Landluft macht frei!

Gedanken zur Attraktivität des ländlichen Raumes

Gewiss: Das öffentliche Nahverkehrsnetz ist noch ausbaufähig in den ländlichen Regionen Bayerns, so auch in Altmühlfranken. Tests offenbaren immer wieder und belegen zum xten Mal, dass die Frequenz für Busse und Bahnen nicht reicht, um ideale Transportangebote anbieten zu können. Wer auf dem Land lebt, der braucht deshalb meistens ein zweites Auto, um zur Arbeit zu kommen oder sich zu versorgen.

Ich halte das Gerede von der Attraktivität der Großstadt mit ihren tollen Angeboten für eine Mär. Theater, Konzerte, Kunstausstellungen – wer nutzt sie und wie oft im Jahr? Der Lohn oder die Bezüge von Arbeitern, Angestellten oder Beamten reicht nicht, um beispielsweise ihren Lebensunterhalt in München und anderen Großstädten bestreiten zu können. Es bedarf deshalb eines zweiten Einkommens in der Familie, d.h. die Frau muss mitverdienen oder der Mann übernimmt noch ein paar Teilzeitjobs dazu.  Die Menschen können nicht  runterbeißen von den großartigen Angeboten, zumal es die ja auch nicht zum Sozialtarif gibt. Das ist die gesellschaftliche Wirklichkeit. Und die Pendler aus dem Umfeld der Großstädte stehen täglich im Stau, manche oft stundenlang. Ist das Lebensqualität?

Wir, die wir in Altmühlfranken leben, müssen uns nicht klein machen, wenn es um die Lebensqualität in unserem direkten Umfeld oder in unserer Region geht. Es spricht mehr für das Leben auf dem Land als dagegen. Ich will eine Positivliste aufmachen:

–          Die Renaissance des Landlebens spiegelt sich nicht nur in den schönen und hochwertig illustrierten  Livestylmagazinen wieder, sondern in der Sehnsucht vieler Menschen nach einem naturnahen Umfeld. Es ist ja auch verständlich:  Umso mehr Flächen zubetoniert werden (in Bayern werden statistisch jeden Tag 9,8 Hektar zu Bauland umgenutzt), desto stärker wird der Wunsch nach grünen Oasen und einer sauberen Landschaft.

–          Die Mieten in Altmühlfranken sind noch bezahlbar, und zwar vor allem für Menschen, die über kein dickes Sparbuch verfügen. In den Gemeinden wird viel neuer Wohnraum geschaffen. Somit werden Quartiere (Eigenheime, Mietwohnungen) frei, die erschwinglich sind.

–          Die Versorgung mit Artikeln des täglichen Bedarfs ist überall gegeben. Die Vielfalt von Supermärkten spricht für sich und gelegentlich gibt es auch noch die Tante-Emma-Läden. Sie werden wohl erst eine Renaissance erfahren, wenn sie die UNESCO unter Schutz gestellt hat.

–          Die Radwege in der altmühfränkischen Region, speziell im Fränkischen Seenland, sind super. Wer sich nach Feierabend noch sportlich betätigen will, der steigt einfach aufs Rad und umfährt die Seen oder nutzt die gut beschilderten Radwege. Das Seenland hat bundesweit schon in Sachen Fahrradfreundlichkeit fleißig Punkte gesammelt – und es werden immer mehr. Das gleiche gilt für die behindertenfreundlichen Freizeitangebote.

–          Der Altmühlsee, der Brombachsee und der Rothsee bieten heute eine Lebensqualität, die in den sechziger Jahren noch gar nicht vorstellbar war. Wir können uns wahrlich sehen lassen mit den Angeboten, die wir direkt an den Seen, aber auch im Umland  machen können. In welcher Region gibt es das wieder? Das Fränkische Seenland ist ein touristischer Fixpunkt in Nordbayern. Es gibt keine vergleichbar großen und attraktiven Seen in Nordbayern und Nordwürttemberg!

–          Der Freizeitmarkt ist vielseitig und noch immer preisgünstig. Das gilt für die herausragende Badelandschaft in Gunzenhausen und Treuchtlingen wie für das kulturell hochwertige Angebot in Weißenburg. Wo gibt es schon sonst in Nordbayern die großräumige Gelegenheit zum Segeln, Surfen, Kitsegeln? Wir haben beispielsweise in Gunzenhausen mit San-aktiv-Tours einen in der ganzen Region bekannten und kompetenten Dienstleister und in Zweirad-Gruber das zweitgrößte Fahrradgeschäft Mittelfrankens.

–          Die Grundstückspreise in Altmühlfranken sind gemessen an denen im Umfeld der größeren Städte noch bezahlbar. Die angebotenen Quartiere im Umfeld der Seen sind zum Teil ausgesprochen landschaftlich attraktiv.

–          Wir haben ein vitales kulturelles Leben.  Muhr am See ist sozusagen „Festspielstadt“. Neben den kommunalen Kulturprogrammen sind es die kreativen Kulturschaffenden, die das Leben bunt und anziehend gestalten:  Bergwaldtheater in Weißenburg, Kunstforum Fränkisches Seenland, das Atelier Zimmermann in Mörsach, die „Kulturmacherei“ in Gunzenhausen oder „Kultur im Sudhaus“ in Spielberg sind nur einige der markanten Aktivposten. Was sie bieten, muss den Vergleich nicht scheuen!

–          Die schulischen Einrichtungen  sind gut und sie werden noch besser, wenn künftig die Realschule der Hensoltshöhe nicht nur von Mädchen besucht werden kann. Weißenburg und Treuchtlingen sind Hochschulstandorte geworden, Triesdorf hat einen vorzüglichen Ruf als Ausbildungsstätte für Agrar- und Umweltexperten.

–          Das Klinikum Altmühlfranken mit seinen Häusern in Weißenburg, Gunzenhausen und Treuchtlingen ist gut aufgestellt und hat Ärzte mit einem guten Renommee über die Region hinaus.  Die „Altmühlseeklinik“  der Stiftung  Hensoltshöhe und die „Seenlandklinik“ der Arbeiterwohlfahrt in Gunzenhausen werden sehr geschätzt.

–          Immer mehr sucht der kritische Verbraucher nach Lebensmitteln, die aus der Region kommen und die ihm einigermaßen Gewähr bieten, naturrein und frei von Giftstoffen zu sein. Die vielen Bauernmärkte in der Region und die Direktvermarkter decken dieses Verbraucher-Bedürfnis ab.

–          Auf dem Land bietet das Gemeinschaftsleben tausenderlei Gelegenheiten, sich zu entfalten und sich einzubringen. Gerade das ehrenamtliche Engagement ist hier noch hoch. Wer sich für seine Mitmenschen in einem überschaubaren Umfeld einsetzt, der empfindet Zufriedenheit und Lebenserfüllung. Niemand muss auf die moderne digitale Kommunikation verzichten, aber die persönliche Begegnung mit Menschen in der Umgebung macht das Leben reich. Wer sich in das dörfliche Vereinsleben einbringt, der muss auch akzeptieren, dass es so etwas wie „soziale Kontrolle“ gibt. Wer das nicht möchte, der sollte in der Anonymität der Großstadt sein Heil suchen.

Werner Falk, Stadtrat der FDP in Gunzenhausen

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