Schloss ist nicht gleich Schloss

Michael Scheffold forscht über „Schlüssel, Schlösser und Schlossbeiwerk“

„Schlüssel, Schlösser und Schlossbeiwerk“ ist der Titel der umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit von Michael Scheffold.

Wer die „historischen Verschlusseinrichtungen“ – so der wissenschaftliche Begriff für Schlösser und Schlüssel – kennt, der kann auch das Alter von Möbeln sicher datieren.  Michael Scheffold, der elf Jahre an seiner Dissertation gearbeitet hat, gehört zu diesen Experten. Die Wissenschaft hat bisher hauptsächlich dekorspezifische Aspekte der alten Möbelstücke  erforscht.  Eine wahre Fundgrube für ihn war die Sammlung des Fränkischen Freilandmuseums in Bad Windsheim, das mit seinen 110 translozierten Gebäuden und 150000 Objekten, darunter 2500 Möbelstücke, zu den größten Sammlungen Süddeutschlands zählt.  2019 soll, so Museumsleiter Herbert May, ein Bestandskatalog erscheinen, in dem alle bemalten Möbel aus Mittelfranken enthalten sein werden, die seit 2009 im Zentraldepot lagern.

Der Autor Michael Scheffold kennt das Freilandmuseum seit 2003. Elf Jahre hat er nebenberuflich geforscht und nun seine Dissertation der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg vorgelegt.  Jetzt liegt sie auch in Buchform vor, wobei noch zu sagen ist, dass der Autor selbst  vom Skriptum bis zur typografischen Gestaltung Hand angelegt hat.

Die Schlösser haben eine Geschichte, die bis in das 3. Jahrhundert vor Christi zurückreicht. Die alten Griechen haben sie in den römischen Kulturraum überführt. Von den damaligen hölzernen Fallriegelschlössern bis zu den Drehschlössern des 19. Jahrhunderts reicht deren Entwicklungsgeschichte.

Im Fundus des Freilandmuseums befinden sich etliche der Exponate aus Altmühlfranken, die Scheffold in seinem dicken Buch akribisch vorstellt – genau strukturiert und geordnet.  Beispiele: ein eintüriger Kastenschrank mit bemaltem Nadelholz (Signatur: MGIZ) aus dem Jahr 1819 sowie weitere Schränke aus Windsfeld (von Schreiner Johann Georg Dorndasch 1832), Nennslingen (1847), Sammenheim  (1838) und eine Truhe aus Oberhambach (mit einem alten Fallenschloss, um 1610).

„Schlüssel, Schlösser und Schlossbeiwerk“  (Typologische Untersuchung an fest datierten Möbeln aus dem Bestand des Freilandmuseums Bad Windsheim) von Michael Scheffold, 576 Seiten, ISBN 978-3-946457-04-6, 39 Euro, erschienen in der Schriftenreihe des Freilandmuseums Bad Windsheim.

WERNER FALK

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