Blaualgen waren Konferenzthema

Ist ein Kraut gegen die Blaualgen in den Speicherseen gewachsen?


Stand in der ersten Fachtagung zur Entwicklung der Altmühlseeregion am 17. Januar dieses Jahres die Frage im Vordergrund „Wie entwickelt sich die Wasserqualität der Speicherseen im Fränkischen Seenland in Zeiten des Klimawandels?“, ging es nun in die zweite Runde. Das Wasserwirtschaftsamt Ansbach hatte zur zweiten Fachtagung Vertreter der Politik, der Fachverwaltungen, Universitäten und Betroffene nach Gunzenhausen in die Stadthalle eingeladen, um konkrete Abhilfemaßnahmen aufzuzeigen und zu dis-kutieren.
Auswirkungen des Klimawandels, wie längere und wärmere Trockenphasen, brin-gen spürbare Veränderungen für unseren Wasserhaushalt. Fließgewässer, Grundwasser, aber auch unsere Seen sind betroffen. Höhere Jahresdurchschnittstemperaturen und mildere Frühjahre machen sich vor allem bei Seen be-merkbar. Blaualgen (Cyanobakterien) bekommen so durch den Klimawandel immer bessere Wachstumsbedingungen und setzen sich gegenüber „normalen“ Algen durch. Dies belegen weltweit verstärkt aufkommende Blaualgenvorkommen. Diese langsam fortschreitende Entwicklung konterkariert die erzielten Verbesserungen auch am Altmühlsee. Die neue Situation erfordert neue Lösungsansätze.
Nun war es unter dem Eindruck des Klimawandels erforderlich, die bisherigen Anstrengungen zu reflektieren und neue, interdisziplinäre Ansätze zu entwickeln, die die Region – neben seiner wasserwirtschaftlichen Funktion – weiter zukunftsfähig machen. Während auch andere Regionen weltweit unter den Blaualgenblüten leiden, besticht die Altmühlseeregion durch ein aktives und gemeinschaftliches Handeln aller Beteiligten. „Wir werden die Blaualgen nie gänzlich wegbekommen, aber wir wollen gemeinsam die Situation verbessern, eine Ausbreitung verhindern und Alternativen für Nutzung und Tourismus suchen“ so der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach, Thomas Keller.

Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Jagd, Fischerei, Kommunen und Tourismus haben sich im Januar über Ursachen, die komplexen seeinternen biologischen und chemischen Zusammenhänge und mögliche Abhilfemaßnahmen ausgetauscht. Alle sind sich einig, dass es nur gemeinsam gelingen kann, die Situation im Altmühlseegebiet zu verbessern. Dabei ist nicht nur die Wasserqualität im Fokus. Alternative touristische Angebote, Aspekte der Jagd, Ideen der Landwirtschaft und Fischerei können einen wertvollen Beitrag liefern.
Das letzte halbe Jahr wurde intensiv genutzt, um die aufgezeigten Ideen weiterzuentwickeln. In der zweiten Fachtagung am 18. Juli zeigten die vier Themenschwerpunkte ihre ausgearbeiteten Ansätze auf:

  • Landwirtschaft und Agrarökologie haben die Optionen im Einzugsgebiet des Altmühlsees betrachtet,
  • Gänsemanagement, Jagd und Fischerei lieferten Ansätze im und am See,
  • Wasserwirtschaft hat den Altmühlsee, die Brombachseen und die Altmühl im Blick,
  • Tourismus und Naherholung begaben sich auf die Suche nach Alternativen zum reinen Badebetrieb.

  • Nach einem intensiven Fachaustausch wurde für jede Gruppe das weitere Vorgehen fixiert. Dies dient als Grundlage für die nun anstehende politische Diskussion bzw. Priorisierung möglicher Abhilfemaßnahmen. Die Veranstaltung war sehr hochkarätig besucht. Die zahlreich erschienenen Vertreter des Bayerischen Land-tags belegen das Interesse der Politik an der Situation vor Ort.
    „Im Januar habe ich dargelegt, welche drei Aspekte mir wichtig waren“, so Thomas Keller: „Erstens, dass wir uns gemeinsam die Zeit nehmen, um zweitens die komplexen Zusammenhänge fachlich fundiert zu diskutieren und dann drittens – jeder für seinen Bereich – die Dinge anpackt!“ „Nach der heutigen Tagung und den vorgetragenen Ergebnissen, gilt mein Dank allen Akteuren. Es ist ein „Wir-Ge-fühl“ entstanden. Jetzt gilt es, das zarte Pflänzchen zu pflegen, damit am Ende wirklich ein Kraut gegen das Algenwachstum gewachsen ist“, so sein Fazit heute.

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