Monthly Archives: Februar 2019

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Großprojekt stößt auf großes Interesse

Stauraumkanal, Hochwasserplanung und Altmühlrenaturierung

Riesenbaustelle Gunzenhausen: Bis zwei zweit Meter Durchmesser haben die Kanalrohre, die an der Promenade verlegt werden. Stadtrat Werner Falk (FDP) und Dieter Gottschall nehmen Maß. Foto: FR Presse Meyer

Die Binnenentwässerung ist der erste Abschnitt des Großprojekts, das jetzt und in den nächsten drei Jahren in Gunzenhausen realisiert wird. Derzeit ist bereits der Stauraumkanal von der Oettinger Straße bis zur Stadthalle verlegt. Das Pumpwerk, das im Höchstfall eines Jahrhunderthochwassers sekündlich 7000 Liter Oberflächenwasser  in die Altmühl abgeben kann, ist im Rohbau fertig.

Roland Rösler, der stellvertretende Chef des Wasserwirtschaftsamts Ansbach (rechts) erläuterte die Maßnahme. Links Thomas Hinterleitner, der stellvertretende Leiter des Stadtbauamts. Fotos: FR Presse

Parallel laufen die Arbeiten für den Hochwasserschutz. Der erste Abschnitt  sieht ein 600 Meter langes technisches Bauwerk vor, das zwischen 70 und 140 Zentimetern hoch ist, aber eben nicht als Mauer in Erscheinung treten, sondern als Ergebnis einer Landschaftsmodellierung die Altmühlpromenade wesentlich aufwerten wird.  Hand in Hand geht die Renaturierung der Altmühl, was eine staatliche Aufgabe ist. Mustergültig realisiert worden ist sie schon unterhalb der Stadt in Richtung Windsfeld. Diese Umgestaltung soll 2020 beginnen. Neben den Wasserwirtschaftlern sind die Landschaftsarchitekten gefragt.

Die Promenade, an der gegenwärtig die Sanierung der Stadthalle läuft (Abschluss im Juni 2019)  bleibt also in den nächsten drei Jahren eine Baustelle. Aber danach wird sich die Altmühl im Westen von Gunzenhausen ungefähr wieder so darstellen wie vor vierzig Jahren. Sie wird nahe an die Stadt herangeführt, aber die Lindenallee bleibt stehen.  Die landschaftsarchitektonische Neugestaltung wird auf einem hohen Niveau vom “Team 4” (Nürnberg) betrieben. Die Planung geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Gunzenhausen.

Bürgermeister Karl-Heinz Fitz hatte die Bürgerschaft der Stadt zu einer Baustellenbesichtigung eingeladen. Etwa 60 Personen fanden sich in der Oettinger Straße ein und zogen dann an vier Info-Stationen, wo ihnen das Projekt  vorgestellt wurde. Roland Rösner, der stellvertretende Chef des Wasserwirtschaftsamts Ansbach, Stadtbaumeisterin Simone Teufel und Vertreterinnen der beteiligen Architektur- und Ingenieurbüros gaben den Interessenten fachliche Informationen.

Gedenken an Heilige Walburga

Nach Ökumene-Andacht ist Festvortrag “Klöster für Frauen”

Am kommenden Sonntag, dem 24. Februar, wird am Kloster Heidenheim das Fest zum Tag der hl. Walburga – der Mitbegründerin und ersten Äbtissin des Klosters Heidenheim – gefeiert. Das Fest beginnt um 16 Uhr mit einer ökumenischen Andacht in der Kath. Kirche St. Walburga in Heidenheim. Um 17 Uhr schließt sich im Kapellensaal des Klosters ein historischer Festvortrag an:  “Klöster für Frauen! Geschichte, Architektur und Nutzung mittelalterlicher Nonnenklöster – mit Beispielen aus Franken”

Gastreferentin ist die Kunsthistorikerin Dr. Claudia Mohn (Referatsleiterin am Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg), die seit vielen Jahren zu mittelalterlichen Frauenklöstern forscht. Ihr reich bebilderter Vortrag zeigt, wie sich Frauen- von Männerklöstern unterscheiden und wie die besonderen geistlichen und wirtschaftlichen Lebensgewohnheiten von Frauenkonventen baulich umgesetzt wurden.

Das Fest zum Tag der hl. Walburga wurde in Heidenheim vor mehr als 10 Jahren vom Klosterforum Heidenheim ins Leben gerufen. Seither hat das Klosterforum die Erinnerung an die hl. Walburga mit zahlreichen ausgesuchten Kulturveranstaltungen wachgehalten und sich auf vielfältige Weise für “Neues Leben in alten Mauern” eingesetzt. Nun hat das Klosterforum den Staffelstab weitergegeben.

Daher darf ich Sie nun im Namen des Zweckverbandes Kloster Heidenheim und seines Kooperationspartners, dem Diözesanbildungswerk Eichstätt, sehr herzlich zu diesem Festtag einladen. Wir alle freuen uns auf Ihr Kommen! Im Anschluß an den Vortrag besteht die Möglichkeit, bei einem Glas Wein ins Gespräch zu kommen. Der Eintritt zum Vortrag ist frei.

DR. ANNE MÜLLER, Historikerin und Projektleiterin in Heidenheim

Neue Abteilungsleiterin am LRA

Lidia Bechthold folgt als Regierungsrätin für Jana Mai

Landrat Gerhard Wägemann freut sich, dass der Mitte Februar 2019 erfolgende Wechsel der Leitung der Abteilung „Kommunale und soziale Angelegenheiten, ÖPNV“ von Jana Mai (rechts) auf Lidia Bechthold (links) ohne personelle Lücke nahtlos geklappt hat. Foto: LRA

Nach rund zwei Jahren als Leiterin der Abteilung „Kommunale und soziale Angelegenheiten, ÖPNV“ am Landratsamt wechselt Jana Mai in ihren Heimatlandkreis Schweinfurt. Ihr Posten ist bereits nachbesetzt: Frau Lidia Bechthold hat am 01. Februar 2019 ihren Dienst angetreten.

Lidia Bechthold startet nach ihrem Jurastudium in Würzburg und dem zweijährigen Rechtsreferendariat am Oberlandesgericht-Bezirk Bamberg im Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen in den Beruf. Unter ihrer Leitung liegen die Kommunalaufsicht, die Bereiche BAföG und Schülerbeförderung, die Staatliche Rechnungsprüfung, das Sachgebiet Soziales und Senioren, das Kreisjugendamt sowie das Jobcenter Weißenburg-Gunzenhausen.

„Ich wurde sehr offen von den Kolleginnen und Kollegen im Landratsamt empfangen und habe mich in den letzten zwei Wochen schon ganz gut eingelebt“, so die neue Abteilungsleiterin Lidia Bechthold. Auch Landrat Gerhard Wägemann begrüßte die neue Juristin: „Es war mir von Anfang an wichtig, dass eine gute Übergabe zwischen den beiden Leiterinnen stattfinden kann und keine Vakanzen entstehen. Dafür habe ich mich auch eingesetzt.“

Von denen, die in der Natur und von der Natur leben

Der Gartenschaubeitrag des Teams Ackerschätze

Einen besonderen Beitrag zur Gartenschau der Heimatschätze in Wassertrüdingen, welche am 24. Mai eröffnet wird, liefern die Bäuerinnen und Bauern der Umgebung. Auf über einem Hektar Fläche hat sich der Zusammenschluss, der Team Ackerschätze genannt wird, ein tolles Konzept, über die Landwirtschaft und den Menschen dahinter, überlegt.

So selbstverständlich ist der Beitrag der heimischen landwirtschaftlichen Betriebe zu einer Gartenschau nicht. Die besondere ländliche Lage von Wassertrüdingen und glückliche Umstände sorgten jedoch dafür, dass das Team Ackerschätze seinen Teil zum Event beitragen darf.

Das Team der Ackerschätze sowie Prokuristin Ingrid Rott-Schöwel, Geschäftsführer Peter Schubert und Bürgermeister Stefan Ultsch an der neu errichteten Scheune im Klingenweiherpark.

Der Klingenweiherpark, welcher im nördlichen Teil von Wassertrüdingen liegt, grenzt direkt an ein von Friedrich Bickel gepachtetes Feld. Durch die direkte Nähe zum Gartenschaugelände kam Herr Bickel, zusammen mit anderen Bäuerinnen und Bauern, sowie des Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Kerwagen auf die Idee einen Beitrag zur Gartenschau zu leisten. Einen, der aufzeigt, wie unser Essen vom Feld bis auf den Tisch kommt, wie viel Arbeit hinter den Lebensmitteln steckt, welche wir möglichst günstig im Laden kaufen und was die Landwirtschaft für die Region und auch die Bauern selbst bedeutet. Ausschlaggebend war hierbei auch das Motto der Gartenschau der Heimatschätze. „Heimat ist sozusagen unsere Arbeit, wir erhalten das Land – unsere Heimat – mit unserem Job. Auch die Landwirtschaft ist somit ein Heimatschatz.“, sagte Ruth Mauer, Landwirtin aus Wassertrüdingen. „Das was auf den Feldern passiert, beeinflusst eigentlich jeden Einzelnen.“ Dies vergessen nur viele – auch wie viel Herzblut hinter jedem Liter Milch oder Päckchen Mehl steckt. Die Offenheit von Prokuristin Ingrid Rott-Schöwel leistete ebenfalls ihren Beitrag zum Anteil der Landwirte. Ohne ihren Rückhalt, hätten die Bauern es deutlich schwerer gehabt ihren Plan in die Tat umzusetzen. „Ich habe von Anfang an gespürt, wie wichtig allen das Thema ist und mit wie viel Engagement die Sache angegangen wird. Da war es eine Selbstverständlichkeit zu helfen dieses wunderbare Projekt umzusetzen“.

Ein ertragreiches Konzept

Etwa 20 Leute haben sich in den darauffolgenden zwei Jahren ein Konzept überlegt, um den Besuchern der Gartenschau die Landwirtschaft authentisch näher zu bringen. „Der Boden ist der größte Schatz des Landwirts“, resümiert Friedrich Bickel. Eine Aussage die das Team zu einem Teil ihres Konzepts brachte. Themenwochen werden während der Gartenschau die Angebote des Ackerschätze-Beitrags bestimmen. Den Beginn macht dabei ebenjener wichtiger Boden. Mit Führungen und Informationen können die Besucher lernen, was für das Gedeihen einer Pflanze wichtig ist, wie der Boden auch zum Hochwasserschutz beiträgt oder unsere Pflanzenvielfalt gewährleistet. Diese Vielfalt wird dann eines der nächsten Themen. 25 verschiedene Ackerschätze, wie Mais, Raps, Hanf oder Sonnenblumen, werden auf den Feldern des Beitrags wachsen und erklärt. Wunderschöne Blühstreifen werden den Besuchern außerdem den Weg zur Gartenschau leiten und den Bienen etwas Gutes tun.

Was aus der Ernte schlussendlich einmal wird und wie es auf unserem Tisch landet, wird ebenfalls behandelt. Die Themen sind zudem natürlich von der Jahreszeit abhängig. Den Abschluss macht beispielsweise im Herbst eine Woche rund um die Kartoffel. Doch nicht nur für Erwachsene gibt es bei den Ackerschätzen viel zu entdecken.

Das Team beteiligt sich zu dem normalen Betrieb an der Aktion „Schule im Grünen“, bei welcher Kindergartengruppen oder Schulklassen viel über die Natur lernen können, wie beispielsweise den „Weg des Pfannkuchens“ vom Weizen auf dem Feld bis zum fertigen Gericht. Verschiedene Events, bei dem sich das Team Ackerschätze besonders einbringt, wie der Tag der Milch oder der Landfrauentag, runden das Angebot ab. Auch Bürgermeister Stefan Ultsch zeigte sich begeistert vom Engagement der Bauern: „Ich bewundere, wie viel traditionelle Landwirtschaft in dieser Region noch praktiziert wird und, dass die Beteiligten so viel für die Gartenschau leisten – neben ihrer wichtigen Arbeit auf ihren eigenen Höfen.“ Besonderes Highlight wird hier das Niederfallfest am 25. August sein. An diesem Tag feierte man früher die beendete Getreideernte und bedankte sich somit für das Essen und damit das Überleben der Familie.

Mehr als nur Feld

Doch nicht nur Feldfrüchte wird es im Klingenweiherpark zu bestaunen geben. In der Scheune der Ackerschätze, welche von umliegenden Firmen gesponsert und von der Berufsschule in Gunzenhausen gebaut wurde, wird es traditionelles Essen geben. Auf dem Ausstellungsgelände werden außerdem noch Hühner und Schafe Platz finden, um die klassische Tierhaltung und die Wichtigkeit des Tierwohls zu vermitteln. Jeden Tag wird jemand aus dem Team Ackerschätze für Fragen und Informationen vor Ort sein, daneben werden jeden Dienstag, Samstag und Sonntag zwei Führungen stattfinden. „Wir werden immer mit der Heimat verbunden sein, schließlich kann man sich seinen Acker nicht auf den Rücken schnallen und wo anders hingehen.“ meint Friedrich Bickel. Auf der Gartenschau der Heimatschätze ist daher der perfekte Ort, um sich über das was hinter unserem Essen steckt zu informieren.

 

Lebensqualität auf dem Dorf verbessern

Förderung von Kleinstunternehmen der Grundversorgung

Dorfläden, Bäcker, Metzger, Wirtshäuser, Friseure, Pflegedienstleister, Physiotherapeuten, Floristen, Buchhandlungen, Einzelhandel, Fachgeschäfte und Handwerksbetriebe aufgepasst! Sie leisten mit Ihrem Unternehmen einen sehr wichtigen Beitrag für eine gute Nahversorgung und damit für mehr Lebensqualität für die Menschen in Dörfern. Deshalb können Sie jetzt vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Mittelfranken Unterstützung bei Investitionen bekommen.
Alle Informationen hier: www.altmuehlfranken.de/kleinstbetriebe-foerderung

Migrantinnen und Migranten werden „Fit in Deutsch“ – einmaliges, kostenloses Sprachlernprojekt startet Ende Februar 2019 – Auftaktveranstaltung 23.02.2019
Im Rahmen eines deutschlandweit einmaligen Sprachlernprojektes haben Migrantinnen und Migranten die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse individuell zu verbessern. Selbstständiges Lernen unter der Woche mit einem Lehrwerk und einer App wird mit Unterstützung von qualifizierten Lehrkräften 14-tägig am Wochenende gekoppelt. Am Ende besteht für jeden Teilnehmer die Möglichkeit, nach Ablegen eines Sprachtests, sein Sprachniveau mit einem offiziellem Zertifikat belegen zu lassen. Die Auftaktveranstaltung findet am Samstag, den 23. Februar 2019 ab 10:00 Uhr in den Räumen des Kooperationspartners der Volkshochschule in Gunzenhausen (Nürnbergerstraße 32) statt: http://www.altmuehlfranken.de/fit-in-deutsch

Veranstaltungen / Termine für Unternehmen:

19.-20.02.2019: Internationaler Kongress zum Thema Leadership in Treuchtlingen
Programm und Anmeldung: www.adventure-campus.com/studium/#kongress

22.03.2019: Bewerbungsende Bayerns Best 50
Die Auszeichnung wird an besonders erfolgreiche Unternehmen aus dem Freistaat Bayern vergeben sowie ein Sonderpreis an zwei besonders engagierte Ausbildungsbetriebe. Weitere Infos und Bewerbungsunterlagen: https://www.psp.eu/bb50/

25.03.2019: Fachtag des Präventionswegweisers e.V. – Psychische Belastungen bei Kinder und Jugendlichen in Pappenheim
Ausbilder in Unternehmen sowie alle Fachkräfte der Jugendarbeit in der Region Altmühlfranken haben am Fachtag zum Thema „Psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen – Ein Leitfaden für den pädagogischen Alltag” die Gelegenheiten zur Information bei Fachvorträgen mit regionalem Bezug sowie zum Netzwerken und zum Fachaustausch in offenen Gesprächsrunden. Zudem wird es Workshops zum Kennenlernen praktischer Erkenntnisse und Methoden geben. Informationen und Anmeldung auf der Homepage!

28.03.2019: Girls‘/Boys‘ Day  – Betriebe gesucht. Machen Sie mit!
Es werden noch Betriebe, Unternehmen und Einrichtungen gesucht, die bereit sind, Jugendliche interessante Berufsfelder erproben zu lassen. Firmen und Einrichtungen, die sich am Girls‘ Day bzw. Boys‘ Day beteiligen möchten, können sich selbstständig auf der Aktionslandkarte unter www.girls-day.de bzw. www.boys-day.de eintragen. Ansprechpartner: Ines Dirsch und Agnes Müller, Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt (Tel.: 09141/902-129 o. -241) und Christine Baez Delgado, Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg (Tel. 0981/182-360).

01.04.2019: Bewerbungsende für 24. IHK-Gründerpreises
Der IHK-Gründerpreis Mittelfranken wird an drei Unternehmen verliehen. Teilnehmen können alle IHK-zugehörigen Unternehmen mit Hauptsitz in Mittelfranken, die nach dem 31.12.2013 gegründet haben. Die Gewinner erhalten ein Preisgeld von jeweils 10.000 Euro. Bewerbung bis spätestens 01.04.2019 bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken.
Weitere Infos: https://www.ihk-gruenderpreis-mittelfranken.de/

Übrigens:
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Vor großen Herausforderungen

Neues vom  Kalbensteinberger Obst- und Gartenbauverein

Die 3D-Visualisierung zeigt einen Entwurf, wie ein zukünftiger Verkaufsraum der Brennerei aussehen könnte (Grafik: M. Herzog).

Mit der Region um Kalbensteinberg verbinden die Leute aus Mittelfranken und über die Bezirksgrenzen hinaus die Streuobstwiesen, die darauf reifenden Früchte und die daraus geschaffenen Veredelungsprodukte wie den “Original Kalber” oder den “Echt Brombachseer”. Doch gesetzliche Vorschriften, knapper Produktions- und Lagerraum sowie ein in die Jahre gekommenes Gebäude machen dem Kalbensteinberger Obst- und Gartenbauverein als Hersteller dieser Produkte zu schaffen. Daher stehen dem Traditionsverein in den nächsten Jahren einige Veränderungen bevor.

Branntweinmonopol abgeschafft

2017 wurde das Branntweinmonopolgesetz abgeschafft, wodurch der Staat als Hauptabnahmekunde von Industriealkohol wegbrach. Um die Streuobstwiesen des Spalter Hügellandes und des Fränkischen Sennlandes durch die Abnahme des darauf reifenden Obstes zu anständigen Preisen aufrecht zu erhalten, hat sich der Obst- und Gartenbauverein Kalbensteinberg in Zusammenarbeit mit der Echt Brombachseer eG neue Produkte und Absatzstrategien erarbeitet und erfolgreich eingeführt. Neben den Original Kalber Erzeugnissen ist das vor allem die mehrfach ausgezeichnete Echt Brombachseer Produktpalette, für deren Herstellung der Ankauf von Obstmengen zu vernünftigen Preisen – weit höher als manch anderer Obstankäufer der Region – gewährleistet ist. Die hohe Nachfrage hat nicht zuletzt durch das Marketing der Regional-Initiative einen enormen Aufschwung erfahren und damit die Kapazitäten der Brennerei und Manufaktur sowie die Struktur des Vereins an Ihre Grenzen gebracht. Aber auch andere zahlreiche Hindernisse stehen dem Produktionsbetrieb im Weg.

Gravierende Mängel am Gebäude

Die Gebäude des Vereins sind inzwischen in die Jahre gekommen. Das Walmdachgebäude der alten Brennerei – heute Mosterei – wurde bereits 1912 erbaut. Sorgen macht jedoch der große Hallenanbau, der Brennerei, Verkaufs- und Lagerraum sowie die Echt Brombachseer-Manufaktur beherbergt. Das aus dem Jahr 1974 stammende Gebäude ist inzwischen stark sanierungsbedürftig. Das aus Eternitplatten bestehende Dach ist inzwischen undicht und muss erneuert werden, ebenso Fenster, Türen und Tore.  Häufige Wartungsarbeiten verursachen die veraltete Heizungsanlage und sämtliche Installationen. Der Heizölerdtank muss aufwendig repariert oder ausgetauscht werden und im Außenbereich sorgt die Schlempegrube immer wieder für Reparaturbedarf.  Aber auch die Produktions- und Lagermöglichkeiten stoßen aufgrund der erweiterten Produktpalette sowie der starken Nachfrage seit längerem an ihre Grenzen. Derzeit werden diese Bereiche zum Teil in privat zur Verfügung gestellten Räumen oder Scheunen ausgelagert. Die Zufahrt- und Verlademöglichkeiten für größere Fahrzeuge sind hier zum Teil sehr begrenzt.   Bilanziert man all diese Mängel, kann ohne eine Sanierung die Produktion dauerhaft nicht aufrechterhalten werden.

Bauvorhaben

Ein Konzept zur Behebung dieser Schäden wurde von Mitgliedern sowie der Vorstandschaft des Vereins inzwischen ausgearbeitet, das eine Sanierung und Erweiterung des Gebäudes in mehreren Bauabschnitten vorsieht. Erste Dringlichkeit hätte demnach der Austausch des maroden Asbestdaches sowie der veralteten Installationen.  Weiter ist die Erweiterung der Produktions- und Lagerflächen sowie die Schaffung einer Zufahrt und Belademöglichkeiten für Lastwagen notwendig. Aufgrund gesetzlicher Vorschriften ist eine Trennung von Schmutz- und Lebensmittelbereich vorgesehen.  Die Schaffung von stilvollen Verkaufsräumen gehört ebenfalls zum Konzept, das den Mitgliedern des Vereins an einem Infoabend vorgestellt werden soll.

Umstrukturierung angedacht

Um diese Vorhaben zu schultern, aber auch um den gestiegenen Verkauf auf eine solide und wirtschaftlich sinnvolle Grundlage zu stellen, wird eine wirtschaftliche Trennung von Verein und Produktion durch die Gründung einer neuen Gesellschaft angedacht. Der gewinnorientierte Betrieb soll ausgegliedert werden in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung.  Durch diese Trennung sind zudem für das Bauvorhaben bessere Fördermöglichkeiten zu erwarten.

Infoveranstaltung und Mitgliederversammlung

Eine öffentliche Infoveranstaltung zu diesem Thema findet am 22. März 2019 um 19.30 im Gasthof zur Post statt, zu der alle Mitglieder des Obstbauvereins sowie die Kunden der Brennerei eingeladen sind.  Am 31. März, ebenfalls um 19.30 Uhr, findet dann eine außerordentliche Versammlung statt, zu der ausschließlich die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins eingeladen sind.

Einladung zur Jahreshauptversammlung

Bereits am 8. März 2019 wird um 19.30 Uhr im Gasthaus zur Post zur Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen eingeladen, zu dem alle Mitglieder des Vereins, alle Kunden der Brennerei sowie alle Interessierten ganz herzlich eingeladen sind. Die oben genannte Thematik kann jedoch in diesem Rahmen nicht näher erörtert werden. Hier wird auf den eigens dafür vorgesehenen Infoabend am 22. März hingewiesen.

THOMAS MÜLLER

 

17,6 Prozent im Landkreis

Ergebnis des Volksbegehrens “Rettet die Bienen”

Kreisrat Reinhard Ebert, der Vorsitzende der ÖDP im Landkreis und Organisationschef des Landkreisbündnisses “Rettet die Bienen”, hat uns das Ergebnis des Volksbegehrens im Landkreis mitgeteilt:

Gemeinde Anzahl

der

Eintragungen  

Stimm-

Schl.-

Nr.

Name aufge-

legten

Listen

 

gültig

 

%

 

ins-gesamt

berechtigte

insgesamt[1]

1 2 3 4 5 6 7
111 Absberg     10,73 120 1.118
113 Alesheim     14,11 106 751
114 Muhr a. See     26,06 484 1.857
115 Bergen     12,21 106 868
120 Burgsalach     14,81 141 952
122 Dittenheim     8,98 128 1.425
125 Ellingen     19,44 584 3.003
127 Ettenstatt     10,09 67 664
133 Gnotzheim     14,41 97 673
136 Gunzenhausen     18,73 2.361 12.605
138 Haundorf     12,54 270 2.153
140 Heidenheim     14,22 280 1.968
141 Höttingen     22,95 211 919
148 Langenaltheim     18,20 312 1.714
149 Markt Berolzheim     25,02 259 1.035
150 Meinheim     17,41 113 649
151 Nennslingen     16,23 183 1.127
158 Pappenheim     15,22 460 3.021
159 Pfofeld     17,47 213 1.219
161 Pleinfeld     17,80 1.041 5.847
162 Polsingen     14,66 212 1.446
163 Raitenbuch     14,82 141 951
168 Solnhofen     19,91 243 1.220
172 Theilenhofen     12,99 121 931
173 Treuchtlingen     17,21 1.627 9.453
177 Weißenburg i.Bay.     19,64 2.639 13.434
179 Westheim     15,91 148 930
 
Landkreis insgesamt
577       17,60 12.667 71.933

 

[1] Lt. Abschlussbeurkundung Wählerverzeichnis und Eintragungsscheinverzeichnis für nicht im Wählerverzeichnis eingetragene Stimmberechtigte

Ikebana, die japanische Blumenkunst

Im Rahmen der Volkshochschule wird Kursprogramm angeboten

Überwältigend war die Besucherresonanz in der Raiffeisenbank. Es war die letzte Ausstellung von Renate Puschban (rechts). VHS-Vorsitzender Gerhard Postler (Zweiter von rechts) begrüßte die Gäste. Foto: FR Presse

Die Schalterhalle der Raiffeisenbank in Gunzenhausen konnte die Besucher kaum fassen, so stark war der Andrang bei der Ausstellung “Ikebana”. Die Gunzenhäuser Gruppe, die im Rahmen der Volkshochschule tätig ist, präsentierte sich der Öffentlichkeit. Es war zugleich die letzte Ausstellung von Kursleiterin Renate Puschban.

Die neue Kursleiterin der VHS, Gertrud Wagner (links) dankte Zweigstellenleiter Timo Reuter.

Die Streudorferin hat in den letzten zwanzig Jahren viele Freunde der japanischen Blumenkunst an dieses nicht alltägliche Hobby herangeführt. Gertrud Wagner, Erzieherin in Dittenheim, setzt ihre Arbeit im Rahmen der Gunzenhäuser Volkshochschule fort.

Renate Puschban kennt den Genre bestens. Sie studierte Blumenkunst an der Uni Weihenstephan und war als Floristin viel Jahre in einem führenden Nürnberger Blumengeschäft in der Ausbildung des Berufsnachwuchses engagiert. Nach ihrer Kinderphase ließ sie sich als Ikebana-Lehrerin ausbilden. Sie wechselte 1979 mit ihrem Mann nach Wien, wo sie die Blumenkunst an vier Volkshochschulen unterrichtete.  In den zwanzig Wiener Jahren unterhielt sie ein erfolgreiches Privatstudio. Während Ikebana in den achtziger Jahren einen regelrechten Boom in Deutschland und Österreich erlebte, schwächte sich die Begeisterung in den Folgejahren ab.  Die Puschbans kehrten  nach Deutschland zurück und fanden 1998 in Streudorf eine neue Heimat.  In ihrem Privathaus gab die erfahrene Blumenkünstlerin eine Vielzahl von Kursen. In den letzten zwölf Jahren führt sie im Rahmen der Volkshochschule viele Frauen an Ikebana heran. Die heute 82-Jährige präsentierte sich kürzlich mit einer letzten Ausstellung der Öffentlichkeit. Sie hält ihre Kurse weiterhin in ihrem Privathaus, nur die VHS-Kurse übernimmt mit Gertrud Wagner eine ihrer Schülerinnen.

Es war Vorstandsmitglied Gerhard Meyer, der die vielen Gäste begrüßte, darunter Landrat Gerhard Wägemann und seine Frau Cristine. Dem Landkreischef konnte der VHS-Chef Gerhard Postler mit der riesigen Resonanz, den die Schau gefunden hat, einen schlagenden Beweis liefern für die Attraktivität der VHS-Arbeit in Gunzenhausen. Timo Reuter, der Marktbereichsleiter, und Wolfgang Löhner, der Privatkundenbetreuer, waren vom starken Besuch gleichermaßen überwältigt.

Petra König-Bergauer, Gertrud Wagner und Ingrid Offerhaus aus München (Ikebana-Sogetsu) führte den nicht ganz so kundigen Blumenfreunde in die Ikebana-Kunst ein, zudem waren eine “Heikus” (japanische Dreizeiler in Gedichtform) zu hören. Jörg Puschban begleitete die Veranstaltung auf dem ePiano.

Die Besucher der Ausstellung, zumeist Frauen, waren begeistert von der japanischen Blumenkunst.

Ziegeleien und auch die Ziegelgasse verschwanden

Zur Geschichte der Ziegelherstellung in Gunzenhausen

Ein Foto vom Lehmabbau in Cronheim aus den vierziger Jahren. Der Eimer-Ketten-Bagger signalisierte den Fortschritt. Links Friedrich Kübler aus Cronheim, rechts Karl Kernstock aus Oberschwaningen. Archivfotos

1886 ist der letzte Gunzenhäuser Ziegeleibetrieb eingestellt worden. An ihn erinnerte bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Ziegelstraße, doch auch sie musste der Simon-Marius-Straße weichen.  Die alte Ziegelei hatte ihren Ursprung im 15. Jahrhundert (1466), weitere drei Betriebe hat es im 19. Jahrhundert gegeben, außerdem noch die beiden Ziegeleien in Cronheim (bis 1960). Gleich drei Autoren nehmen sich im neuen Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ des Vereins für Heimatkunde des Themas an: Werner Mühlhäußer und die beiden Heimatkundler Werner Neumann aus Weißenburg und Günther Prechter aus Cronheim.

Die Dampfziegelei Cronheim um 1909. Rechts die Abbruchkante der Lehmgewinnung.

Schon 8000 bis 6000 v.Chr. galten Ziegel neben Holz und Bruchsteinen zu den ersten Baumaterialien (heute: Syrien und Irak). Erst später haben sich europäischer Klerus und Adel des Materials bedient. Gefertigt wurden Dachziegel, aber auch Mauerziegel (Ziegelstein), aber der große Durchbruch kam erst mit der Erfindung des Ringofens. Der Fürstenwalder Maurermeister Arnold kann das Erstgeburtsrecht für sich in Anspruch nehmen, aber auch der preußische Baumeister Friedrich Eduard Hoffmann ließ sich dafür feiern. Fortan war die Herstellung von Tonwaren in konstanter Qualität und in größeren Mengen möglich.

Gunzenhausens erste Ziegelei befand sich in der Ziegelgasse, die 1893 zur Hensoltstraße wurde.  Die genaue Lokalisation: Hensoltstraße 14. Hans Mayer wird schon 1537 als „Ziegler aff der Hütten“ genannt. Bis 1777 war dann die Familie Engelhardt  die Besitzerin.  Wie Werner Mühlhäußer nachweisen kann, sind die Produkte hauptsächlich für die Reparatur der Stadtmauer und der Stadtkirche sowie des Jagdschlösschens Falkenlust benutzt worden.

Daneben existierten noch drei kleinere Handziegeleien:  Johann Thomas Huber erbaute 1863 eine Ziegelhütte im heutigen Anwesen Bahnhofstraße 29. Sie wurde nachweislich bis November 1900 betrieben.  Die Ziegelei Rothgängel geht auf Zimmermeister Georg Friedrich Rothgängel zurück (Bühringerstraße), der sie später an seInen Schwiegersohn Johann Adam Reichardt weitergab. 1869 waren dort fünf Männer beschäftigt, darunter Ziegelknechte, Ziegelmacher, Ziegelmeister.  Sie produzierten im Jahr 30000 Ziegel und 24000 Backsteine. Der dritte Ziegeleibesitzer war Johann Georg Lang, gefolgt von seinem Sohn Georg Nikolaus (heute Schillerstraße 11). Der Betrieb lief bis Dezember 1901, drei Jahre später übernahm die Stadt das Grundstück.

Die Ziegeleien in Cronheim werden bereits 1415 genannt, wie Günther Prechter erforscht hat. Hans von Cronheim hatte die Ziegelei vom Eichstätter Bischof zum Lehen erhalten. Ab dem 17. Jahrhundert lebte auf dem Anwesen „Cronheim 70“ die Familie Kichler. Deren Nachkommen (Schwiegersohn Johann Michael Sorg und Frau Viktoria) verkauften und zogen ins Dorf, wo heute noch die Sorgs unter dem Hausnamen „Ziegler“ leben. Um 1890 endete die Tradition des Feierabendzieglers in Cronheim.

Mit der Erfindung der Dampfmaschine und dem Bau der König-Ludwig-Süd-Nord-Bahn erhielt  Cronheim eine Bahnstation. Der aus Wassertrüdingen stammende Zimmermeister Georg Friedrich Bühlmeyer gründete 1907 die Dampfziegelei und begann zwei Jahr später mit der Produktioön. Den notwendigen Lehm fand er „Im Lampelbuck“ (Lehmfeld). Der Eigentümer baute den Betrieb aus (bis auf eine Lehmgrube von sieben Tagwerk) und  modernisierte ihn. Das „Dampferla“, wie es den alten Cronheimern noch geläufig ist, war eine dieselbetriebene Lokomotive mit drei Loren für den Transsport des Rohmaterials von der Lehmgrube zur Brennerei. Dazu kam noch ein Eimer-Ketten-Bagger, der auf Schienen lief.  25 Arbeiter waren zeitweise beschäftigt. Der Großbrand am 8. September 1960 bedeutete für die Ziegelei das Aus.

WERNER FALK

Das Freikorps Oberland in Eichstätt

Dr. Maximilian Ettle stellt den soldatischen Freiwilligenverband vor

Freikorpsmitglieder aus Eichstätt, im Vordergrund sind einige Markt Berolzheimer zu sehen. Foto: Sammlung Burmann

In Eichstätt war das bekannteste und größte Freikorps „Oberland“ aufgestellt. Es trug das Edelweiß als Kennzeichen. Warum konnte sich der Freiwilligenverband nach dem Ersten Weltkrieg formieren? Wie hat er agiert bevor seine Männer in die nationalsozialistische SA eintraten? Dr. Maximilian Ettle untersucht in der neuen Ausgabe des „Sammelblatts“ (herausgegeben vom Historischen Verein Eichstätt) die Geschichte des Freikorps.

Wie Pfarrer Theodor Kleinknecht in den Kirchenbüchern festgehalten hat, wurden die Berolzheimer Freikorps-Mitglieder schon nach wenigen Monaten am 1. Juni 1919 entlassen. Foto: Archiv Burmann

Eine Bewertung steht am Anfang: „Die Dolchstoßlegende von Hindenburg und Ludendorff war die verhängnisvollste Lüge in der Geschichte Deutschlands.“  Schuld an der Niederlage am Ende des Ersten Weltkriegs hatten demnach keinesfalls die Linksparteien und Juden, die man dafür verantwortlich zu machen versuchte, sondern die militärische Führung und ein unfähiger Kaiser Wilhelm II.  „Deutschland war während des Krieges faktisch eine Militärdiktatur“, stellt der Autor fest, „die jedoch am Ende die Friedensverhandlungen den Politikern übe ließ“. Daher auch der Begriff „Novemberverbrecher“ als schuldzuweisender Name für diejenigen, die in Versailles den Friedensvertrag unterschreiben mussten.  „Im Feld ungeschlagen“, das war damals eine reine Schutzbehauptung und ein „Brandbeschleuniger“ für den Antisemitismus in Deutschland.

Als das Kaiserreich weggefegt war, da gründete der Revolutionär, Pazifist und Jude Kurt Eisner den Freistaat Bayern, dessen 100. Geburtstag  wir 2018 feiern durften.  Neben den kommunalen Parlamenten agierten die Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte. Sie hatten beratende Funktion, manchen von ihnen aber glaubten, sie hätten eine quasi Aufsrichtsratsfunktion, was naturgemäß zum Streit führte. Natürlich wollten die alten Eliten ihre Vormachtstellung nicht preisgeben. Sie wehrten sich gegen die in München berufene Räterepublik, der 1919 gewählte Landtag musste ins Exil nach Bamberg, denn München war „rot“ und unsicher für die vom Sozialdemokraten Johannes Hoffmann geführte Regierung.  Die konservativen Kräfte hatten schon bei der Landtagswahl 1919 die Oberhand behalten (34,9 Prozent) vor den Sozialdemokraten (32,9 Prozent), Eisners USP (unabhängige Sozialdemokraten) hatte gar nur 2,5 Prozent bekommen.  Die strammen Bayern von heute müssen zähneknirschend die Tatsache  zur Kenntnis nehmen: der Gründer des Freistaats, auf den heute alle so stolz sind, war der Sozialdemokrat Eisner, noch dazu ein gebürtiger Preuße (Berliner ), ein Pazifist und Jude.

Als Vorgängerin des Freikorps „Oberland“ wird die Thule-Gesellschaft („Orden für deutsche Art“) genannt, die sich 1918 in München als ein Zusammenschluss von völkisch und antisemitisch orientierten Männern formierte.  Ihr Vereinsemblem war damals schon das Hakenkreuz und die Mitglieder begegneten sich mit dem  „Heil und Sieg“-Gruß. Sie ging ein Jahr später in der Deutschen Arbeiter Partei (DAP) auf, in der auch Hitler mitmischte. Daraus entstanden ist danach die NSDAP. Einer von den Parteileuten war seinerzeit der Dietrich Eckart Neumarkt/Oberpfalz, der den Begriff des „Dritten Reiches“ kreierte.

Die Aufstellung des Freikorps „Oberland“ war zunächst für den 19. April 1919 in Treuchtlingen vorgesehen, aber weil es in Eichstätt eine Kaserne gab, entschied man sich für die Bischofsstadt. Aber warum einen Verband mit dem Namen Oberland? Es gibt mehrere Versionen, aber keine wird als verbindlich anerkannt. Eine Deutung: der Name soll an die patriotischen „Oberländer“ erinnern, die 1705 die Münchner von den österreichischen Besatzern befreiten.

In Eichstätt jedenfalls kamen im April 1919 rund 120 Freiwillige zusammen, darunter auch 14 Markt Berolzheimer (mit Heinrich Veitengruber), die aber nach wenigen Monaten schon wieder entlassen wurden. Allgemein handelte es sich um junge Männer, die schon zuvor militärisch gedient hatten (Dreiviertel der Mitglieder).  Das Freikorps wuchs auf 305 Mitglieder an.  Die Eichstätter nahmen auch am Marsch nach München teil, um gegen Spartakisten und Kommunisten anzutreten (Kampftag war der 2. Mai). Es gab 355 Opfer und viele Exzesse des Freikorps.  Man sprach vom „Weißen Terror“. Versehentlich kamen auch 21 katholische Gesellen um, die für Spartakisten gehalten worden waren.

Das Freikorps, 1921 als eine Folge des Versailler Vertrags aufgelöst, ging  später in der SA auf und bei Hitlers Marsch auf die Feldherrnhalle 1923 waren viele Ehemalige dabei. Die politisch Ewiggestrigen  organisierten sich später in einem Heimatschutzverband. Es gab viele Nachfolgeorganisationen. Einige wirken bis heute als Traditionsverbände. Sie stehen zum Teil unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

 

Dr. Maximilian Ettle: „Vor 100 Jahren:  Revolutionäre Zeiten“, Jahrbuch des Historischen Vereins Eichstätt, 192 Seiten, ISSN 0936 5869.

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