Geschichte im Rother Land

Publikation „Heimatkundliche Streifzüge“ ist erschienen

Wussten Sie das? Der Verfasser der ersten Naturgeschichte in deutscher Sprache war ein Rother, eigentlich ein Mäbenberger! Konrad von Megenberg (1309-1374) gehörte dem Ortsadelsgeschlecht an, aber er folgte aber nicht immer der mittelalterlichen Obrigkeit, sondern leistete sich die Freiheit, die ihn damals auch zu einem gesellschaftlichen „Enfant terrible“ machte. Es war eine Pionierarbeit von ihm – so der Historiker Robert Unterburger in der aktuellen Ausgabe der „Heimatkundlichen Streifzüge“ (41/2022) – , ein Buch über Pflanzen und Tiere seiner Heimat in der für alle verständlichen deutschen Sprache zu veröffentlichen. Die Botaniker mögen ihn dafür loben, aber bei Kirchenrechtlern, Theologen und Moralphilosophen war er nicht so gern gesehen.

Der Kirchenbuck in Georgensgmünd ist das Titelbild des Büchleins.

Über sein Studium in Erfurt kam er nach Paris (1334), wo er als Lektor am Zisterzienserkolleg St. Bernhard das geistige Leben von Paris erleben konnte. Philosophische und theologische Vorlesungen hielt er sogar an der Pariser Sorbonne – und das immerhin acht Jahre lang. Er reiste sogar nach Avignon, wo der Papst zeitweise residierte. Benedikt VII. erfuhr so von Konrads „Klagelied der Kirche über Deutschland“, das erst 1956 in deutscher Sprache erschien und so weitere Kreise erreichte. Es war ein satirischer kirchenpolitischer Dialog in Versform, der sich auf den Streit des deutschen Kaisers mit dem Papst bezog. Die erhofften einträglichen Pfründe, quasi als Honorar, blieben allerdings aus.

1342 verabschiedete er sich von Frankreich und übernahm in Wien die Leitung der Stephansschule, der Vorgängerin der Wiener Universität.  Dort verfasste er das erste deutschen Physikbuch, auch das „Buch der Natur“, das er 1350 vollendete. Nach einem Streit mit Wissenschaftlern befiel ihm eine Lähmung an Händen und Füßen, die Anbetung des Heiligen Erhard in Niedermünster bei Regensburg brachte ihm Befreiung von allen Leiden. Folglich blieb er bis zu seinem Tod (1374) im Regensburger Domkapitel. In dieser Zeit veröffentlichte er eine dreibändige moralphilosophische Enzyklopädie (Erziehungsplan) für die „unbemittelten Söhne“ der Ritter und Kaufleute. Die ist auch heute noch höchst amüsant zu lesen, findet Autor Robert Unterburger.  Der Kleriker widmet nämlich der weiblichen Schönheit einen Blick.  

Die weiteren Autoren

Dr. Johannes Ammon, der frühere evangelische Pfarrer von Polsingen, ist heute Ruhestandspfarrer in Hilpoltstein. Er geht in einem Beitrag auf die Markgrafenkirchen in Georgensgmünd und Petersgmünd ein,  der Hilpoltsteiner Pflanzenkundler Thomas Zeh widmet sich den fünf Eichen am westlichen Ortseingang von  Fünfbronn und ihrer Mystik. Josef Kocher, 35 Lehrer in Spalt, ist auf der Spur des geistlichen Lieds „Die Nachtigallen singen“, von dem die alten Spalter Betschwestern meinten, es dürfe eigentlich bei Maiandachten nur in der Hopfenstadt gesungen werden, nicht aber in Großweingarten oder noch entfernter liegenden Orten. Die Mühlen im Schwarzachtal stellt Karl-Heinz Richter vor, ein Büchlein über Meckenhausen 1684 beschreibt Albert Hofbeck und einen Streit um die Burg Eckersmühlen beleuchten die Autoren Dr. Annett Haberlah-Pohl, Eva Schultheiß und Robert Unterburger.  Anton Boesch mahnt in seiner Abhandlung über die Augustinerinnen von Pillenreuth: „Vergiß nit unser armen Waltschwesterlein in dem wilden gereut“.

WERNER FALK

Die „Heimatkundlichen Streifzüge“ erscheinen jährlich und sind für 4,60 Euro im Landratsamt Roth und über den Buchhandel (ISSN 0724/1100) erhältlich.

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