Der Haushalt 2026 mit Stellenplan ist verabschiedet
Der Haushalt 2026, der eine Gesamtvolumen von 167.460.000 Euro hat, istgeprägt von steigenden Kosten, die mit den Kommunen zu stemmen sind. Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden sowie den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag war bereits im Vorfeld eine Erhöhung der Kreisumlage um 2,48 Prozentpunkte auf 47,88 Prozent Umlagesatz in Aussicht gestellt worden, die ebenfalls beschlossen wurde. Landrat Manuel Westphal ist mit dem Etat zufrieden: „Wir haben hier gemeinsam die Weichen für eine gute Entwicklung unseres Landkreises gestellt. Für die Zusammenarbeit in der laufenden Periode im Kreistag und den konstruktiven Austausch bedanke ich mich ganz herzlich.“ Ein viel diskutiertes Thema der diesjährigen Haushaltverhandlungen war vor allem der Stellenplan. Lucas Kupfer, Leiter der Personalverwaltung am Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen, stellte durch eine ausführliche Präsentation während der Kreistagssitzung klar: Die Personaldecke am Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen ist keineswegs zu dick und zusätzliche Stellen unbedingt nötig, um die künftigen Aufgaben bewältigen zu können.
Durch zusätzliche Aufgaben in der Zivilen Verteidigung wird alleine schon eine ganze Vollzeitstelle benötigt. Und auch der Beauftragte für Personal- und Organisationsentwicklung ist dringend erforderlich, um die Fort- und Weiterbildung in der Kreisbehörde zu koordinieren, die Fach- und Führungskräfteentwicklung sowie die Digitalisierung im Amt voranzutreiben. Kupfer betonte, dass man dringend eine strategische Personalentwicklung brauche, um im Hause ein einheitliches Führungsverständnis zu vermitteln, das weg gehe von Einzelmaßnahmen nach dem Motto „Eine Seminar hier, ein Workshop da.“ Für eine professionelle Digitalisierung brauche man längst nicht nur die nötige Soft- und Hardware, sondern müsse auch die Mitarbeiter mitnehmen, qualifizieren und für eine Kultur der Akzeptanz sorgen, so Kupfer.
Langfristig, machte der Personalleiter den Kreisräten deutlich, spare man durch den oder die Beauftragte für Personal- und Organisationsentwicklung sogar Kosten, weil die Prozesse verbessert würden und es künftig zu weniger Fluktuation und einer höhere Mitarbeiterbindung kommen werde. Eine derartige Stelle sei in modernen Verwaltungen -wie auch in privaten Unternehmen – ein wichtiges Signal an die Mitarbeitenden. Kupfer wörtlich: „Wir entwickeln unsere Mitarbeitenden weiter, nicht nur ihre Aufgaben.“
Als konkretes Beispiel, warum mehr Personal benötigt werde, nannte Kupfer die Einführung des sogenannten „Wassercents“: Bei der Ermittlung aller entgeltpflichtigen Wasserentnahmen, dem Abgleich bestehender wasserrechtlicher Erlaubnisse mit der Entgeltpflicht oder der Prüfung von Ausnahmen sowie bei der Bearbeitung von Widerspruchs- und Klageverfahren entstehe ein deutlich höherer Prüf- und Erfassungsaufwand.
Dass die Verwaltung teilweise überlastet ist, belegte Kupfer am Beispiel des Jugendamts: Aufgrund stark steigender Fallzahlen und erhöhter Komplexität gebe es hier Überlastungsanzeigen, die den Arbeitgeber zum Handeln zwingen. Der Personalleiter betonte auch das: „Fehler im Jugendamt betreffen das Kindeswohl, die Grundrechte, Leben und Gesundheit und können unter Umständen hochsensible und gegebenenfalls schwerwiegende Folgen haben.“ Komme es zu Organisationsmängeln, dann könne das unter Umständen auch strafrechtliche Konsequenzen haben, für die man auch persönlich haftbar gemacht werden könne. Weil permanente Überlastung der Mitarbeiter zu Burnout und einer hohen Fluktuation führen könne, müsse man zum Schutz der Mitarbeitenden dringend reagieren, weil sich Fehler im Jugendamt infolge der Überlastung gravierend auswirken könnten. Auch in der Unteren Naturschutzbehörde wurden zwei Stellen geschaffen, von denen eine ausschließlich für das Projekt „Klimaresilienz in Altmühlfranken“ vorgesehen ist, das mit 60 Prozent gefördert wird. Die andere Stelle kümmert sich um das Natur- und Umweltprogramm des Landkreises. Damit können sich die übrigen Mitarbeitenden komplett auf die übrigen Aufgaben, vor allem auf Genehmigungsverfahren konzentrieren, was zu einer deutlichen Beschleunigung der erforderlichen Verfahren in diesem Bereich führen wird.
Als weiteres Beispiel nannte Kupfer den Bereich „Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Brand- und Katastrophenschutz“: Durch einen deutlichen Zuwachs an Aufgaben im Bereich der freiwilligen Feuerwehren könnten bestimmte Aufgaben nicht mehr ehrenamtlich bewältigt werden. So müssten beispielsweise die digitalen Funkgeräte aller Feuerwehren im Landkreis regelmäßig mit einem aktuellen Update versehen werden. Würde der Landkreis dies Aufgabe nicht auch für die örtlichen Feuerwehren miterfüllen, dann müsste diese Aufgabe an externe Dienstleister vergeben werden, die Kosten müssten die Kommunen dann selbst tragen.
Im Vergleich mit umliegenden Landkreisen, argumentierte Kupfer, sei der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ohnehin personell nicht zu üppig ausgestattet. So liegt die Personalausgabenquote in Weißenburg-Gunzenhausen 2026 bei voraussichtlich 15,90 Prozent und ist in den letzten Jahren sogar gesunken. Kupfers Fazit: „Ohne die zusätzlichen Stellen gibt es keine Möglichkeit, um die zusätzlichen Herausforderungen dauerhaft und nachhaltig bewältigen zu können.“ Ein Stellenmoratorium, wie von einem Teil der Kreistagsfraktionen beantragt, hätte die Herausforderungen in der ohnehin schwierigen Personalgewinnung weiter verschärft und zu einer weiteren Überlastung des vorhandenen Personals geführt.