Anerkennung Gunzenhausens gilt für die nächsten sieben Jahre

Gunzenhausen hat den Titel als fahrradfreundliche Kommune erfolgreich verteidigt! Und was bedeutet das?
Vielleicht haben Sie es schon mitbekommen: Die Stadt Gunzenhausen hat sich am 15. Oktober 2025 erfolgreich einer strengen Bewertungskommission gestellt und darf den begehrten Titel als „fahrradfreundliche Kommune“ für weitere sieben Jahre behalten. Bekommen hat sie den Status erstmals 2018 und viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich, was das eigentlich bedeutet, „fahrradfreundlich“ zu sein. Klaus Stephan leitet nicht nur das Hauptamt im Rathaus, sondern ist zugleich Radverkehrsbeauftragter der Stadt Gunzenhausen. Er erklärt, was die Zertifizierung bedeutet und wie schwierig es ist, diese erfolgreich zu verteidigen.
Frage: Welche Voraussetzungen muss eine Gemeinde erfüllen, um eine Rezertifizierung erfolgreich zu meistern?
Klaus Stephan: „Die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern hat in Zusammenarbeit mit den zuständigen Staatsministerien einen strengen Kriterienkatalog erarbeitet, den es zu erfüllen gibt. Dieser Katalog enthält zahlreiche Fragen und Vorgaben zu kommunalpolitischen Zielsetzungen. So beschäftigt er sich beispielsweise eingehend mit der Schaffung einer fahrradfreundlichen Infrastruktur. Er definiert ausführlich dafür notwendige bauliche Maßnahmen und fordert die Umsetzung eines alltagstauglichen Radverkehrskonzepts.
Daneben spielen noch viele weitere Punkte eine Rolle, etwa sinnvolle Beschilderungskonzepte oder die Einbindung, Teilhabe und Information der Bürgerinnen und Bürger.
Für die Rezertifizierung war es wichtig, dass die Stadt ihre Hausaufgaben gemacht hat, die 2018 im Rahmen der ersten Hauptbereisung aufgegeben wurden. Eine arbeitsintensive Zeit liegt hinter uns, doch am Ende hat es sich gelohnt und wir konnten die Prüfer überzeugen. Die Stadt Gunzenhausen hat in einem 49-seitigen Summary alle Maßnahmen im Zeitraum von 2018 bis 2025 zusammengestellt und der Kommission im Juni dieses Jahres schriftlich vorgelegt. Am 15. Oktober 2025 mussten in der Stadthalle Gunzenhausen vormittags in einem theoretischen Teil Fragen zur erneuten Bewerbung beantwortet werden. Nachmittags erfolgte eine öffentliche Fahrradexkursion durch das Stadtgebiet, die zu den wichtigsten Projekten und baulichen Maßnahmen der letzten sieben Jahre geführt hat. Das Gezeigte wurde von der Kommission kritisch unter die Lupe genommen und bewertet. Rund fünf Stunden hat die Prüfung gedauert.
Wir waren sehr überzeugend und besonders die Begeisterung Gunzenhausens für nachhaltige Mobilität und den Radverkehr im Allgemeinen wurde gelobt.“
Frage: Wer vergibt den Titel als „Fahrradfreundliche Kommune?“
Klaus Stephan: „Den Titel vergibt das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr auf Vorschlag der Bewertungskommission.“
Frage: Aus welchen Personen bestand die Bewertungskommission in Gunzenhausen?
Klaus Stephan: „Die Bewertungskommission bestand aus der Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK Bayern), Sarah Guttenberger, Christian Deuerling von der Landesbaudirektion, als Vertretung für das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, aus Robert Burschik und Johannes Ziegler vom ADFC-Landesverband Bayern und aus dem Landtagsabgeordneten Wolfgang Hauber.“
Frage: Wer war noch alles bei dem Bereisungstermin dabei?
Klaus Stephan: „Außer der Bereisungskommission waren unser Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, Mitarbeiter der Verwaltung, Mitglieder des Ausschusses für Bauangelegenheiten, Stadtentwicklung und Umwelt, Baudirektor Andreas Fechner vom Staatlichen Bauamt, Roland Schmidt als Zweiter Vorsitzender der Gebietsverkehrswacht Gunzenhausen, Simone Wiesenberg und Peter Lassnig von der örtlichen Polizei, Rikscha-Kapitän Reinhard Adolphs und interessierte Bürgerinnen und Bürger dabei.“
Frage: Wie viele Kommunen führen bisher den Titel „Fahrradfreundliche Kommune“ und wie viele Kommunen konnten bisher die Rezertifizierung erfolgreich bestehen?
Klaus Stephan: „In Bayern dürfen nur 78 Gemeinden den Titel „Fahrradfreundliche Kommune“ führen. Und Gunzenhausen ist jetzt sogar noch einen Schritt weiter gegangen, denn der Titel wurde erfolgreich verteidigt. Bisher haben nur zwölf Kommunen das Rezertifizierungsverfahren erfolgreich durchlaufen. Gunzenhausen zählt nun ebenfalls dazu und darauf dürfen wir sehr stolz sein. Den Titel darf Gunzenhausen nun bis zum Jahre 2032 führen. Die feierliche Verleihung der Urkunde durch den Bayerischen Verkehrsminister Christian Bernreiter erfolgt im Februar 2026.“
Frage: Welches sind die nächsten Ziele, welche die Stadt Gunzenhausen in Sachen Radfahrfreundlichkeit erreichen will?
Klaus Stephan: „Fahrradfreundlichkeit ist eine Daueraufgabe, der wir uns stellen und an der wir nicht nur mit Blick auf den Klimawandel mit Vernunft und Nachdruck arbeiten. Nach der Verabschiedung des neuen Radverkehrskonzepts durch den Stadtrat im Frühjahr hat der Ausschuss für Bauangelegenheiten, Stadtentwicklung und Umwelt die künftigen Maßnahmen in drei Priorisierungskategorien eingeteilt. Höchste Priorität haben folgende sechs Maßnahmen: Verbesserung der Radverkehrsführung vom Bahnhof zur Innenstadt und zum Altmühlsee, Verbreiterung des Altmühltalradwegs von der Promenade bis zur Eisenbahnunterführung, Querung des Radverkehrs in der Ansbacher Straße auf Höhe des Tierheims, Umbau der Kreuzung Nürnberger Straße / Bahnhofstraße, Umbau des Bahnhofsvorplatzes und eine
Verbesserung der Beleuchtungssituation beim Radweg Bahnunterführung (Schwarzes Loch) zum Gewerbegebiet Nord.“
Vielen Dank für das Gespräch