Dörfer dürfen nicht veröden

Staat hilft bei der Revitalisierung ehemaliger Bauernhöfe

Die Ortskerne vital zu erhalten, das ist das Ziel der Innerortsentwicklung. Früher landwirtschaftlich genutzte Gebäude können eine neue Verwendung finden, beispielsweise als Hofladen, wie dieses Beispiel der Winzerin Margit Kirch aus Volkach-Fahr zeigt. Foto: FR Presse

Man mag es sich nicht vorstellen, dass unsere schönen fränkischen Dörfer in ihrem Kern veröden. Und doch besteht die Gefahr, denn die Strukturen haben sich in den letzten Jahren verändert und dieser Prozess hält weite ran. Die leerstehenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude schaden dem Dorf, schaffen einen ruinösen Eindruck und somit ein schlechtes Image. In einigen Landesteilen – zumal in früheren Grenzlandregionen Nordbayerns – haben sich diese Tendenzen verstärkt. Selbst ländliche Kleinstädte leiden unter der sich verschlechternden Situation. Wenn erst einmal die Wohnhäuser leer stehen, die kleinen Geschäfte und Handwerker verschwunden sind, dann müssen die Alarmglocken bei den verantwortlichen Kommunalpolitikern läuten.

Es gibt genügend Strategien zur Revitalisierung der Dörfer. Damit aber an die Aufgabe der Innerortsentwicklung herangegangen werden kann, bedarf es einer Systematik. Die wird von den Behörden aufgezeigt, wobei das Amt für Ländliche Entwicklung wichtige Hilfe leisten kann. Aber natürlich sind die Gemeinden gefordert. Die Bürgermeister dürfen die Verödung der Ortskerne nicht sorglos hinnehmen und auf zufällige Veränderungen hoffen. Innerortsentwicklung muss geplant werden.

Am Anfang steht eigentlich die Erfassung der gegenwärtigen Situation, d.h. es muss ein Baulückenkataster erstellt werden, der wesentliche Informationen in Wort und Bild enthält. Dies Schaffung einer solchen Immobilienbörse  habe ich gegenüber dem Landrat angeregt, der die Bedeutung vitaler Dörfer natürlich längst erkannt hat, aber zunächst auf die Zuständigkeit der Gemeinden verweist.  Mit dem Einverständnis der Eigentümer  kann der Immobilienkataster im Internet und sonstwo veröffentlicht  werden. Die private Immobilienwirtschaft ist m.E. in diesen Prozess mit einzubeziehen. Sie bietet die zusätzliche Chance, die Objekte einem Kreis von Interessenten bekannt zu machen und die Vermarktung zu forcieren.  Dorferneuerung und Integrierte  städtebauliche Entwicklungskonzepte sind Instrumente, die den Grundeigentümern helfen, den Wert ihres Eigentums zu erhalten.  Denn eines muss jedem Besitzer eines alten Bauernhauses bewusst sein: der Wert steigt nicht, indem die Immobilie über Jahrzehnte leer steht. Nur neue Konzepte für die Innerortsentwicklung können Perspektiven aufzeigen und das Eigentum im Wert bewahren.

Viele Fachleute, die sich mit der Materie befassen, sind sich einig: Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung! Wir müssen heute schon erleben, dass sich die Dörfer außen durch neue Siedlungen erweitern, innen aber das Leben erlischt. Eine Chance für die Revitalisierung der Dörfer besteht darin, dass es immer Menschen gibt, die sich ein Leben auf dem Land gut vorstellen können, wenngleich sie hier auf manche Annehmlichkeiten der Stadt verzichten müssen.

Im Landkreis gibt es schon einige hoffnungsvolle Ansätze (z.B. Dittenheim), die Innerortsentwicklung konzeptionell anzugehen. An die Gemeinde- und Stadträte geht mein Appell, die Gegebenheiten erst zu nehmen und alle Instrumentarien zu nutzen, um das Innenleben der Dörfer zu bewahren. Im Zusammenwirken mit dem Amt für Ländliche Entwicklung sind je nach den gegebenen Verhältnissen der Orte gute Lösungen erreichbar. Die Kommunalpolitiker müssen allerdings stärker als bisher Druck machen, wenn sie den Eindruck haben, dass „von oben“ her die Initiative ausbleibt.

WERNER FALK, Stadtrat der FDP in Gunzenhausen

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