Lustig und frivol im Kirchhof

Wolframs-Eschenbacher Theatersommer mit Casanova

Klaus Tkacz inszeniert den weltbekannten venezianischen Frauenhelden, musikalisch unterstützt ihn Linda Trillhaase. Foto: Falk

Das kleine Ensemble der „Erfurter Theaterfirma“ ist heuer zum 20. Mal in Wolframs-Eschenbach zu Gast, um das Sommerprogramm der Stadt zu bereichern.  „Casanova“ – hinter diesem für alle bekannten Namen verbirgt sich der Venediger Filous, der als Frauenheld eher bekannt wurde und in die Weltliteratur einging, denn als Jurist, Bibliothekar,  Theaterleiter, Diplomat, Schriftsteller oder Philosoph kam er nie zu großen Ehren.  Er bekam locker Zugang zu den europäischen Höfen und den dort sich langweilenden Frauen. Der „Großmeister der Verführung“ erlebte mit ihnen erotische Abenteuer, die sie von ihren herrschenden Patriarchen nicht kannten. In 12 Bänden schrieb er in französischer Sprache (der Italiener wollte nicht, dass die italienischen Mädchen leichten Zugang zu den erotischen Geschichten bekamen) seine Memoiren. Das Original von 1822 befand sich lange Zeit in Leipzig, ging 1992 für 7,2 Millionen Euro an die französische Nationalbibliothek. Erschienen ist die Lektüre in verschiedenen Ausformungen und in 20 Sprachen. Sie fand Eingang in die Weltliteratur.

Das Theaterstück, das noch am heutigen Freitag und am morgigen Samstag im Wolframs-Eschenbacher Kirchhof (jeweils 20 Uhr)  zu erleben ist, skizziert das abenteuerliche Leben des 1725 geborenen Venediger Bibliothekars, der sich als ausgewiesener Günstling der adeligen Frauen  offenbar problemlos Zugang zu den europäischen Höfen in Frankreich, England, Italien, Spanien, Deutschland, Polen und Russland hatte. Herzoginnen, Kurtisanen, Schauspielerinnen und Nonnen konnten sich seinen Begierden nicht entziehen, ja auch die Geistesgrößen und Könige bedienten sich seiner vielseitigen Befähigungen, wenngleich er als Diplomat doch ziemlich erfolglos blieb.

Es ist verständlich, dass sich um Casanova ein ganzes Bündel von Spekulationen ranken. Die einen behaupten, er habe zum Frühstück fünfzig rote Austern verspeist, womit er  anscheinend seine Manneskraft steigern konnte, andere geschichtliche Quellen wiederum sprechen von einer Geschlechtskrankheit, die ihn elfmal befiel und die er mit einem Hausmittel selbst therapierte. Casanova war übrigens niemals verheiratet, aber er war der Vater von einem Dutzend Kindern, eine Tochter hatte er sogar mit seiner Tochter.  

Er war ein rechter Haudegen, der sich im Grunde aber nur eines wünschte: Anerkennung. So lenkte er die Aufmerksamkeit im 18. Jahrhundert auf sich. Die Venediger aber gingen nicht eben gentlemanlike mit ihm um, sondern schickten ihn 15 Monate in die berüchtigten Bleikammern und kerterten ihn achtmal ein, so dass er sich nur durch die abenteuerliche Flucht helfen konnte.  Als 49-Jähriger kehrte er in die Hafenstadt zurück, die letzten 13 Jahre verbrachte er aber in fürstlicher Umgebung in Dux (heute: Tschechien), war 73-jährig verstarb und auf dem dortigen Friedhof begraben wurde.

Deutsch-italienisch radebrechend setzt der Solodarsteller Klaus Tkacz den weltberühmt gewordenen Lebenskünstler im Kirchhof des Wolframs-Eschenbacher Münsters in Szene, dazu gibt es ein Schattenspiel  an der Kirchenmauer und zuweilen ein amüsantes Wortspiel  mit seiner musikalischen Begleiterin Linda Trillhaase.  

WERNER FALK

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