Die katholische Volksschule

Gunzenhäuser Konfessionsschule von 1869 bis 1936

Bevor die Nationalsozialisten 1936 landesweit die Gemeinschaftsschulen einrichteten, unterrichteten die konfessionellen Schulen nebeneinander unter dem Dach der Schulaufsicht.  Die Gleichstellung der beiden christlichen Konfessionen hatte der bayerische Staat nach dem Ende der Markgrafenherrschaft verfügt.  Neben der evangelischen Bekenntnisschule gab es in Gunzenhausen auch eine katholische, und zwar von 1869 bis 1936. Ihr widmet sich Oberstudiendirektor a.D. Günter Dischinger in „Alt-Gunzenhausen“ (Jahrbuch 74/2019).

Der Pfarrer von Absberg betreute die wenigen Katholiken in der Stadt am Anfang des 19. Jahrhunderts, doch als für den Geistlichen der Weg zu beschwerlich wurde, da schlug die Eichstätter Diözese die 32 Pfarrgemeindeglieder Gunzenhausens 1818 der Pfarrei Cronheim zu, zu der auch noch die Wassertrüdinger Gemeindeglieder zählten.  Mit dem Eisenbahnbau erhöhte sich die Zahl der Katholiken, so dass es um 1900 bereits 709 waren.  1851 gab es immerhin schon den ersten Religionsunterricht (eine Stunde in der Woche) für 16 Gunzenhäuser Schüler. Bald reiften die Pläne für eine eigene Pfarrgemeinde mit Schulhaus und Kirche (1867). Josef Ehard war der erste katholische Verweser in Gunzenhausen und die Katholiken bekamen von der Stadt einen Saal im protestantischen Schulhaus zugewiesen. Der Versuch des Ordinariats Eichstätt, in der Altmühlstadt eine eigene Schule zu bekommen, war zunächst an der hiesigen Gemeinde gescheitert.  Sie scheute die Kosten. 1869 gelang es dem Cronheimer Pfarrer Josef Zeitler endlich, für Gunzenhausen einen Schulbau durchzusetzen.  In der Nürnberger Straße 27 entstand somit ein Bau mit Priesterwohnung, Schulsaal und Lehrerwohnung (1875).  Als die Schülerzahl sich erhöhte (auf 64 im Jahr 1894), da ergab sich die Notwendigkeit eines räumlichen Neukonzepts, das den Bau eines eigenen Pfarrhauses (Hausnummer 29) zur Folge hatte.  War Gunzenhausen bislang von einem Expositus (Vikar) betreut worden, so zog 1897 mit dem aus Wolframs-Eschenbach stammenden Peter Landwirth der erste katholische Pfarrer nach der Reformation in Gunzenhausen auf (er war die drei Jahre zuvor Expositus). Zu den ersten katholischen Lehrern gehörte Johann Benl, ein aktiver Sänger, der neun Jahre lang dem „Liederkranz 1834“ vorstand. Ein Lehrer und ein Hilfslehrer unterrichteten in der „oberen Schule“ (Ober- und Mittelklasse) und in der „unteren Schule“ (Unterklasse).

„Lässt zu wünschen übrig“. So urteilte die Schulaufsicht 1901 nach einer Visitation und bezog sich damit auf „Aussehen und Reinlichkeit“ der Schüler. Zudem mangelte es offensichtlich an Ruhe und Ordnung („fehlt viel“) und die häusliche Zucht durch die Eltern wurde als „sehr flau“ notiert.

Unter den katholischen Lehrern hatte der Hauptlehrer Valentin Niefnecker einen schweren Stand, denn er legte sich 1921 mit dem Pfarrer und der Kirchenverwaltung an, indem er eine 50-prozentige Lohnerhöhung anmahnte und seinen Dienst als Organist und Kantor kündigte. Er bekam nach heutigem Sprachgebrauch eine Abmahnung von der  Schulaufsicht, weil  er Schülern nicht erlaubte, auf den Abort zu gehen („Scheißt euch zu Hause aus“).  Die Regierung sprach ihn von allen ihm vorgeworfenen Verfehlungen mangels Beweise frei, drückte jedoch eine „ernste Missbilligung“ aus, weil er Schüler „für private Gänge und zum Holztragen“ zwang und es nicht unterließ, im Schulzimmer auszuspucken.

 Die letzten Lehrer waren Schwester Soretha Schock und Franz  Xaver Hammerl. Danach kam es trotz des gültigen Reichskonkordats, das den Status der Bekenntnisschule sichern sollte,  zur Auflösung und Bildung einer Gemeinschaftsschule.   

WERNER FALK

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