Neue Photovoltaikanlage der Brauerei Gutmann

Wie gut nachhaltige Energieerzeugung und Artenschutz zusammenpassen, zeigt die neue Freiflächen-Photovoltaikanlage (PV) der Brauerei Gutmann in Titting. Das Projekt, das in enger Kooperation mit dem Landkreis Eichstätt und dem Naturpark Altmühltal (Südliche Frankenalb) e. V. entstanden ist, wurde am 30. Oktober 2025 vorgestellt. Es gilt als Modellvorhaben für den gesamten Naturpark.
„Unser Ziel ist es, nicht nur gutes Hefeweizen zu brauen, sondern auch einen Beitrag zu einer lebenswerten Zukunft zu leisten“, betonte Bräu Michael Gutmann. Das Familienunternehmen habe sich ein klares Ziel gesetzt: Die Brauerei soll klimaneutral und langfristig energieautark werden. Das neu errichtete Solarfeld der Brauerei Gutmann, das sich zwischen Titting und Erkertshofen befindet, sei ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in diese Richtung. „Damit können wir nun 50 Prozent unseres Strombedarfs decken“, erläuterte Gutmann und bedankte sich gleichzeitig bei der Firma Zehendner aus Trebgast, mit der die Brauerei die neue PV-Anlage realisiert hatte.
Mehr Sonne, mehr Grün, mehr Leben
Das Projekt geht in Sachen ökologischer Ausrichtung weit über das hinaus, was bei Freiflächen-Photovoltaik üblich bzw. gesetzlich vorgeschrieben ist. Hans Rudingsdorfer, Umwelt- und Naturschutzbeauftragter der Brauerei Gutmann, erklärte vor Ort die Unterschiede, die zum Teil auch für den Laien deutlich erkennbar sind. So fiel die Wahl auf reflektionsarme Module: „Sie blenden weniger und locken deshalb keine wasserliebenden Insekten an, die sich auf der heißen Oberfläche verbrennen würden.“ Auch der Abstand zwischen den Modultischen ist größer. Damit könne Regenwasser flächig versickern und der Boden heize sich nicht so sehr auf. Außerdem setzt man auf deutlich mehr Grün und Tierfreundlichkeit: Demnächst werden Wildobst- und Streuobstbäume gepflanzt, bereits fertig ist das dichtere Heckenband zur Eingrünung sowie ein Acker, auf dem seltene Ackerwildkräuter zwischen dem Getreide gesät werden.

Auch die kleineren Tiere finden in der Anlage Lebensraum, wie Rudingsdorfer erklärte: „Wir haben zum Beispiel Lesesteinriegel und Totholz integriert sowie Sandarien, die Wildbienen als Brutstätte dienen, angelegt.“ So entstanden innerhalb der Anlage sechs verschiedene Biotoptypen, bei herkömmlichen Anlagen sind es meist nur zwei. Das macht sie zu einem wertvollen Trittstein innerhalb des Biotopverbunds im Naturpark Altmühltal.
Vorbild für die Juralandschaft
Bei der Entwicklung und Umsetzung wurde die Brauerei Gutmann vom Natur- und Umweltprogramm des Landkreises Eichstätt und vom Naturpark Altmühltal (Südliche Frankenalb) e. V. begleitet – das Projekt dient gleichzeitig als Modell für den gesamten Naturpark. „Das Konzept ist speziell auf unsere Jura-Landschaft abgestimmt“, erklärte Christoph Würflein, Geschäftsführer des Vereins: „Es lässt sich auf viele weitere Standorte im gesamten Naturpark übertragen.“ Besonders hob er hervor, dass bei dieser Anlage bewusst nicht „das Letztmögliche an Energie herausgeholt wird. Stattdessen geben wir der Natur etwas zurück“. Und er fügte süffisant hinzu: „Wer ein Gutmann-Bier trinkt, der trinkt jetzt für die Jura-Landschaft.“ Künftig wird die PV-Anlage vom Ranger-Team des Naturparks betreut, das die Entwicklung von Flora und Fauna im Rahmen eines langfristigen Monitorings dokumentiert.
Synergien statt Unvereinbarkeit
Eichstätts Landrat Alexander Anetsberger würdigte insbesondere das Engagement der Brauerei Gutmann: „Es ist ein großes Glück, dass wir hier einen Wirtschaftsbetrieb an der Seite haben, der unseren Weg zu einem zukunftsfähigen Landkreis mit so viel Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative mitgeht.“ Oft sei es schwierig, CO2-Ziele zu erreichen und gleichzeitig die Natur zu erhalten. Im Falle einer Freiflächen-Photovoltaik stünden sich der Vorteil erneuerbarer Energien und
der Nachteil, dass dadurch oftmals Lebensraum für Pflanzen und Tiere verloren gehen, gegenüber. „Bei der Planung und Umsetzung von Anlagen wie dieser aber werden beide nachhaltig kombiniert“, so der Landrat: „Hier können wir wichtige Erfahrungswerte dafür sammeln, wie die Verbindung von Klimaschutz und Artenschutz in der Praxis funktioniert.“
Strom als regionale Wertschöpfung
Dass sich die Fläche auf dem Gebiet des Marktes Titting, der auch für die Bauleitplanung der Anlage zuständig war, befindet, passt gut zu Titting als Modellgemeinde des Projekts „Marktplatz der biologischen Vielfalt“. „Auch für uns stellt die neue Freiflächen-PV-Anlage einen Meilenstein dar“, so Bürgermeister Andreas Brigl: „Sie ist die erste im gesamten Gemeindegebiet.“ Dabei hatten in der Vergangenheit schon mehrere PV-Investoren ihre Finger nach Titting ausgestreckt. Daraufhin habe der Tittinger Gemeinderat Kriterien aufgestellt, die solch ein Projekt erfüllen sollte, blickte Bigl zurück. Diese betrafen unter anderem den Abstand zum Wald, die Einsehbarkeit und die Durchlässigkeit für Wild. „Außerdem wollten wir, dass der Strom für den Tittinger Eigenbedarf genutzt werden kann“. All das sei hier erfüllt worden und „dieser Strom stellt echte regionale Wertschöpfung dar.“
Coburger Fuchsschafe statt Mähroboter
Untermalt wurde die Vorstellung des Projekts vom Blöken der Schafe, die dafür sorgen, dass Kräuter und Gräser nicht über die Modultische wachsen. Die Herde des Kaldorfer Schäfers Christian Schiegl – bestehend aus der selten gewordenen alten Landschaftsrasse „Coburger Fuchsschaf“ – fühlt sich sehr wohl und trägt ihren Teil zur Artenvielfalt bei. „Bereits jetzt sieht man, dass dort, wo die Schafe in den vergangenen Monaten geweidet haben, die Vielfalt der Pflanzen größer wird“, erläuterte Schiegl. Beim Einsatz eines Mährobotors wäre dieser Vorteil nicht gegeben.
Einen Blick auf die Schafe haben die menschlichen Besucher, wenn sie auf dem Radweg zwischen Eichstätt und Titting unterwegs sind, der an der Anlage vorbeiführt. Dort können sie sich auch an der Infotafel über die ökologischen Besonderheiten schlaumachen. Wer wissen möchte, mit welchen Projekten die Brauerei Gutmann bisher die Biodiversität gefördert hat, folgt dem „Tittinger Weg der Artenvielfalt“. Er führt über das Gelände der Brauerei und informiert auf 13 Schautafeln über Ackerwildkräuter, Biotopbäume, Blühflächen, Feldfluren, Hecken, Insektenhotels und mehr.