Most – ein kulinarisches Erbe

Slow Food erinnert zum „Tag des Apfelweins“

Aus Anlass des international begangenen „Tag des Apfelweins“ erinnert Slow Food Altmühlfranken an die kulturgeschichtlich, aber auch kulinarisch bedeutsame Wertschöpfungskette zwischen den ökologisch wertvollen Streuobstwiesen und den daraus potenziell entstehenden Produkten wie Saft, Most oder auch schmackhafte Fruchtaufstriche, Gelees oder einer Vielzahl weiterer Streuobstspezialitäten.


Most ist ein weltweit verbreitetes Getränk, das sich in jüngster Zeit einer immer größeren Beliebtheit bei den Verbrauchern erfreut. Unter sehr unterschiedlichen Bezeichnungen wie Apfelwein, Viez, Sidra, Cidre, Cider oder wie hier in Altmühlfranken – aber auch in Südostbayern und im alpinen Bereich  –  als Most, hat dieses Getränk überall dort Tradition, wo es auch das entsprechende Mostobst gibt. Daher kennen Japaner ebenso wie Russen, Kanadier ebenso wie Mexikaner, und nahezu alle europäischen Länder wie Skandinavien, England, Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Tschechien oder Österreich den Most als ein besonders erfrischendes, alkoholarmes und nur wenig Kalorien beinhaltende Getränk.

Ein ganz herausragendes Kulturerbe unserer Region sind aus diesem Grunde die Streuobstwiesen. Schon immer haben wir und unsere Vorfahren dies zu nutzen gewusst. Die Fülle der hier noch erhaltenen alten Sorten sind dafür ein lebendes Beispiel. Noch vor Jahrzehnten wurden staatliche Rodungsprämien gezahlt, um an Stelle der Hochstämme neuen niedrigwüchsigen Plantagen Platz zu machen. Und in deren Folge wurden dann alle Intensivierungsmechanismen eingesetzt bis hin zum mehrmaligen  Spritzen gegen alle nur denkbaren Gefährdungen dieser empfindlichen Kulturen. Längst hat aber eine zunehmende Zahl von Verbrauchern den Wert der damit untergegangenen Streuobstkultur erkannt. Zwar waren schon über 80 % der früher weit verbreiteten und das Landschaftsbild positiv prägenden Hochstämme  verschwunden, aber die Rückbesinnung auf die Werte der Streuobstwiesen kam gerade noch rechtzeitig. Nun werden überall im Lande wieder neue Streuobstwiesen angelegt, Baumschnitt- und Baumpflegekurse erleben einen früher nicht  gekannten Zulauf und vor allem wurde das Interesse der Konsumenten an Säften oder dem Most unserer Hochstämme geweckt.

Eine „Fränkische Moststraße“ reicht auch bis nach Altmühlfranken hinein, neue Mostereien sind entstanden, stillgelegte wurden wieder zum Leben erweckt. Und langsam gewinnt auch wieder der Most  – ein früher in jedem Dorf selbst gekeltertes Getränk – seine Abnehmer, wenngleich der Durchschnittsverbrauch hier in Altmühlfranken noch deutlich hinter dem anderer Mostregionen, wie am Unteren Inn, im vorderen Bayerischen Wald, in Rhön, Spessart oder gar im Schwäbischen zurückliegt. Aber seit der Cider – zunächst als Importgetränk aus England und Irland – auch hierzulande zu einem Kultgetränk bei der Jugend avancierte, steigt der Absatz dieser Apfelgetränke wieder deutlich.  Eine  dauerhafte Sicherung unserer das  Landschaftsbild so eindrucksvoll und attraktiv gestaltenden Streuobstwiesen wird es eben nur geben, wenn es gelingt für deren Produkte wieder Liebhaber zu finden. Die Erhaltung dieses „Biotops Streuobstwiese“ hängt daher ganz wesentlich davon ab, dass eine nachhaltige Pflege dieses Kulturguts gesichert ist. Und dies wird umfassend und langfristig erfolgreich nur durch eine dauerhafte und nachhaltige Nutzung gewährleistet. Die Herstellung von Most, als ein hochwertiges regionales Produkt ist Teil solcher Nutzungsstrategien.

„Es muss daher auch unzweifelhaft klar sein, dass für diese Biotope eine entsprechend naturverträgliche Nutzung eine unverzichtbare Voraussetzung darstellt“, betonte Dieter Popp als Vorsitzender von Slow Food Altmühlfranken. Die in der Öffentlichkeit derzeit hitzig geführte Diskussion über die Gefährdung der Streuobstwiesen über die bereits seit Jahren durchgeführte Biotopkartierung führt aber in die Sackgasse wie die jüngst in Oberfranken vorgenommenen Rodungen von Streuobstbäumen durch verunsicherte Obstbauern gezeigt haben. Der überwiegende Teil unserer erlebbaren Natur ist Kulturlandschaft, also vom Menschen aktiv geprägt. Teile dieser Kulturlandschaften werden wegen besonderer Eigenschaften auch als Biotope eingestuft, um sie in ihrem Wert dauerhaft zu erhalten. In den meisten Fällen wird dies aber durch die Weiterführung der nachhaltigen Nutzung gewährleistet, wie eben auch beim Streuobst.
Es muss daher noch deutlicher kommuniziert werden, dass die Aufnahme von Flächen in die Biotopkartierung nicht automatisch ein Nutzungsverbot darstellt. Es ist vielmehr sehr viel bedeutsamer, dass auf solch ausgezeichneten Flächen auch Lebens- und Genussmittel von hoher Qualität entstehen können.

Slow Food Altmühlfranken
Dieter Popp, 91729 Haundorf, Vogelherdweg 1
altmuehlfranken@slowfood.de, Tel. 09837-975708

 

Korrektur der Pressinfo der „Echt Brombachseer“  vom 10.5.2019:

Ein Cider vom Jura

 In der Presseinformation der „Echt Brombachseer“ zum neuen Apfel-Cider wurde die Herkunft der Äpfel für diesen Cider nicht korrekt angezeigt. Das Obst stammt tatsächlich von den  hochwertigen Streuobstwiesen aus Markt Berolzheim. Der Hinweis, dass es aus dem Biodiversitätsprojekt Buchleite stammt – wie ursprünglich angenommen – hat sich als falsch herausgestellt. Tatsächlich sind die Äpfel von Obstwiesen geerntet worden, die nicht innerhalb dieser ausgezeichneten Fläche liegen. Dieses Missverständnis bitten die „Echt Brombachseer“ zu entschuldigen.

DIETER POPP

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Post Navigation