Stadt verlieh erstmals Kulturpreis

Für ihre Verdienste um jüdisches Leben in Gunzenhausen ausgezeichnet

Franz Müller, der einstige Chef der Stephani-Schule, und Lehrerin Emmi Hetzner sind die ersten Persönlichkeiten der Stadt, die den neu geschaffenen Kulturpreis bekommen haben. Sie haben das Schulprojekt „Jüdisches Leben in Gunzenhausen“ initiiert und viele Jahre begleitet, das in der Internet-Dokumentation (www.jl-gunzenhausen.de) der jüdischen Haus- und Familiengeschichten besteht. Zur Verleihung im Haus des Gastes vor 70 geladenen Gästen war auch Charlotte Knobloch, die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, unter Sicherheitsschutz nach Gunzenhausen gekommen.

Bürgermeister Karl-Heinz Fitz mit den beiden Kulturpreisträgern Emmi Hetzner und Franz Müller. Foto: Mirjam Eischer

Die Schülerarbeit, die im Jahr 2000 gestartet wurde, ist eine permanente Aufgabe. Franz Müller und Emmi Hetzner ahnten am Anfang wohl nicht, welches Ausmaß ihre Idee annehmen würde, das Leben der einst in Gunzenhausen lebenden Juden nachzuvollziehen, ihre Familienchroniken mit vielen Fotos zu dokumentieren. Hilfe erfuhren die beiden Lehrkräfte von Stadtarchivar Werner Mühlhäußer, der anlässlich der Preisüberreichung einen bemerkenswerten Vortrag über jüdisches Leben in Gunzenhausen vom Mittelalter bis 1938 hielt. Mit ihm half auch der städtische Medienreferent Horst Schäfer den Schülern bei der digitalen Präsenz. Das Projekt ist übrigens mehrfach ausgezeichnet worden, und zwar mit dem Hiersemann-Preis der SPD, dem Pechmann-Preis der Evangelischen Landeskirche und mit dem dritten Preis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.

Bürgermeister Karl-Heinz Fitz rühmte die Arbeit der Schüler und der beiden Tutoren: „Mit Offenheit, Respekt, Demut und Mut für die Zukunft ist ein Teil der Geschichte unserer Stadt aufgearbeitet worden. Ein solches Projekt steht einer Stadt wie Gunzenhausen gut zu Gesicht.“ Das sagte Fitz vor allem mit Blick auf das reichweit erste Judenpogrom im März 1934 in Gunzenhausen, in dem Zusammenhang zwei jüdische Menschen den Tod fanden.

Der Kulturpreis drückt sich aus in einer Bronzeskulptur, die vom Nürnberger Bildhauer Christian Rösner gestaltet wurde. Der Preis soll künftig in unbestimmten Abständen verliehen werden.

Gegen Hass und Missgunst wandte sich Charlotte Knobloch in ihrer Ansprache. Der Antisemitismus nehme zu und immer mehr jüdische Bürger in Deutschland machten sich Sorgen um ihre Zukunft. Die heute noch amtierende Präsidentin der Jüdischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, erinnerte an die Zeit, als sie, die Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts,  nach 1942 von der Arberger Pfarrhaushälterin Kreszentia Hummel als ihr eigenes Kind angenommen wurde. Nur so konnte sie den Holocaust überstehen. Übrigens ist Kreszentia Hummel vor zwei Jahren vom Staat Israel posthum als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet worden.

WERNER FALK

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