebriert.
Nach der Pause wartete ein fulminanter Harfenritt mit Werken, u.a. von Glinka, Prokofjew, Tschaikowski und Schostakowitsch. Als Kombination sind diese besonderen Stücke Alexander Boldachevs musikalischer Kommentar zum Verhältnis von Krieg zu Frieden. Seit 2022 distanziert sich der russische Künstler von seiner Heimat, seine Musik und Kompositionen werden zum Ausdruck eines lautstarken kulturellen Protests. Streichelte er seine Harfe vor der Pause noch, so bearbeitete er sie nun mechanisch und fast brutal, in sich gekehrt und voller Konzentration. Dieser außergewöhnliche Künstler leidet mit vom Krieg betroffenen Menschen und der Kultur, die Gewalt und Unterdrückung überall und in allen Zeiten zerstören.
Der Ausklang war sehr versöhnlich und doch mitreißend. So wurden populäre Stücke, etwa von John Lennon, den Scorpions oder von Queen neu und für die Harfe interpretiert. Für einen Künstler, der schon mit Robbie Williams zusammen auf der Bühne stand, ist das nur standesgemäß. Das Highlight war seine Bearbeitung des modernen Klassikers „Californication“ von den Red Hot Chili Peppers. Hierfür wurde Boldachev bereits in Los Angeles mit dem „Best Rock Cover Song“-Award ausgezeichnet.
Die Zugabe verirrte sich tief in den 1980er-Jahren. Es ging nach Japan, wo der Videospielgigant Nintendo das Famicon und seinen italienischen Klempner Mario auf die Videospielgemeinde losließ. Alexander Boldachev spielte nicht nur das bekannte Mario-Thema, sondern eben das aus dem originalen Mario Bros. für das NES, inklusive Bonusfeuerwerk (Kenner wissen was gemeint ist).
Zum Abschluss dieses denkwürdigen Abends musste die Harfe dann nochmal leiden und wurde kurzerhand zum E-Gitarren-Ersatz. Nirvanas „Smells like teen spirit“ brachte die Halle zum Beben und minutenlanges Standing Ovation war das Resultat.
Weiter geht die Gunzenhäuser Konzertreihe am Sonntag, 1. März 2026, um 19.30 Uhr mit dem Auftritt des Klarinettisten Pablo Barragán und des Pianisten Nuron Mukumi. Die Veranstaltungsreihe wird von der Sparkasse Mittelfranken-Süd finanziell unterstützt. Außerdem
engagieren sich das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie der Bayerische Musikrat.
Für Fragen rund um die Gunzenhäuser Konzertreihe stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen des Kulturbüros und der Tourist Information unter der Telefonnummer 09831/508-300 / -109 oder per E-Mail an kulturamt@gunzenhausen.de gerne zur Verfügung. Das Veranstaltungsprogramm finden Sie unter www.gunzenhausen.info.