Freies WLAN im Altersheim

FDP-Antrag beim Bürgermeister eingereicht

An Bürgermeister Karl-Heinz Fitz habe ich am 2. Januar den Antrag der FDP übergeben, der diese Forderung beinhaltet:  Die Hospitalstiftung als die Trägerin des Burkhard-von-Seckendorff-Heims ermöglicht allen Bewohnern des Altenheims den freien Zugang zum Internet (WLAN).

Begründung:

Bisher gibt einen Hotspot nur vor dem Altenheim. Der Internetanschluss ist m.E. für den einzelnen Bewohner zu kompliziert und zu teuer. Wer nur ein Taschengeld von monatlich 120 Euro bekommt, kann sich diesen Luxus nicht zusätzlich leisten. Das trifft jedenfalls für Bewohner zu, die von der Nachbarschaftshilfe betreut werden.

Grundsätzlich ist festzustellen, dass auch Seniorinnen und Senioren im Digitalzeitalter angekommen sind. Die alten Menschen sollen nicht als Bürger 2. Klasse sein.  Ein kostenloser WLAN-Anschluss kann der Isolation, bedingt durch Alter und Krankheit, entgegenwirken. Es ist für Menschen des betreffenden Personenkreises wichtig, dass sie mit ihren Angehörigen kommunizieren und Fotos mit ihnen austauschen können, aber auch, dass sie sich mit anderen Bewohnern digital verständigen können. Ein Internetzugang ist heute oft Voraussetzung für eine selbständige, selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft.

Darüber kann die Beschäftigung der Senioren mit dem Internet eine sinnvolle Therapie sein. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen hat beispielsweise den „Digital-Kompass“ als bundesweites Projekt ins Leben gerufen.

Ich danke Jochen Loos für die argumentative Unterstützung in dieser Sache. Er ist als Angehöriger der Nachbarschaftshilfe nahe am Thema dran und hat den Impuls für die Forderung gegeben. Diese stößt natürlich beim Seniorenbeirat Gunzenhausen auf offene Ohren, wie mir Vorsitzender Werner Seifert und seine Mitstreiter Reinhard Adolphs und Erna Hohenstein versichern.

Werner Falk, Stadtrat

Streicher in der Stadtbibliothek

Viele der 9000 Bände stammen aus einstmals  jüdischem Besitz

Von Julius Streicher, dem „Frankenführer“ der Nationalsozialisten, weiß man, dass er ein mieser Charakter war. Er bemächtigte sich mit unrühmlichen Methoden des Eigentums der jüdischen Mitmenschen und war ein Lüstling, der es sich selbst bei seinen eigenen Parteigenossen verscherzte. So war er zwar schon 1922 der Gründer der ersten NSDAP-Ortsgruppe (in Nürnberg). Als Herausgeber des Hetzblatts „Der Stürmer“ bewegte er sich und seine 300 Autoren, die ihm geistig schräges Eigentum zulieferten, auf der untersten Ebene. 1940 hatten seine Parteigenossen die Nase voll von ihm. Ein Parteigericht nahm ihm alle Parteiämter, aber weil er unter dem Schutz und Schirm Adolf Hitlers stand, durfte er seinen „Frankenführer“-Titel weiterhin führen.  Er hielt sich auf dem Pleikershof bei Cadolzburg  auf bis ihn in den letzten Kriegstagen amerikanische Einheiten in Oberbayern festnahmen und er in Nürnberg zum Tode durch den Strang verurteilt wurde.

In den „Mitteilungen“ des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (Band 91) befasst sich Christine Sauer mit derm „Sammlung IKG“ (für: Isrealitische Kultusgemeinde) mit den literarischen Hinterlassenschaften von Julius Streicher, die in der Stadtbibliothek Nürnberg verwahrt werden. Zu ihnen gehören natürlich die „Stürmer“-Ausgaben, aber auch rund 9000 Bücher. Sie befanden sich einst in jüdischem Besitz. Im Zuge der Arisierung hatte sich Streicher ihrer „angenommen“.  Die Redaktionsbibliothek des „Stürmers“  gehört ebenso dazu wie die Privatbibliothek des Intriganten (rund 3000 Bände).  Dort stand auch der „Giftschrank“ Streichers mit pornografischen Veröffentlichtung.

Von der Kuhmagd zur Professorin

Christa Olbrich beschreibt ihr Leben voller Herausforderungen

Das Titelbild des Buches, das die Autorin Christa Olbrich demnächst auch in Altmühlfranken öffentlich vorstellen will.

Das Buch ist die Lebensgeschichte einer Frau, die stets eine Suchende war. Ihr ist es nie auf die Ansammlung materieller Reichtümer angekommen, auch nicht auf den Genuss des Lebens, wie ihn die Menschen gemeinhin verstehen.  Ihr Weg ging nicht kerzengerade nach oben. Sie ist viele Schlaufenwege gegangen. Man kann sagen, dass der Weg ihr Ziel war. Und sie hat viele Höhen und Tiefen erlebt. Christa Olbrich, die als „Flüchtlingskind“ in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, lässt unter dem Titel „Von der Kuhmagd zur Professorin“ ihr Leben auf 292 Seiten Revue passieren.

„Kindheit in Armut und Scham“ – so beschreibt sie ihre ersten sieben Jahre. Und dieser Terminus begleitet ihr ganzes Leben, weshalb sie von „Sieben-Jahres-Abschnitten“ spricht, wenn sie die Struktur ihres Lebens  darzustellen. Triebfeder war stets das ehrgeizige Streben, dass die individuelle Leistung prägender sein muss als die Herkunft. Mit ihren Eltern, die 1946 aus ihrer Heimat im Sudetenland vertrieben wurden,  ist Christa nach Haundorf gekommen. Der Vater war schwerkriegsbeschädigt, schlug sich zunächst als „Pfannenflicker“ durch.  Mutter und Tochter standen unter dem Schirm einer gütigen Bauersfrau. Im Milch- und Gemeindehaus hat es oft „gerachert“, wenn der Herd verpuffte. Wasser holte die Flüchtlingsfamilie mit der Schöpfkeller aus dem nahen Brunnen.

Christa Olbrich, die heute 75-jährig mit Katzen, Hunden, Schafen und Hühnern in einem von ihr umgebauten Holzhaus nahe einem kleinen Dorf in der Oberpfalz lebt, hat ihre Herkunft als Herausforderung verstanden, es den anderen zu zeigen und sich zu beweisen. Das Mädchen hat sich mit dem ersten Lohn, den sie als Hopfenbloderin bekommen hatte, ihr erstes Fahrrad gekauft.  Erste sexuelle Erfahrungen gingen an der 13-Jährigen vorüber, denn der fensterlnde Bauernbursche („Lou mi halt amol“) erwies sich als harmlos. Ihre jugendliche Prägung erhielt Christa im Internat einer Kinder- und Haushaltungsschule in Nürnberg („Stapf“). Als sie 21 war, starb die Mutter mit 47 Jahren, der Vater wurde nur 66 Jahre alt.  Schwer zu verkraften waren für sie die familiären Umstände nach dem Freitod ihres jüngeren Bruders, der dem Alkohol verfallen war. Für sie stellte sich immer wieder die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Vom Ehrgeiz getrieben holte sie im Telekolleg die Mittlere Reife nach, erwarb das Begabtenabitur, lernte als Krankenschwester, studierte Medizin und Krankenpflege, später auch noch Pädagogik. Sie kam an ein Institut für Fort- und Weiterbildung in der Krankenpflege und musste sich schon bald der männlichen Konkurrenz erwehren, denn als diplomierte Krankenschwester verdiente sie so viel wie der Oberarzt, den sie früh heiratete.  Die zunehmende Akademisierung der Pflegeberufe setzte sich auch in Deutschland durch. Und so ergaben sich für Christa reichlich Chancen.  Den dualen Studiengang Pflegemanagement und Pflegepädagogik  schloss sie mit der Promotion ab. Fortan setzte sich Dr. Olbrich gegen Widerstände für das berufsbegleitende Bachelor- und Masterstudium für Kranken- und Altenpflege ein.  Wie in allen ihren „Sieben-Jahres-Phasen“ musste sich auch hierbei diskriminierende Reaktionen der wissenschaftlichen Männerkonkurrenz erleben. Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn war schließlich eine Professur, die einher ging mit intensiver Vortragstätigkeit im In- und Ausland, ja sogar die Chinesen wollten von ihrem Wissen profitieren.

Bei allen beruflichen Höhenflügen ist Christa Olbrich immer auf dem Boden geblieben, hat gezeigt, dass ihr menschliche Werte mehr bedeuten als möglicher Reichtum. Als die Flüchtlingswelle auf Deutschland hereinbrach, hat sie sich einen jungen Georgier geheiratet und ihm so nach dessen abgeschlossener Schreinerlehre trickreich die Abschiebung erspart.  In ihrem naturnahen Refugium steht sie in Zwiesprache mit allerhand Tieren, aber der oberpfälzische Dialekt ihrer Nachbarn ist ihr fremd geblieben.

WERNER FALK

Christa Olbrich: „Von der Kuhmagd zur Professorin – ein Leben voller Herausforderungen“, 292 Seiten, novum-Verlag, ISBN-13: 978-3958409750, 22,90 Euro (auch als E-Book erhältlich).

Ein tüchtiger Bürgermeister

Anton Seitz aus Wolframs-Eschenbach bekam Bundesverdienstkreuz

Der neue Ordensträger im Kreis seiner Familie mit Minister Hermann. Foto: Iannicelli

Anton Seitz, Bürgermeister der Wolframstadt von 1984 bis 2008 (also 24 Jahre), war der richtige Mann und richtigen Zeit. Als er 1978 in den Stadtrat kam, da herrschte eisige Stimmung unter den Kommunalpolitikern. Nicht nur die CSU, sondern die ganze Stadt hatte sich gespalten in einen Dörr-Flügel und einen Leng-Flügel. Es war Anton Seitz, der junge Finanzbeamte, dem es dank seiner persönlichen Ausstrahlung gelang, die zerstrittenen Parteien in relativ kurzer Zeit zusammenzuführen. Heute gibt es die CWV nicht mehr. Sie ist in den Freien Wählern aufgegangen. Die Konfrontationen im Stadtrat gehören der Geschichte an.

Von links: 2. Bürgermeister Schlackl, Altbürgermeister Anton Seitz, Minister Joachim Herrmann, Bürgermeister Michael Seitz und Erwin Seitz.

Es waren turbulente Jahre in der Wolframs-Eschenbacher Kommunalpolitik, als sogar der Stadtpfarrer in die Sitzung gerufen wurde, um zu schlichten. Das große Verdienst von Seitz liegt darin, dass er die Gräben zugeschüttet hat, wobei er seine persönlichen Interessen mitunter hinten angestellt hat, um die Versöhnung nicht zu gefährden.

Die „Ära Seitz“ waren gute Jahre für die Stadt, denn vieles, was sich aufgestaut hatte, konnte dank seiner systematischen Herangehensweise erledigt werden. Nur einige Punkte sollen genannt werden: die Erhaltung der historischen Substanz des mittelalterlichen Juwels, die Gestaltung des Grüngürtels um die Stadtmauer, die Sanierung des Wolfram-Denkmals und die Errichtung des Wolfram-von-Eschenbach-Museums, die seinerzeit international auf Beachtung stieß und das Ansehen der Stadt  gefördert hat. Der Kommunalpolitiker hat auch die Sanierung des Rathauses und Einrichtung des Bürgersaales realisiert. Die Städtefreundschaft zum französischen Donzenac war und ist ihm ein großes Anliegen. Er ist nicht nur Vorsitzender des Komitees, sondern er pflegt persönlich gute Kontakte zur Nachbarregion.

Seit 1978 gehört Anton Seitz dem Kreistag Ansbach an. In den Jahren von 2002-2008 war er sogar Stellvertreter des Landrats und im Präsidium des Landkreistags.  Als Beauftragter des Kreises für Menschen mit Behinderung fungiert er seit 2010.

Seine Familie sowie Bürgermeister Michael Dörr und Vize Johann Schlackl  waren dabei, als ihm Innenminister Joachim Herrmann das Bundesverdienstkreuz am Bande überreichte und im Beisein zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens das politische Werk von Anton Seitz würdigte.

WERNER FALK

Mehr EU-Gelder

Zusätzliche LEADER-Mittel für LAG Altmühlfranken

Kurz vor Weihnachten hat die LAG Altmühlfranken eine frohe Botschaft aus München erhalten. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium teilt mit, dass das regionale LEADER-Budget um 142.000 Euro aufgestockt wird.

Zusätzliche 90.000 Euro, die bisher für die Verwendung von Kooperationsmaßnahmen reserviert waren, können nun auch zur Umsetzung von Einzelprojekten verwendet werden. Ende 2020 geht die aktuelle LEADER-Förderperiode der EU zu Ende. Bis dahin müssen die Mittel in Projekten investiert sein.

LAG-Vorsitzender Landrat Gerhard Wägemann zeigte sich erfreut: „Die zusätzlichen Gelder haben wir für unsere erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre erhalten. Damit können wir nun weitere Projektträger in der Region dabei unterstützen, ihre Ideen zu realisieren.”

Über die LAG Altmühlfranken sind seit 2015 bereits 29 Projekte mit über 1,4 Millionen Euro gefördert worden. Die unterstützen Projekte sind vielfältig und über ganz Altmühlfranken verteilt – wie z. B. die Erlebnismosterei in Nennslingen, die Entdeckerwerkstatt im Treuchtlinger Museum, der Musikbahnhof Weißenburg oder die kürzlich eröffnete Pumptrack-Anlage in Gunzenhausen.

Neue Infobroschüre

Stadtmarketing stellt Imagebroschüre mit Gutscheinheft vor

Der Andruck ist fertig. Helmut Bach von der Druckerei E. Riedel (links) zeigt ihn den Auftraggebern vom Stadtmarketingverein und der Stadt. Foto: Ingeborg Herrmann

Der Stadtmarketing Gunzenhausen e.V. hat seine erste Imagebroschüre mit Gutscheinheft für das Jahr 2020 herausgebracht. Die Broschüre soll künftig im jährlichen Rhythmus in einer Auflage von 15.000 Stück erscheinen.

In der Broschüre haben die Gunzenhäuser Unternehmen die Möglichkeit, sich neben der Internetseite ingunzenhausen.de zu präsentieren. Man hat erkannt, dass nicht nur das neben Internet und sozialen Medien auch gute Printmedien „zum Anfassen“ wichtig sind. Mit der Broschüre sollen die Unternehmen unterstützt werden, da der stationäre Handel Frequenz und Leben in die Stadt bringt.

Für die Zielgruppe der Hotelgäste, Kunden und Bürger wurde die Imagebroschüre ohne Gutschein gedruckt. Außerdem gibt es die Broschüre mit enthalteten Gutscheinen, die Tagungsgäste der Stadthalle und Neubürger erhalten sollen. Dadurch soll das Angebot noch sichtbarer gemacht werden und zusätzlichen Umsatz generieren.

Dargestellt werden auch infrastrukturelle Faktoren wie z.B. Free WLAN, Parkplätze, ÖPNV, Fahrradaufbewahrung und mehr. Außerdem ist ein Gewinnspiel enthalten, bei dem es zwei Übernachtungen in einem Gunzenhäuser Hotel zu gewinnen gibt. Im aktuellen Heft für das Jahr 2020 sind 27 Unternehmen aus Handel, Gastronomie, Hotellerie, Dienstleistung und Banken vertreten. Das Projekt wird aus öffentlichen Mitteln (ISEK) gefördert. Dadurch bleibt der Kostenbeitrag für die beteiligten Unternehmen relativ gering.

Kooperationspartner für das Projekt sind neben dem Stadtmarketing Gunzenhausen e.V. Unternehmen und die Stadt Gunzenhausen. Die Gestaltung übernahm die Firma Eischer Werbung. Gedruckt wurde das Werk bei der Druckerei Emmy Riedel.

Dr. Friedrich bestätigt

Erneut Präsident des Wirtschaftssenats

In der Generalversammlung des Europäischen Wirtschaftssenats (EWS) wurde Dr. Ingo Friedrich, Ehrenmitglied des Europäischen Parlaments, erneut zum Präsidenten gewählt. Die Mitglieder einer der führenden europäischen Wirtschaftsvereinigungen würdigten damit die Leistungen des Europapolitikers und bestätigten diesen für die nächsten fünf Jahre im Amt. Der neu gewählte Präsident nahm die Wahl an und kommentierte: „Für mich ist die Arbeit für den EWS keine Aufgabe unter anderen, sondern die Nummer eins.“ 

Der wiedergewählte Präsident Dr. Ingo Friedrich (rechts) mit Rolf von Hohenau und Dr. Sabine Loritz.

Der Europäische Wirtschaftssenat e. V., von Professor Friedmann 1993 gegründet, hat nach Aussage des Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf von Hohenhau mit Ingo Friedrich eine Persönlichkeit an der Spitze, der wie kaum ein anderer Politiker in Europa als Brückenbauer und Netzwerker arbeitet. Mit Friedrich, einem Europäer der ersten Stunde, verdankt der EWS seine breite Außenwirkung, auch in das EU-Parlament und in die Europäische Kommission hinein. Rolf von Hohenau: „Ingo Friedrich hat den Senat vor 10 Jahren übernommen und auf solide, wirtschaftliche Beine gestellt. Dank seiner Leidenschaft, der das Amt mit großem Engagement, Herz und Seele ausfüllt, gelang es in den letzten Jahren hochklassige Diskussionspartner, prominente Politiker, Wissenschaftler und führende Unternehmer-persönlichkeiten einzubinden.“

Doch Ingo Friedrich hat sich selbst und seinem Club noch weitere große Ziele gesteckt. So will er mit dem Wirtschaftssenat noch intensiver in die internationale Politik einwirken, die Zahl engagierter Unternehmer erweitern und den Senat noch breiter in die mittelständische Wirtschaft vernetzen. Mit drei neuen Senatsmitgliedern aus dem Mittelstand – darunter das berühmte fränkische Weingut Wirsching – startet der Senat in die nächste Periode.

Der Europäische Wirtschaftssenat versteht sich als ein Gremium europäischer Unternehmer und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Seine Maxime lautet: Erfahrungswissen, Praxisnähe, progressive Gestaltungsfähigkeit nicht nur von seinen Mitgliedern als Unternehmer zu erwarten, sondern dieses kompetente Fachwissen den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft zu vermitteln. Der EWS hat sich das Motto „Wirtschaftskompetenz für Europa“ auf die Fahnen geschrieben. Er spiegelt so auch den Geist Europas als Einheit in der Vielfalt. 

So standen bei der Generalversammlung die Gespräche ganz im Zeichen der Mobilität und Energieversorgung: „Europa 2030 – Alles unter Strom? – Wie sieht die Zukunft aus? Innovationsmotor Wissenschaft und Wirtschaft“ lautete das Arbeitsthema. Ganz konkret zeigte sich dies beim Thema Energiewende. Es braucht, so forderte der Bundestags-abgeordnete Bernhard Loos in seinem Statement, keine Co2-Bepreisung, sondern einen Emissionshandel. Und wer bei der Automobilwirtschaft allein auf die E-Mobilität setzt, bringt tausende Arbeitsplätze in Gefahr. Dies kann aber nicht die Lösung sein, wenn die Maximen vom ehrbaren Kaufmann und von Sozialer Marktwirtschaft die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Gesellschaft sein sollen.

Spiegelbild der Geschichte

„Alt-Gunzenhausen“ mit 15 Beiträgen von 14 Autoren

Das neue Jahrbuch „Alt-Gunzenhausen“ präsentierten Vorsitzender Werner Falk und sein Stellvertreter und Schriftleiter Werner Mühlhäußer (links) dem Rathauschef Karl-Heinz Fitz. Foto:  Erika Wüst

Mit 15 Beiträgen von 14 Autoren setzt „Alt-Gunzenhausen“, das Jahrbuch des Vereins für Heimatkunde Gunzenhausen, seine publizistische Arbeit fort. Die 74. Ausgabe hat einen Umfang von   270   Seiten.  Vorsitzender Werner Falk stellte die Publikation im Beisein von Schriftleiter Werner Mühlhäußer im Gasthaus „Altes Rathaus“ Bürgermeister Karl-Heinz Fitz vor. Der Bürgermeister dankte dabei dem Verein für seine seit vielen Jahrzehnten anhaltende Arbeit im Dienste der lokalen Historie.

Die Beiträge des Jahrbuchs, das im Gunzenhäuser Buchhandel erhältlich ist, beginnen  mit einer Darstellung des frühgeschichtlichen Siedlungsplatzes bei Unterasbach . Werner Somplatzki, der Heimatpfleger für Archäologie, hat danach geforscht. Die 1925 von Dr. Heinrich Eidam gefundenen Hornsteinwerkzeuge  sind für ihn der Beweis, dass es dort schon vor 7000 Jahren eine steinzeitliche Siedlung gegeben hat.

„Wer wurde unter der abgetretenen Grabplatte im Heidenheimer Münster bestattet?“ Siglinde Buchner hat Epitaphien als Informationsquellen entdeckt und nimmt an, dass dort das um 1620 geborene Töchterchen des Heidenheimer  markgräflichen Amtmanns Eitel Heinrich von Stain  und seiner Frau Magdalena von Absberg, begraben ist.

Siglinde Buchner begibt sich auch auf die Spurensuche nach dem Weiler Nordstetten, dessen Name sich von „Fels“ und „steinigen Boden“ ableiten lässt. Dazu gehörte auch die „Lepfenburg“ (Lauffenbürg  wurde bis 1510 so genannt). Die Autorin liefert eine Häusergeschichte des Mittelalters. Sie bezweifelt, dass Nordstetten ein Freidorf war, in dem die Bewohner die Dorfherrschaft selbst ausübten.

Zu den konfessionellen Verhältnissen und Sprengelstrukturen der Pfarreien im Kalbensteinberger Land hat Dr. Daniel Schönwald geforscht. Bemerkenswert findet er, dass die Sprengel  nach der Reformation zunächst beibehalten wurden ohne Rücksicht auf die Konfession der Untertanen. Erst im 19. Jahrhundert ist die feste Einpfarrung verfügt worden.  Die Vorgänge waren mitunter kurios:  der evangelische Huber aus Unterhöhberg war Untertan des katholischen Stifts Spalt, brachte seinen Sohn zur Taufe in das katholische Mitteleschenbach und bestattet wurde er vom evangelischen Pfarrer von Gräfensteinberg in Haundorf. Die Bestattungsgebühren mussten nach Mitteleschenbach gezahlt werden.

„Der Dreißigjährige Krieg und seine Auswirkungen in Gunzenhausen“ war 2019 ein Vortragsthema von Werner Mühlhäußer. Die grauenhafte Zerstörung, Verwüstung und Hungersnot, die das kleine Städtchen damals als Durchzugsgebiet der kaiserlichen und schwedischen Truppen hinnehmen musste,  zeichnet er nach.  Tilly Truppen haben damals auch den Stiftungsbrief für das Spital (1351) vernichtet.  Er zitiert das Laubenzedeler Kirchenbuch: „Die armen Leut sind mehr todt als lebendig“. Nach der Zerstörung von 111 Anwesen stand fest: „In Summa ist dieses Städtlein nur einer Spelunke ähnlich“.

Oskar Geidner  skizziert die Geschehnisse während des Dreißigjährigen Kriegs in (Wolframs)-Eschenbach und schildert die Widerstandskraft der Bevölkerung am Beispiel der Gefangennahme von Bürgermeister Ulrich Kolb (1633) durch die Schweden, als die Bürgerschaft ihr ganzes Hab und Gut verpfändete, um ihren Bürgermeister freizubekommen. Nicht so sehr durch Kriegshandlungen als durch die Flucht vor Hunger und Seuchen reduzierten sich die Haushalte um 71 Prozent.

Der hochbegabten Familie Motzel in Arberg, die hohe geistliche und weltliche Ämter am kaiserlichen Hof in Wien und am Bischofssitz in Eichstätt innehatte,   widmet sich Karl Rieger in Fortsetzung seiner Reihe über berühmte Söhne Arbergs. Georg Motzel , mittelalterlicher Finanzchef in  Arberg, verwaltete 22 Jahre lang das Amt, dessen Reichweite bis Hirschlach und Streudorf ging. Geblieben ist das frühere Kastenamt. Als  „Schoberhaus“  ist es eines der schönsten historischen Gebäude im Ort.

Auf den  Gunzenhäuser Oberkaplan Paul Days beruft sich  Wolfgang Pfahler in seiner Darstellung der Leichenpredigten für Sibylla Maria Rosa (1712) und Christoph Lorenz Meelführer (1717). Er wertet das Haus- und Jahrbuch des Gunzenhäuser Archivdiakons aus, der von 1696 bis 1735 gelebt hat.  Die Leichenpredigten enthalten nicht nur theologische Betrachtungen, sondern gehen ebenso auf die Lebenslust der Verstorbenen ein.

Leopoldo Matteo Retti  galt als der „Stararchitekt“ am markgräflichen Hof in Ansbach. Werner Mühlhäußer charakterisiert den einer italienischen Künstlerfamilie entstammenden Barockbaumeister, der 1731 an den Ansbacher Hof kam und auch in Gunzenhausen seine „Handschrift“ hinterlassen hat.

Heute reden wir von Kirchensteuer, im 18. Jahrhundert ärgerten sich die Degersheimer über das Kirchenstuhlgeld. Werner Kugler schreibt in seinem Beitrag  „Sitzplätze 1., 2. und 3. Klasse und kostenfreie Notsitze“ von einem Streit, der geführt wurde, weil  sich eine Familie weigerte, für einen ihr nicht gefallenden Kirchenstand zu zahlen.

„Die Orgeln der Spitalkirche Gunzenhausen im 18. bis 20. Jahrhundert“ beschäftigen Tobias Kleemann und Max Pfahler. Das 1701 erbaute zweite Gotteshaus in der Stadt bekam erst 1822 eine Orgel vom Heilsbronner Orgelbauer Eichmüller, dessen Werk sich aber nicht durch besondere Qualität auszeichnete. So bekam die Kirche  nach siebzig Jahren eine neue – von dem Oettinger Steinmeyer. Max Pfahler, der in der Nachbarschaft und in enger familiärer Freundschaft zu  Kirchenmusikdirektor  Karl Hunger aufgewachsen ist, geht auch auf dessen vierzigjährige Kantordienste ein.

Wiederholt widmet sich in der Publikation „Alt-Gunzenhausen“ der Weißenburger Autor Werner Neumann dem Armenwesen in der Stadt, diesmal von 1818 bis 1918. Eine Feststellung ragt heraus: Ernestine Reichel war 1911 die erste Frau im Altenpflegerat der Stadt. Und er schreibt von den Exzessen des Maurers Karl Vorbrugg, die dazu führten, dass er aus dem Armenhaus flog.

Die katholische Konfessionsschule Gunzenhausen 1869-1936 ist das Thema von Günter Dischinger. Er findet es bemerkenswert, dass schon 1851 der Pfarrer aus Cronheim katholischen  Unterricht im protestantischen Schulhaus geben durfte.  Erst 1869 erhielt die Filialkirche Gunzenhausen  ein eigenes Schulhaus (Nürnberger Straße 27/heute Pfarrzentrum).

„…Oha, der Kalendermann aus Aha!“ So nannten die Freunde des „Freimund“-Hauskalenders den Pfarrer Friedrich Wucherer, den Dr. Joachim Schnürle porträtiert. Der Geistliche, der 1849 die Gesellschaft für Äußere und Innere Mission mitbegründete, gehörte zu den engen Freunden des Neuendettelsauer Anstaltsgründers  Wilhelm Löhe.  1958 kam der kränkelnde Wucherer von Nördlingen nach Aha, wo er als Herausgeber des „Freimund“-Hauskalenders agierte. Von 1851 bis 1972 gab es das Kalendarium, das für viele Familien täglicher Begleiter war. Vertrieben wurde der „Freimund“ hierzulande u.a. von dem Gunzenhäuser Buchhändler Braun in der Osianderstraße.

Christian Breit ist in der Chronik des Liederkranzes Gunzenhausen von 1834 ein bemerkenswerter Finanzierungsgag aufgefallen. 1884 konnte jeder Gunzenhäuser für fünf Mark einen „Garantieschein“ kaufen. Das Geld erhielt er nach dem  50-jährigem Jubiläum wieder zurück. Es ist nicht erwähnt, ob die Aktion erfolgreich war.  Es ist eher das Gegenteil zu vermuten, denn die dreitägigen Jubelfeiern im Schrannensaal  mit Feuerwerk und Festkonzert waren defizitär. Am Ende fehlten 1000 Reichsmark. In die patriotische Männerchorliteratur des 19. Jahrhundert reihte sich auch das Festgedicht von Heinrich Eidam ein, das Dirigent Ludwig Hartmann vertonte.

Der „Spalter Bierkrawall“

„Heimatkundliche Streifzüge“ sind in Roth erschienen

Sich der reinen deutschen Sprache zu bedienen und sich „von fremd-drückenden Sprachjochen“ zu befreien  – dazu verpflichteten sich im 17. Jahrhundert die Mitglieder der „Fruchtbringenden Gesellschaft“, die aber nur kurze Zeit ihren Kampf gegen „fremdes Wortgepräg“.  Sprachwissenschaftler erkennen eine Duplizität der Ereignisse: Damals waren es die französischen Ausdrücke, die der „angebohren Teutschen Reinlichkeit“ widersprachen, heute sind es die Anglizesmen, von denen die Muttersprache durchsetzt ist.

In den „Heimatkundlichen Streifzügen“ (Ausgabe 38), die der Landkreis Roth in diesen Tagen vorlegt, geht Irmgard Prommersberger auf die Gesellschaft ein, die von 1617 bis 1680 bestand und in Franken eine Nachfolgerin im „Pegnesischen Blumenorden“ von 1644 fand, der noch heute existent ist.

Die Autorin widmet sich einem Gesellschaftsmitglied, das von 1607 bis 1630  als Amtmann des markgräflichen Oberamts Stauf- Landeck im heutigen Landkreis Roth tätig war: Hanß Heinrich von Wuthenau.  Er war zu jener Zeit sozusagen der lange Arm des Markgrafen Joachim Ernst, also der Vertreter des Landesherrn und Herrschers über Hochgerichts-, Militär- und Glaubensfragen. Er stammte aus Wuthenau, einem kleinen Ort nahe der brandenburgischen Kreisstadt Neuruppin. Seine Familie gehörte zu den Gefolgsleuten der Markgrafen Brandenburg-Ansbach. Nach dem Studium kam er auf einer „Kavalierstour“ (heute: Bildungsreise) nach Franken, wo er Anna Catharina von Woellwarth ehelicht, die ihm sechs Kinder schenkte, die allerdings alle sehr früh starben.  Hanß Heinrich wurde beim Hantieren mit Waffen getötet.  Er wurde nur 46 Jahre alt und fand in der Thomaskirche in Eysölden seine letzte Stätte.

Wuthenau ließ auf der Burg Stauf einiges ändern, was ihm nicht unbedingt die Sympathien seiner Untertanen eintrug. So ließ er eine Kapelle zu einem Pferdestall umbauen, er kümmerte sich „weniger als jeder ums Beten“. Dennoch war er beim Markgrafen hoch angesehen.  In die Geschichte ging er eher als Bildungsmensch ein, dessen Familie durch Abstammung und Heirat Besitztümer und Lehen auch in Sachsen, Anhalt, Baden und Württemberg hatte.  1617 fand er Aufnahme in die „Fruchtbringende Gesellschaft“, die sich dem Schutz der Muttersprache verpflichtet sah. Die Gesellschafter mussten sich verpflichten,  „dass sich ein jedweder wehrbar nütz- und ergetzlich bezeigen und also überall handeln solle, bey Zusammenkünften kütig, fröhlich, lustig und verträglich in worten und wercken seyn, auch wie dabey keiner dem anderen ein ergertzlich wort für übel zunemen, also sol man sich aller groben verdrießlichen reden und schertzes darbey enthalten“.

Im 96-seitigen Jahrbuch geht es auch um die Exulanten, die ins Rother Land kamen, um die Heimatfreunde „Land um Stauf“, den Ölberg in Hilpoltstein, den Niedergang der Abenberger Wirtshäuser, die Kirche in Schwand, die Sudetendeutsche Heimatstube in Allersberg und das Heimatspiel „Sybilla von Allersberg“.

Marco Eckerlein schildert den „Spalter Bierkrawall“, eine leicht possenhafte Auseinandersetzung im Inflationsjahr 1923, als die Bierpreise galoppierten und der Liter Bier in der Wirtschaft 1000 Mark kostete.  Es formierte sich unter der Bürgerschaft ein lebhafter Protest, dem auch die Mitglieder des Stadtrats nicht widerstehen wollten.  Der von 160 Spalter gegründete Bierkonsumverein ärgerte sich vor allem, weil das Bier im Gassenausschank genauso teuer war wie in der Gaststube. Er hatte die „schwerst arbeitende Landbevölkerung“ auf seiner Seite, denn sie konnte während der heißen Sommerzeit „nicht ohne Bier auskommen“.  Folglich wurden drei private Ausschankstellen von der städtischen Brauerei beliefert, was wiederum den Wirten als „billige Konkurrenz“ missfiel, denn dort wurden nur 650 Mark verlangt. Georg Gent, der Chef der Wirte, brachte den Vorfall sogar vor die Regierung von Mittelfranken. Diese machte dem Konsumverein zur Auflage, Bier wochentags nur bis sieben Uhr abends auszuschenken, an den Sonntag überhaupt nicht.  In dem  1800 Einwohner zählenden Spalt, das damals elf Wirtschaften hatte, sah die Regierung kein Bedürfnis nach weiteren Schankstellen. Der Streit griff auch auf die Gendarmen über, die ihrerseits klagten, der Bierpreis sei so hoch wie in München. Es gab Geldstrafen gegen die Zapfer vom Konsumverein.  Der Konflikt endete schließlich in den Wirren der Inflationszeiten und der Verein löste sich 1928 auf.

WERNER FALK

Die „Heimatkundlichen Streifzüge“ sind für 4,60 Euro im Informationszentrum Harsdorfer Schlösschen in Enderndorf am See und über den örtlichen Buchhandel erhältlich (ISSN 0724-1100).

60 Jahre Zweirad-Gruber

1959 startete die Firma am Eidamplatz

Erika und Herbert Gruber mit ihren Töchtern Gabi (Mitte, links daneben Enkelsohn Patrick mit seiner jungen Familie), rechts Tochter Petra. Foto: FR Presse

Die Firma Zweirad-Gruber gilt als Beleg, dass auch aus kleinen Anfängen heraus großartigen Leistungen möglich sind. Was 1959 am Eidamplatz begann, das ist heute eine „Erfolgsgeschichte“. Erika und Herbert Gruber, die  das Werk des Gründers Franz Müller zum Fachgeschäft Nummer 1 in der Region ausgebaut haben, feierten mit 70 Gästen das 60-jährige Betriebsjubiläum in den Räumen in der Weißenburger Straße. Mit dabei: Landrat Gerhard Wägemann, sein Stellvertreter Robert Westphal, Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, stellvertretender IHK-Vorsitzender Hans-Georg Degenhart, Harald Braun vom Einzelhandelsverband, Dekan Klaus Mendel und der katholische Stadtpfarrer Witczak.

Heute ist Zweirad-Gruber super aufgestellt. Die 25 Mitarbeiter werden von den Inhabern geschätzt und sind entsprechend motiviert. Das spüren alle Kunden, die zu den Grubers kommen. Und davon gibt es eine Menge.  Das touristische Angebot des Radelns im Fränkischen Seenland paart sich auf ideale Weise mit dem leistungsstarken Auftritt der Firma Gruber.