Von der Idee über die Gründung bis zur Neuausrichtung 2025

Der „kunststoffcampus bayern“ in Weißenburg feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Das Projekt, welches in der Amtszeit von Altlandrat Gerhard Wägemann verwirklicht wurde, machte Weißenburg zur Hochschulstadt und ebnete den Weg für neue berufliche Möglichkeiten – in einer Region, in der das Thema Kunststoff(verarbeitung) eine größere wirtschaftliche Rolle spielt als andernorts. In Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Deggendorf und der Hochschule Ansbach hat man im vergangenen Jahrzehnt zahlreiche Fachkräfte ausgebildet sowie den Technologientransfer in den ländlichen Raum gestärkt. Und trotzdem möchte man sich in Weißenburg nicht mit dem Erreichten zufriedengeben – und hat deshalb konkrete Zukunftspläne für eine teilweise Neuausrichtung des Campus noch in diesem Jahr.
Der kunststoffcampus bayern ist eine bayernweit einmalige Bildungs‑ und Forschungseinrichtung, die berufliche Weiterbildung, akademische Studiengänge und angewandte Technologie kombiniert. Bislang wurde der Campus gemeinsam von der TH Deggendorf sowie der HS Ansbach als Kooperationspartner betrieben. Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der TH Deggendorf sowie die Studien- und berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten der HS Ansbach wurden dabei unter einem Dach gebündelt. Die Zielsetzung des Campus ist es bis heute, die Wettbewerbs‑ und Innovationskraft der regionalen Kunststoffindustrie zu stärken und hochqualifizierte Fachkräfte auszubilden. Treibende Kräfte zur Installation des Campus in Weißenburg waren seinerzeit Landrat Franz-Xaver Uhl sowie der heutige Altlandrat Gerhard Wägemann. Noch als Landtagsabgeordneter hatte Wägemann die Weichen für den kunststoffcampus gestellt und die Umsetzung anschließend – als Landrat – aktiv unterstützt. Der Spatenstich für den Neubau im Industriegebiet Weißenburg fand am 27. September 2013 statt. Nach einer Bauzeit von etwa anderthalb Jahren konnte das neue Gebäude am 27. März 2015 offiziell eingeweiht werden. Der heutige Landrat Manuel Westphal begleitete diese Ereignisse als Landtagsabgeordneter.
Kunststoffregion Altmühlfranken: Praxisnahe Aus- und Fortbildung
Dass es in Altmühlfranken einen Bedarf nach angewandter Forschung und Lehre im Bereich Kunststoff gab und gibt ist unbestritten. Schließlich ist Kunststoffverarbeitung der wichtigste Industriezweig in der Region. Zahlreiche Unternehmen aus diesem Bereich sind hier ansässig und produzieren hier. Da erscheint es nur sinnvoll, dass man in der Region auch darum bemüht ist, Wissen und Know-how an den Standort zu holen und auch dort zu halten. Die Kombination von theoretisch vermitteltem Wissen und einer praxisorientierten Anwendung spielte dabei von vornherein eine wesentliche Rolle in den Überlegungen.
Ein großer Fokus lag dabei von Beginn auch auf der berufsbegleitenden Weiterbildung auf Hochschulniveau. Egal ob als Weiterbildung oder als duales Studium bei einem Praxispartner direkt nach dem Abitur. So ermöglicht etwa seit 2013 der Bachelor-Studiengang „Angewandte Kunststofftechnik“ den berufsbegleitenden Erwerb eines Hochschulabschlusses im Bereich Kunststofftechnik. Fachlich breit aufgestellt und praxisorientiert bereitet das Studium auf einen vielfältigen Einsatz in der Kunststoffindustrie vor.
Ingenieurwissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Grundlagen werden dabei mit Modulen zur Persönlichkeitsentwicklung und Profilmodulen ergänzt. Als weitere Ergänzung des Portfolios ist zudem seit Sommer 2025 der Präsenz-Masterstudiengang „Sustainability in Polymer Technology“ verfügbar. Vom Design, der Produktentwicklung und -prüfung über die Produktion hin zum nachhaltigen Recycling werden dort alle Bereiche der Polymertechnik abgebildet. Neben dem großen Fokus auf Kunststoff wird am Campus seit 2014 auch noch eine weitere Studienalternative geboten. Der berufsbegleitende Bachelor „Strategisches Management“ vermittelt relevante Inhalte für eine Ausbildung von qualifizierten Führungskräften des mittleren und oberen Managements. Die Bilanz des Studienzentrums kann sich sehen lassen: knapp 250 Studenten sowie 138 Absolventen – alle berufsbegleitend! Die genannten Studienangebote bieten Fachkräften aus dem Bereich Kunststoff sowie jungen interessierten Schulabgängern eine fundierte Aus- und Weiterbildung mit entsprechenden Zukunftsperspektiven in einer der größten Kunststoff-Regionen Deutschlands. So schafft man die Grundlage für innovative Entwicklungen und die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen aus der Kunststoffbranche sowie weiteren regionalen Branchen.
Teilweise Neuausrichtung ab 2025 – Investition in die Zukunft
Doch die Welt ist nicht stehen geblieben in den vergangenen zehn Jahren. Vor dem Hintergrund sich wandelnder technologischer und wirtschaftlicher Anforderungen sehen die Verantwortlichen nun den richtigen Zeitpunkt, den Campus gezielt weiterzuentwickeln. Die Neuausrichtung soll sicherstellen, dass der Campus auch künftig für zukunftsweisende Impulse für die Kunststoffindustrie und Nachwuchsförderung in der Region Altmühlfranken sorgen kann. Deshalb haben die Verantwortlichen am kunststoffcampus bayern in den vergangenen Monaten intensiv an einer Weiterentwicklung gearbeitet. Ab Herbst 2025 übernimmt die Hochschule Ansbach, die bereits das Studienzentrum verantwortet, auch die Leitung des Technologiezentrums – und damit die Gesamtverantwortung für den gesamten Campus. Diese Neuausrichtung stellt eine klare Investition in die Zukunft dar: für die Sicherung von Fachkräften, die Stärkung regionaler Innovationskraft und die nachhaltige Entwicklung der Wirtschaftsregion Altmühlfranken und darüber hinaus. Im Zuge der Neuaufstellung wird das Kompetenzprofil des Technologiezentrums geschärft und der Standort personell ausgebaut. Zentrale inhaltliche Säulen bilden künftig die beiden Kompetenzfelder „Smart Polymer Systems“ (z. B. für Medizintechnik oder Automotive) sowie „Protective Polymer Systems“ (z. B. für Medizin, Verteidigung oder Recycling). Dazu kommt eine gezielte personelle Verstärkung: Geplant sind u. a. zwei Professuren für Kunststofftechnik, eine Professur für nachhaltige Kunststofftechnik sowie eine für Analytik und Werkstoffkunde.
Landrat Manuel Westphal zeigte sich mit den Entwicklungsschritten der vergangenen Monate zufrieden: „Der kunststoffcampus bayern in Weißenburg wird mit dieser gezielten Neuausrichtung konsequent weiterentwickelt und sein Profil noch gezielter auf die Anforderungen unserer Region und der heutigen Zeit angepasst.“
Auch Alt-Landrat Gerhard Wägemann fand lobende Worte: „Es freut mich zu sehen, dass man am kunststoffcampus in Weißenburg auch bereit ist, sich weiterzuentwickeln. Mit dieser strategischen Neuausrichtung stellt der Campus frühzeitig die Weichen für künftige Herausforderungen in Technologie, Wirtschaft und Bildung.“
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