Gut in Landschaft integriert

Kommunalpolitiker aus Altmühlfranken im Freizeitpark Leutkirch

In vier Kategorien werden die Ferienhäuser angeboten. Im Hintergrund sind die exklusivsten von ihnen zu sehen. Sie bieten zum Teil Platz für zwölf Personen. Fotos: Falk

Wer sich in der 22000-Einwohner-Stadt Leutkirch umhört, der bekommt keine kritischen Töne zu Center Parcs zu hören. „Sie kriegen keine negativen Antworten“  prophezeit denn auch Bernhard Joachim, der Chef der Allgäu GmbH (vergleichbar mit dem Tourismusverband Franken) den Kreisräten und Verbandsräten  des Zweckverbands, die einen Tag lang den Park beschnuppern. „Es bewegt sich unheimlich viel in Leutkirch, in der DNA hat sich wirklich was verändert“, sagt  Hotelier Christian Skrodzki , der die Allgäuer Genussmanufaktur leitet. Und Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle, der die CP-Chefs nach dem gescheiterten Dennenlohe-Projekt ins Allgäu gelockt hat, ist ohnehin Feuer und Flamme. Von seinem Kollegen aus Günzburg bekommt er zu hören: „Lego ist ein Fünfer im Lotto, aber Center Parcs ein Sechser.“

Das Badeparadies „Aqua Mundo“ gehört zu den Highlights im Freizeitpark.

Den Gästen aus Franken kam es darauf an, einen Center Park einmal hautnah zu erleben und nicht immer nur über Dritte Positives oder Negatives zu hören. So war die Exkursion ins Allgäu nicht nur aufgrund der vielen aufgetischten Fakten lehrreich, sondern war auch für den einen oder anderen ein emotionales Erlebnis und korrigierte vielleicht sogar manches Vorurteil, das Individualtouristen von einem kollektiven Ferienangebot haben. Um es gleich vorweg zu sagen: Von den rund 4000 Menschen, die sich zu Spitzenzeiten im Camp aufhalten, ist bei einem Rundgang nichts zu sehen. Die Gäste verteilen sich auf dem 182 Hektar großen Areal, das früher – ähnlich wie Langlau am Brombachsee – eine Munitionsanstalt war.  Überbaut sind exakt 20,5 Hektar (11,5 Prozent).

Im Freizeitpark gibt es eine Reihe von Geschäften mit regionalen Produkten.

Das Feriendorf kennt die Probleme des Fränkischen Seenlands, wo sich der Tourismus hauptsächlich die Sommermonate geschränkt, überhaupt nicht.  Hier ist ganzjährig Saison. Selbst anfangs Oktober  ist der Park noch zu 94 Prozent belegt, im Jahresmittel  zu 87 Prozent.  Die anderen Kennzahlen seien kurz genannt:  1,1 Millionen Gäste  (58 Prozent aus Baden-Württemberg und Bayern) im Jahr mit einer Verweildauer von 4,88 Tagen, 689 Arbeitsplätze (davon 258 Volltimejobs und 297 Teilzeitkräfte sowie  163 im Catering) .

Im „Market Dome“ sind fünf Restaurants. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Gekostet hat das Feriendorf rund 350 Millionen Euro. Am Bau waren 67 Prozent regionale Firmen beteiligt. Bäcker, Metzger und Brauer gehören zu den Lieferanten aus dem Umland.  Sie waren „mehr als Handlanger für die Großbetriebe“ sagt OB Hans-Jörg Henle. Zweimal wöchentlich gibt es einen Bauernmarkt, der sehr gut ankommt, außerdem werden im Allgäu-Lädle“ hunderterlei einheimische Produkte angeboten.  Die Preise in den fünf Restaurants sind für Allgäuer Verhältnisse nicht abgehoben:  das Schnitzel gibt es für 14 Euro, die Kässpatzen für 13 Euro, den Kaffee für 2,90, lediglich das Bier (4,60 für die Halbe) und der Wein (5,50 für den 0,2-Schoppen) sind teurer als in der Seenland-Gastronomie.

Wenn man bedenkt, dass es die Planer im Fall des Allgäuer Parks mit zwei Landkreisen in zwei Bundesländern zu tun hatten, ist die Genehmigungszeit von drei Jahren kurz. Der Oberbürgermeister stimmt den Leutkircher Jubelchor auf den Center Park an und hat auch allen Grund happy zu sein, denn im Vergleich zu 2008 gibt es heute 45 Prozent mehr Arbeitsplätze in der bayerisch-württembergischen Grenzstadt, wobei zu berücksichtigen ist, das Leutkirch den Sitz der Schwäbischen Zeitung und das Krankenhauses verloren hat. Und die Passantenzählung bestätigt den positiven Trend: Waren es 2017 noch an einem August-Tag 4000, so sind es heute 12000 Besucher. Der Rathauschef gerät ins Schwärmen, wenn er von der Aufbruchstimmung erzählt, die seine Stadt erfasst hat. Das liegt natürlich am Center Park, aber auch an anderen innovativen Projekten, wie z.B. der neuen Bahnhofsnutzung und der Allgäuer GenussManufaktur.  Offen gibt Henle zu, dass er sich eigentlich mehr Gewerbesteuer versprochen hatte, aber: „Die anderen Effekte sind besser als erwartet“.  Auf die CP-Manager lässt er nichts kommen: „Was sie sagen, das machen sie auch.“ Großes Glück haben die Leutkircher natürlich, dass der örtliche Verkehr vom An- und Abreiseverkehr des Parks nicht betroffen ist: „Wenn in sechs bis sieben Stunden eines Tages Hunderte von Autos ankommen, merkt man es in der Innenstadt nicht.  Es kommen ja nicht alle auf einmal und es gehen auch nicht alle auf einmal“.  Und weil die Leutkircher kein großes kommunales Schwimmbad haben, wird das Aqua Mundo im Park inzwischen als ihr Bad vereinnahmt.

Wenn eine Stadt innovative Unternehmer wie Christian Skrodzki hat, dann kann sie sich glücklich schätzen. Er gibt den CP-Leuten nur Bestnoten: „Sie sind nicht als Eroberer gekommen, wir haben sympathische Unternehmer bekommen.“ Und: „Sie haben mehr gebracht als sie versprochen haben“. Personal von den ortsansässigen Wirten hätten sie auch nicht abgezogen. Mit dem Park hätten die Menschen in der Stadt ein neues Lebensgefühl gewonnen. Wer heute ins Gasthaus gehen wolle, der müsse reservieren lassen.  Wenn jemand von seinen Kollegen dann noch klagen würde, könnte er das nicht verstehen. Es gebe elf gute Monate – und das nur dank dem Center Park.  „Wenn die Center Parcs-Gäste das ganze Jahr kommen, dann ist das ein Traum“, sagt der Gastronom. Er räumt ein, dass es am Anfang auch in Leutkirch „ein Geschreih“ gegeben hat, aber inzwischen sehen alle, dass 20 bis 30 Prozent der Parkgäste auch nach außen gehen. Inzwischen meiden die Einheimischen am Montag und Freitag, also an den beiden An- und Abreisetagen,  den REWE.

Felix Schädler, Architekt aus Leutkirch, lässt das Argument der Kritiker, einheimische Unternehmen kämen bei den Aufträgen von Center  Parcs nicht zum Zug, nicht gelten. Er selbst hatte anfangs auch Zweifel, ob es für ihn überhaupt lohnend sei, sich für die Planung von 250 exklusiven Allgäu-Häusern zu bewerben, ist aber überrascht worden. „Wir haben“, so erzählt Schädler, „auf Augenhöhe miteinander kommuniziert und wir sind unglaublich zufrieden“.  Den Kommunalpolitikern aus dem Fränkischen gibt er mit auf den Weg: „Ich kann Sie nur beglückwünschen, wenn sie den Park bekommen.“ In gleicher Weise hat Burchard Stocks, der Chef eines Büros für Umweltsicherung und Infrastrukturplanung, die CD-Planer erlebt: „Es war ein stets offener Dialog, den ich als wohltuend empfunden habe.“

Ein waschechter Leutkircher ist Michael Krumböck, der städtische Planungsreferent, der auch für die Natur und Umwelt zuständig ist: „Es ist sehr gut gelaufen und für die Region nicht die große Katastrophe ausgebrochen. Wir haben ein gutes Miteinander und keine Konflikte.“

Auf ihrem Rundgang  (Begleiter waren Deutschland-Chef Frank Daemen, Projektleiter Jan Janssen und Robin Wildhagen vom Park-Management) erkannten die Gäste aus dem Seenland, dass der Freizeitpark so gut in die Landschaft eingebettet ist, dass er von außen her gar nicht wahrzunehmen ist.  Die Eingrünung ist bereits nach zwei Jahren gut voran gekommen, immerhin waren 60 Hektar gerodet  worden.  Neben vielen Freizeitmöglichkeiten auf dem weitläufigen Areal, das am bequemsten mit dem Caddy abzufahren ist, gibt es den zentralen „Market Dome“ mit den Restaurants und das gigantische Badeparadies „Aqua Mundo“ (Eintritt: 32 Euro, auch für Gäste von außerhalb), daneben auf 2400 Quadratmetern den Spa & Country Club mit Wellness auch für Tagesgäste (19 Euro für zwei Stunden).  An vier Tagen in der Wochen wird die Anlage textilfrei genutzt.

In der „Park-Zeitung“, von der alle zwei Monate 30000 Exemplare gedruckt werden,  erfährt der Leser viele über die Angebote im Park, aber auch im ganzen Allgäu. Die benachbarten Städte und Kreise werben dort für sich.

Unter den Kreisräten und Verbandsräten sind viele, die angenehm überrascht  reagierten. Die meisten empfanden die Anlage augenfällig nicht als bombastisch und gigantisch, wie dies oft von den Kritikern gesagt wird.  Die 1000 Häuser sind gut in die Landschaft integriert, die Durchgrünung ist gelungen, wenngleich der Bewuchs an manchen Stellen noch Zeit braucht, um zu wirken.  Auch das überrascht: von hektischer Betriebsamkeit ist auf dem Gelände wenig zu spüren.

WERNER FALK

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