Limestagung in Gnotzheim

Experten berichteten über den Stand der Forschung

In der ersten Reihe: Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster, Bezirksheimatpflegerin Dr. Annett Haberlah-Pol, Landrat Manuel Westphal, Bezirksrat Hans Popp, Limesführer Werner Stöckelhuber und Bürgermeister Jürgen Pawlicki (beide aus Gnotzheim). Fotos: W. Falk

Seit 2005 ist der Obergermanisch-Rätische Limes das bislang einzige mittelfränkische Weltererbe. Er bildet einen Abschnitt des transnationalen Welterbes „Grenzen des Römischen Reiches“. Auf einer Länge von 69,3 Kilometern durchquert der Limes die Landkreise Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen. Daher hat der Bezirk Mittelfranken die Limesfachberatung in der Bezirksheimatpflege eingerichtet.  Ihre Leiterin Andrea May fungiert als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Tourismus, organisiert Tagungen und Weiterbildung und berät Landkreise, Kommunen, Institutionen oder Privatpersonen. Ziel ihrer Arbeit ist die Weiterentwicklung und Vermittlung des Welterbes „Limes“.

Chef des Limeseums Ruffenhofen: Dr. Pausch

Die Limestagung am 21. November 2025 in der Gnotzheimer Mehrzweckhalle war ein bewusst gewählter Ort, denn hier konnte schon bei früheren Untersuchungen ein Kastell („Mediana“) nachgewiesen werden.  Zudem wurde 1993 auf einer Fläche von 55 mal 20 Meter  ein Gräberfeld  (12 Gräber) untersucht.  Der gastgebende Bürgermeister Jürgen Pawlicki  äußerte sich stolz, dass der Ort (1053 erstmals urkundlich erwähnt),  eine so reiche Vergangenheit vorzeigen kann. 1957 hat man an einer Außenwand der Kirche St. Michael eine Tafel entdeckt, aus der hervorgeht, dass es hier ein römisches Kastell  und ein Lagerdorf gegeben hat, 1999 ist bei Straßenbauarbeiten ein Weihestein ans Tageslicht gekommen. Frühere Forschungen aus dem Jahr 1878 stammen von dem Gunzenhäuser Limesforscher Dr. Heinrich Eidam, der im Auftrag der Reichslimeskommission tätig war.

Einer, der vor 32 Jahren in Gnotzheim mit an der Erforschung eines römischen Gräberfelds gearbeitet hat, ist Dr. Matthias Pausch, der heutige Leiter des „Limeseums“ in Ruffenhofen.  Er zitierte auch einen jahrhundertealten Eintrag: „Totengräber, lass das Grab in Ruhe, hier liegt schon einer!“ Auf einer anderen Tafel  wird gewarnt: „Wer hier seine Notdurft verrichtet, den bestrafen die Götter!“

Leiterin der Limesberaterungsstelle: Andrea May.

Andrea May nannte die Römerkastelle in Ruffenhofen und in Weißenburg als namhafte Zeugnisse römischer Zeit. Am Limes in Mittelfranken gab es übrigens in 26 Gemeinden 10 Kastelle. Gräberfelder wurden in Dambach, Ruffenhofen, Weißenburg, Gnotzheim, Theilenhofen und Geilsheim gefunden.

Auf die Ergebnisse der Ausgrabungen im Kastellvicus von Weißenburg im Quartier Steinleinsfurt (Grabungen 2021-2022) ging Mariola Hepa vom Landesamt für Denkmalpflege ein. Auf dem 5600 Quadratmeter großen Gelände an der Gunzenhäuser Straße in der Nähe des Römerkastells „Biriciana“ soll jetzt  – nach der jahrelangen Unterbrechung durch die archäologischen Arbeiten – ein modernes Wohnquartier der  Genossenschaft „Eigenheim“ entstehen.

Simon Sulk von den Museen der Stadt Weißenburg („Accele Hilarus –  ein besonderer Fund aus dem Kastell Weißenburg“) sowie Markus Trodler („Neues zum römischen Ruffenhofen“)  ergänzten die Berichte, einen „Soundcheck am Limes“ lieferten Roland Starigk und Josef Taubeneder.

Wie groß das Interesse des Bezirks Mittelfranken an der Limesforschung ist, bekundete vor rund 80 Gästen der Präsident des Bezirkstags, Peter Daniel Forster. Er dankte den ehrenamtlich tätigen Limesführern und Mitarbeitern der Forschungs- und Beratungsstelle. Zu denen gehört auch der Gnotzheimer Werner Stöcklhuber, der sich seit Jahrzehnten mit der römischen Geschichte seiner Heimat befasst und ein stattliches Archiv angelegt hat.

WERNER FALK

Falk Report per E-Mail

Einmal im Monat kommunal- und gesellschaftspolitische Themen aus Gunzenhausen – ergänzt um historische Beiträge des Heimatkundevereins. Bleiben wir in Kontakt!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben scrollen