Die Prinzenreise in die Niederlande

Hechlinger Pfarrer schrieb „Poetische Reisebeschreibung“

Der Buchtitel zeigt den 14-jährigen Prinzen Alexander mit rotem Rock, blauer Weste und schwarzem Dreispitz. Zu seinen Füßen sitzt der Spitz „Jolie“.  Foto: Jim Albright/Stadtarchiv Ansbach

Um sich für die künftige Regentschaft vorzubereiten mussten die männlichen Nachkommen der Fürstenhäuser das standesgemäße Auftreten lernen, sozusagen in „Fremdlehre“ gehen, also Erfahrungen auf  fremden Höfen sammeln. Wie das im Fall des Prinzen Alexander geschah, der 1757 nach dem Tod seines Vaters Carl Wilhelm Friedrich die Regentschaft im Markgrafentum Brandenburg-Ansbach übernahm, geht aus verschiedenen Schriften hervor. Die umfangreichste Darstellung ist die „Poetische Reisebeschreibung“ der Prinzenreise Alexanders von 1748 bis 1750 nach Utrecht (Niederlande). Der Ansbacher Stadtarchivar Dr. Wolfgang Reddig hat die Transkribierung des Originals des markgräflichen Reisepredigers Friedrich Wilhelm Wolshofer vervollständigt, d.h. in eine heute verständliche Sprache übersetzt. Veröffentlicht ist sie im 29. Band der „Mittelfränkischen Studien“ des Historischen Vereins für Mittelfranken, der in diesen Tagen erschienen ist.

Markgraf Alexander lebte von 1736-1806 und regierte das Fürstentum von 1757 bis 1791 als reformfreudiger Herrscher, der darauf bedacht war, die Schuldenlast abzubauen, die sein Vater, der „Wilde Markgraf“, angehäuft hatte. Er war ausgesprochen reisefreudig. Die Wissenschaft spricht von 33 Reisen in 43 Jahren. Seine erste Auslandsreise, die sogenannte Prinzenreise, führte ihn für zwei Jahre nach Utrecht,  1751-1753 besuchte er auf seiner „Kavalierstour“ u.a. Frankreich und Italien. Die holländische Reise diente weniger den wissenschaftlichen Studien an der Uni Utrecht (in deren Matrikeln ist kein Hinweis zu finden) als vielmehr der Begegnung an fremden Höfen und der Einübung von standesgemäßem Auftreten. Höfische Lehrer unterrichteten den Prinzen in Natur- und Geisteswissenschaften, halfen ihm beim Lernen von anderen Sprachen, perfektionierten mit ihm die Exerzitien und auch die höfischen Disziplinen wie Tanzen, Fechten und Reiten kamen nicht zu kurz. Die Abscheu gegenüber dem Studium äußerte der 13-jährige Alexander 1749 in einem Brief an den Ansbacher Minister von Seckendorff.  Er verriet ihm stattdessen seinen Wunsch: eine Reise nach England. Die aber kam nicht zustande.

Wie seine Prinzenreise verlaufen  ist, das können wir heute nachlesen, und zwar in einer verständlichen Sprache. Dr. Wolfgang Reddig, der Leiter des Markgrafenmuseums Ansbach, hat drei schriftliche Hinterlassenschaften aus dem 18. Jahrhundert als Quellen bearbeitet: das „Reisejournal“  des markgräflichen Hofmeisters und Reisebegleiters Philipp Ludwig von Bobenhausen, das Tagebuch von Wilhelmine Charlotte von Seckendorf-Aberdar und eben die „Poetische Reisebeschreibung“ von Friedrich Wilhelm Wolshofer.  Der Autor konnte sich auf die Vorarbeit  des Historikers Adolf Lang stützen, der in Ansätzen das Originalmanuskript (125 handschriftliche Quart-Seiten) bearbeitet hatte, aber die Arbeit zeitlebens nicht abschließen konnte.  Das Original war im Gräflich Seckendorffschen Archiv in Obernzenn verwahrt. Im Buch ist die Originalfassung der „Poetische Reisebeschreibung“ auf 75 Seiten abgedruckt. Autor Dr. Reddig  beschreibt den Reiseweg und geht auf die Besonderheit der Stationen auf der Hinreise ein.  Die Rückreise (ausschließlich mit der Kutsche)  war verkürzt, fremde Höfe wurden nicht mehr aufgesucht.

Wer war dieser Wolshofer, der sich selbst einmal „Wohlfßhoffer“ nannte?  1707 in Ansbach geboren besuchte er die höhere Schule und studierte in Jena, wo er allerdings verunglückte, sich „Arm und Brust zerbrach“. In der Folgezeit war er als Privatlehrer der „Arzbergischen Kinder in Sommersdorf“ und als „Amtsverwalter der Reutterischen zu Merkendorf“ agierte.  In den Annalen taucht er 1734 als Vikar in Flachslanden auf, ein Jahr später als Diakon in Heidenheim, schließlich 1736 als Kaplan in Heidenheim und Degersheim, ab 1737 als Pfarrer in Hechlingen.  Zur Zeit der Prinzenreise war er offiziell Pfarrer in Roßtal.  Bekannt ist, dass er 1741 in Unterschwaningen vor der vom Ansbacher Hof verstoßenen Markgräfin Friederike Louise predigte. Auch für Prinz Alexander verfasste er ein Festgedicht, zum Richtfest des Lust- und Falkenhauses in Gunzenhausen 1754 eine „Kranz-Rede“. Als Dekan in Crailsheim verstarb er 70-jährig im Jahr 1787.

Wolshofer begleitete den angehenden Fürsten nach Holland als Teil einer 23-köpfigen Crew, die am 20. Mai 1748 zur 600 Kilometer langen Reise startete. Vom Hafen in Marktsteft aus  ging es mit einem eigens zum Zwecke der Prinzenreise gebauten Schiff über Würzburg, Lohr, Hanau, Frankfurt, Hoechst, Mainz, Koblenz, Bendorf, Altenkirchen, Brühl, Köln, Düsseldorf, Wesel, Schloss Empel und Arnheim nach Utrecht.  Zu den Miteisenden gehörten adelige Räte, Kammerherren und Pagen sowie der Mundkoch mit Küchenjungen. Wolshofer musste aus gesundheitlichen Gründen die Reise nach einem Jahr abbrechen.

WERNER FALK

Dr. Wolfgang Reddig: „Die Prinzenreise Alexanders von Brandenburg-Ansbach 1748-1750“, 276 Seiten, ISBN 978-3-96049-136-1, Mittelfränkische Studien Band 29 des Historischen Vereins für Mittelfranken. Erhältlich im örtlichen Buchhandel. Preis: 32 Euro.

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1 Gedanke zu „Die Prinzenreise in die Niederlande“

  1. Hermann Grillenberger

    Wir gedenken in diesem Jahr an die Bauernaufstände vor 500 Jahren. Die 12 Memminger Artikel waren eine der ersten niedergeschriebenen Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten.
    250 Jahre nach den Bauerkriegen hat der Sohn des absolutistischen „Blutsaugers“ Karl Wilhelm Friederich 2500 seiner „Untertanen“ an die Engländer verkauft. Damit diese dann in Amerika als Soldaten gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Siedler kämpfen. Als es zur Meuterei bei der Verschiffung in Marktsteft kam, war der wohlerzogene und gebildete Alexander bei der Niederschlagung zur Stelle. Jedes Mal wenn ich die Ansbacher Residenz sehe, mache ich mir Gedanken wie diese entstanden ist. 100 Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg, der unser Mittelfranken total verwüstet und die Bevölkerung halbiert hat, haben unsere Vorfahren dieses Gebäude erstellt. Wir haben heute große Probleme dieses Bauwerk zu erhalten. Es ist für mich unbegreiflich, warum man diese Blutsauger heute noch in ein positives Licht rückt.
    Mit Geschichtsvergessenheit kann das nichts zu tun haben – es ist „negative Intelligenz“.
    Das Hauptwort dafür würde zensiert werden.

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