Eindrucksvoller Erinnerungsort

Dr. Ludwig Spaenle und Landrat Manuel Westphal unterzeichnen Kooperationsvereinbarung

Landrat Manuel Westphal und Dr. Ludwig Spaenle, der Beauftragte für jüdisches Leben in Bayern, unterzeichneten jetzt am Sühnemal in Markt Berolzheim, wo einst die Synagoge stand, einen Kooperationsvertrag gegen Antisemitismus. Auch Bürgermeister Fritz Hörner (Markt Berolzheim), Hans König (Treuchtlingen), Matthias Obernöder (Ellingen), Archivar Daniel Burmann und Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (Gunzenhausen, von links) waren bei der Unterzeichnung anwesend. Bildvermerk: Landratsamt/Markus Steiner

Landrat Manuel Westphal und Dr. Ludwig Spaenle, der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, haben jetzt vor dem Sühnemal in Markt Berolzheim, wo einst die jüdische Synagoge stand, eine Kooperationsvereinbarung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus unterzeichnet. Spaenle, der seine familiären Wurzeln im Landkreis hat, erinnerte vor der Unterzeichnung daran, dass der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen historisch stark geprägt sei vom jüdischen Leben, das in ganz Franken einen bedeutenden Anteil an der gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung hatte. Viele Initiativen, Schulen und Einzelpersonen erforschen und vermitteln noch heute aktiv die Geschichte jüdischen Lebens und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Erinnerungskultur und Bewusstseinsbildung für heutige und kommende Generationen.

Auch der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen will diese Bemühungen aktiv unterstützen und damit zur Prävention und Aufklärung gegen antisemitische Einstellungen beitragen, erläuterte Landrat Manuel Westphal, der ganz besonders Daniel Burmann dankte, der sich gemeinsam seit vielen Jahren mit seiner Frau um die Geschichte jüdischen Lebens in Markt Berolzheim kümmert. Gerade heute müsse man auch der jüngeren Generation wieder ins Bewusstsein rufen, dass es auch hier vor Ort einst ein reiches jüdisches Leben gab, das ab der Reichspogromnacht im Jahr 1938 nach und nach ausgelöscht wurde.

Damit dieses dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, müsse man sich auch um eine Erinnerungskultur bemühen, die man aufrecht erhalten müsse. Dass dies in Markt Berolzheim vorbildlich gelinge, dafür sei er als Landrat sehr dankbar. Dr. Ludwig Spaenle erinnerte daran, dass viele jüdische Familien, die im Landkreis ihr Zuhause hatten, vertrieben wurden. Dass mit diesen Familien und ihren Nachkommen wieder ein Kontakt hergestellt wurde, sei sehr wertvoll für die Versöhnungsarbeit. Das Sühnemal in Markt Berolzheim bezeichnete Spaenle als „eindrucksvollen Erinnerungsort“. Gemeinsam mit seiner „kleinen Truppe“ wolle er als Kooperationspartner dem Landkreis behilflich sein, dass die Erinnerung an jüdisches Leben vor Ort lebendig bleiben kann. Konkret wollen die beiden Kooperationspartner unter anderem gemeinsame Seminare oder Vortragsveranstaltungen zu den Themen Antisemitismus und Jüdisches Leben durchführen oder organisieren, Referenten vermitteln und Schul- oder Vereinsprojekte oder lokale Initiativen unterstützen und fördern, die im Bereich der Erinnerungskultur und des jüdischen Lebens engagiert sind. Durch die Netzwerkarbeit müsse man nicht alles wieder neu erfinden und könne auf bereits vorhandene Strukturen aufbauen. Spaenle wörtlich: „Da ist viel Musik drin.“ 

Ein Schul-Projekt, das im Landkreis bereits umgesetzt wurde, steuerte Bürgermeister Karl-Heinz Fitz aus Gunzenhausen bei: Im Jahr 2000 hatten Schülerinnen und Schüler der Stephani-Mittelschule Gunzenhausen unter Leitung ihrer Lehrerin Emmi Hetzner in einem Projekt die Geschichte jüdischer Familien und deren Häuser im Gunzenhausen des 20. Jahrhunderts erforscht. Dazu suchten sie häufig das Stadtarchiv Gunzenhausen auf, wo sie die Forschungsergebnisse von Stadtarchivar Werner Mühlhäußer nutzen konnten. Die Initiative dazu war von Emmi Hetzner und Franz Müller, dem damaligen Rektor der Schule, ausgegangen. Im Laufe der Zeit wurde eine eigene Internetseite erstellt (www.jl-gunzenhausen.de), über die Nachkommen ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus Gunzenhausen Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern aufnehmen konnten. In der Folge besuchten Nachfahren den Unterricht in der Altmühlstadt und berichteten dabei von ihrer Familiengeschichte und ihrem Schicksal.

Direkt vor dem Mahnmal in Markt Berolzheim unterschrieben Spaenle und Westphal dann den gemeinsamen Kooperationsvertrag. In dessen Präambel sind bereits die wesentlichen Ziele der Kooperation festgeschrieben: „Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ist historisch stark geprägt vom jüdischen Leben, das hier wie in ganz Franken einen bedeutenden Anteil an der gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung hatte. Viele Initiativen, Schulen und Einzelpersonen erforschen und vermitteln aktiv die Geschichte jüdischen Lebens und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Erinnerungskultur und Bewusstseinsbildung für heutige und kommende Generationen. Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen will diese Bemühungen aktiv unterstützen bzw. fördern und damit auch zur Prävention und Aufklärung gegen antisemitische Einstellungen beitragen.“

Spaenle will als Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben vor allem Vereins- und Schulprojekte und lokale Initiativen im Bereich der Erinnerungskultur und des jüdischen Lebens unterstützen und beratend und fachlich zur Seite stehen. Beide Parteien wollen sich regelmäßig austauschen und die erfolgten Aktivitäten sowie gemeinsam auch bewerten und gegebenenfalls ausbauen. Die Kooperationsvereinbarung wurde für einen unbestimmten Zeitraum eingegangen.

Bei der Unterzeichnung waren auch Markt Berolzheims Bürgermeister Fritz Hörner und weitere Vertreter der benachbarten Kommunen anwesend, die ebenfalls Zentren des jüdischen Lebens in der Region waren, nämlich der Erste Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (Gunzenhausen), Erster Bürgermeister Matthias Obernöder (Ellingen), Zweiter Bürgermeister Hans König (Treuchtlingen). Daniel Burmann hat als lokaler Archivar die Geschichte der Juden in Markt Berolzheim vor und während des Holocausts umfangreich erforscht und ein 600 Seiten dickes Buch verfasst. Seitdem hat er einen engen Kontakt zu Nachfahren der Markt Berolzheimer Juden aus der ganzen Welt.

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