Kompetenz bündeln!

Wirtschaftsverbände fordern deutliche Aufwertung beider Berufsschulstandorte

Die Vertreter der Handwerksbetriebe und der regionalen Wirtschaftsverbände haben sich mit einem gemeinsamen Appell an Landrat Manuel Westphal gewandt, um die beiden bestehenden Berufsschulstandorte in Weißenburg und Gunzenhausen langfristig zu leistungsstarken Kompetenzzentren auszubauen. Dazu gilt es an beiden Standorten die Chancen und Optionen für eine zukünftige Stärkung zu planen und notwendige Voraussetzung dafür zu schaffen.
Aus aktuellem Grund geht es zunächst um den Standort Gunzenhausen, da der Kreistags-Schulausschuss beschlossen hat, die Entscheidung über den Umbau der Berufsschule in Bezug auf einen Erweiterungsbau für das Bäckerhandwerk wegen eines weiteren Raums für die Ausbildung der Metzger so lange zu verschieben, bis eine konkrete Kostenermittlung vorliegt.
Dieses Vorgehen eröffnet nämlich jetzt eine realistische Chance für eine Zusammenführung der Ausbildungskompetenzen im Bereich der Lebensmittelberufe an einem einzigen zukunftsfähigen Berufsschulstandort. Durch die Verlegung des Unterrichts für Auszubildende der Bäcker von Ansbach und Weißenburg nach Gunzenhausen und der Metzger von Weißenburg nach Gunzenhausen bieten sich sinnvolle Synergien, die es zu nutzen gilt. Zum einen der Erhalt der Ausbildungsstelle im Landkreis bzw. der Region und zum anderen die Möglichkeit auch mit anderen Berufssparten im Lebensmittelbereich hier sinnvolle Ausbildungskonzentrationen aufzugreifen, die wie etwa die Hauswirtschafterinnen ja bereits am Standort Gunzenhausen angesiedelten. Auch aus diesem Grunde ist gerade die Bündelung dieser Kompetenzen an einem Standort, an dem ohnehin neu geplant und entsprechend gebaut wird, eine bedeutende Investition in die Zukunft. Eine
Zusammenlegung der Ausbildungsstätten an einem Standort in Gunzenhausen wird diesen auf Dauer stärken, attraktiver machen und der Region die Möglichkeit geben, ein zukunftsfähiges Ausbildungszentrum für Lebensmittelberufe entstehen zu lassen, das in ganz Mittelfranken seinesgleichen sucht.
Die geäußerten Bedenken, wegen der aktuell geringen Nachfrage in den beiden Ausbildungszweigen Bäcker und Metzger sind natürlich in der Abwägung zu berücksichtigen, sie dürfen aber den Blick für einen zukunftsorientierten Ausbildungsstandort handwerklicher Lebensmittelverarbeitungsberufe nicht verstellen. Zudem ist gerade im Fleischerhandwerk die Zahl der Auszubildenden wieder erfreulich gestiegen, weshalb die Bildung einer Berufsschulklasse möglich geworden ist. Gerade das ist wiederum als ein Signal für die Notwendigkeit einer in die Zukunft weisenden Lösung anzusehen.
Das gemeinsame Anliegen von Alexander Herzog (stellv. Obermeister der Bäcker-Innung Westmittelfranken und Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Gunzenhausen), Peter Grötsch (stellv. Obermeister der Metzger-Innung Mittelfranken-Süd), Hermann Grillenberger, (Kreishandwerksmeister Mittelfranken-Süd) sowie Dr. Simon Amesöder, (Vorsitzender des IHK-Gremiums Weißenburg-Gunzenhausen) hat das Potential, sich zu einem Beispiel gebenden Projekt zu entwickeln und wird die gesamte Region stärken und weiter voranbringen.
Zusätzlich ist zu bedenken, dass gerade der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen eine landesweit überragende Bedeutung für das Metzgerhandwerk besitzt. Denn mit drei Dutzend zertifizierten
Handwerksmetzgereien verfügt er in dieser Branche über eine Unternehmensdichte, die weder irgendwo sonst in Bayern noch kaum an anderer Stelle in Deutschland erreicht wird. Dies spricht ebenfalls eindeutig dafür, dass eine sinnvolle Bündelung von Lehrkompetenzen vorgenommen werden sollte und dass diese dann aber auch an einem Standort und zwar in Gunzenhausen zusammengeführt werden müssen, um dem Nachwuchs attraktive und innovative Ausbildungskonzepte anbieten zu können.

In diesem Zusammenhang muss auch darauf hingewiesen werden, dass gerade für das Lebensmittelhandwerk – und hier speziell für die Bäckerei und Metzgerei – eine positive Trendwende zu beobachten ist. In den USA und zunehmend auch in Europa mehren sich die Neugründungen
hochinnovativer Bäckerei- und Metzgerei-Manufakturen und weisen den Weg in eine kreative Handwerkszukunft. Es wird gerade beim Lebensmitteleinkauf wieder Wert auf überschaubare Strukturen und authentische Handwerksprodukte gelegt. Diesen Trend dürfen wir bei der anstehenden Entscheidung nicht aus dem Auge verlieren. Wir sollten im Gegenteil dafür sorgen, dass sich dieser verstärken kann und müssen die daher die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen.
Auch die – leider erst durch die Corona-Krise in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückten Situationen in den großen Fleischverarbeitungsbetrieben in Nordwestdeutschland werden mit
Sicherheit dazu beitragen, dass die Nachfrage der Konsumenten nach regionalen, handwerklich hergestellten Produkten weiter zunehmen wird. Auch das sollte in den Abwägungen bedacht werden. Der im Bayerischen Landtag eingebrachte Dringlichkeitsantrag zur Entwicklung eines dezentral ausgerichteten Schlachthofkonzepts tendiert zusätzlich in diese Richtung.
In einer solchen Zeit darf man die Entscheidung über zukunftsfähige Ausbildungsstandorte des Handwerks nicht allein und ausschließlich an den aktuellen Nachfragedaten nach Ausbildungsplätzen festmachen.

Außerdem möchten die eingebundenen Wirtschaftsverbände an dieser Stelle unterstreichen, dass die erforderlichen Kosten für die Realisierung des Projektes – vor allem für die technische Ausstattung – sich dadurch deutlich eingrenzen lassen, dass z.B. Maschinenbau-Unternehmen aktiv mit eingebunden werden, die für das Bäcker- und Metzgerhandwerk notwendige technische Geräte herstellen. Dies sollte bei der jetzt geplanten Erhebung der Kosten auf jeden Fall mitberücksichtigt werden.
Wir sind überzeugt davon, dass sowohl das Bäcker- wie auch das Metzgerhandwerk ihre regionalwirtschaftliche Bedeutung – gerade in unserem Raum – noch ausbauen kann und wird. Darauf müssen wir mit ausreichenden und qualitativ hochwertigen Ausbildungskapazitäten
vorbereitet sein.
Daher appellieren die Verbände an Landrat Westphal, am Standort Gunzenhausen eine auf die Zukunft ausgerichtete Kapazität für Lehrberufe im Bereich Bäcker und Metzger zu schaffen und die hierfür erforderlichen Mittel bereit zu stellen. Für eine Investition in die Zukunft und für eine Stärkung der Region Altmühlfranken!
Für den Standort Weißenburg bedarf es aber ebenso einer zukunftsfähigen Ausrichtung. Diese sehen die Wirtschaftsverbände ergänzend zum kaufmännischen vor allem im technischen Bereich, aufbauend auf den bisher bereits vorhandenen Berufsbildern sowie den Bedürfnissen der regionalen Industrie. Als bedeutender Industriestandort im Landkreis ist eine klare Profilbildung erforderlich, welche u.a. die Felder Produktion und Automatisierung in den Fokus stellen sollte. Seitens der Wirtschaft wird auch hier eine aktive Unterstützung zugesagt, um die genannte Zielsetzung zu erreichen. Geeignete Randbedingungen müssen aber von den zuständigen Behörden geplant und geschaffen werden.

Landrat Manuel Westphal wurde mit Nachdruck das ausdrückliche Anliegen der Wirtschaft vorgestellt, dass beide Berufsschulstandorte in Gunzenhausen und Weißenburg gleichermaßen als starke Ausbildungsstätten unserer Region gefördert werden.
In diesem Sinne halten die Wirtschaftsverbände als ersten und jetzt aktuell anstehenden Schritt, den Erweiterungsbau für das Bäckerhandwerk sowie die Schaffung geeigneter Räumlichkeiten für die Ausbildung der Metzger als notwendige Maßnahme für zwingend erforderlich und haben darum gebeten, die Umsetzung weiter voranzutreiben.


V.i.S.d.P: Alexander Herzog, Stellv. Obermeister der Bäcker-Innung Westmittelfranken & Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Gunzenhausen im Auftrag von Peter Grötsch, Stellv. Obermeister der Metzger-Innung Mittelfranken-Süd, Hermann Grillenberger, Kreishandwerks meister Mittelfranken-Süd sowie Dr. Simon Amesöder, Vorsitzender des IHK-Gremiums Weißenburg-Gunzenhausen

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