Monthly Archives: Mai 2017

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Mittelfranken bei Gedenkfeier in Oradour

Zum Arbeitsbesuch in Frankreich

Die mittelfränkische Delegation trifft in Oradour sur Glane auch den neuen französischen Präsidenten Emmanuelle Macron. Unser Foto zeigt das Mahnmal in Oradour. Foto: Falk

Im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft unternehmen Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Christa Naaß und der Beauftragte für Jugend und Sport, Bezirksrat Peter Daniel Forster eine Fahrt nach Frankreich. Ein umfangreiches Programm führt die Vertreter des Bezirks Mittelfranken zum Auftakt am Mittwoch, 7. Juni, nach Anglet, das seit 49 Jahren eine Städtepartnerschaft mit Ansbach pflegt und seit der Gebietsreform in Frankreich im vergangenen Herbst zur Region Nouvelle-Aquitaine gehört. Dort steht unter anderem ein Gespräch mit Bürgermeister Claude Olive, seinem Stellvertreter Jean-Michel Barate und weiteren Vertretern der Kommune im Rathaus an.

Nach der Weiterfahrt nach Bordeaux, der Hauptstadt der Region Nouvelle-Aquitaine, wird sich die mittelfränkische Delegation am Donnerstag, 8. Juni, bei einem Arbeitsgespräch mit Vertretern des Regionalrates austauschen. Am Freitag, 9. Juni, sind Richard Bartsch, Christa Naaß und Peter Daniel Forster zunächst auf Einladung des Präsidenten Pascal Coste zu einem Treffen im Haus des Départements Corrèze, das seit 23 Jahren partnerschaftlich mit dem Bezirk Mittelfranken verbunden ist, eingeladen.

Später nehmen sie in Tulle an der Gedenkfeier aus Anlass des dort 1944 von der Waffen-SS begangenen Massakers teil. Ebenfalls zu einem historisch bedeutsamen Ort der deutsch-französischen Geschichte geht es zum Abschluss der Fahrt am Samstag, 10. Juni. Anlässlich des 73. Jahrestags des Massakers von Oradour-sur-Glane, als Mitglieder der Waffen-SS 642 Bewohner des Ortes töteten, findet an der heutigen Erinnerungsstätte eine Gedenkfeier statt, der die mittelfränkische Delegation beiwohnt. Auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron wird dort zugegen sein.

Sommerfest bei RW am 11. Juni

Vielseitiges Programm für die ganze Familie

Ein vielfältiges Erlebnis- und Unterhaltungs-Programm erwartet die Besucher des traditionellen Sommerfestes von Regens Wagner Absberg am 11. Juni, das heuer wieder auf dem Müßighofgelände stattfindet. Eröffnet wird das Fest um 9:30 Uhr mit einem feierlichen Gottesdienst, unter der Leitung von Gemeindepfarrer Gerhard Grössl, vor der malerisch gelegenen Antoniuskapelle. Anschließend sind die Besucher zum Frühschoppen im großen Festzelt mit der Walder Dorfmusik eingeladen, die auch den Gottesdienst musikalisch begleiten wird. Später spielt dann das „Kocher Duo“ auf.

Die Veranstaltung lockt mit zahlreichen Attraktionen: Dazu gehören kulinarische Genüsse wie Sau am Grill, Braten, Kartoffelsalat, Gyros, Bratwürste, Spätzle, Leberkäs oder Fischsemmeln. Auch Kaffeegourmets und Gebäckliebhaber kommen auf ihre Kosten. Neben leckerer Kulinarik dürfen sich die Gäste auf ein umfangreichen Unterhaltungsprogramm und Erlebnisstationen freuen. Das Seelsorgeteam präsentiert einen meditativen Stationenweg unter dem Motto „Date mit Gott“. Für Groß und Klein besteht darüber hinaus die Gelegenheit, Eseln und Alpakas einmal ganz nahe zu kommen. Weitere Highlights bilden das „Erfahrungsfeld der Sinne“, die große Heuballen-Kletterburg, ein Flohmarkt sowie die Losbude mit attraktiven Gewinnen. Um 15:30 ist dann Anpfiff der traditionellen Fußballbegegnung zwischen den Kickern des FC. Regens Wagner und einer Jugendauswahl der DJK Obererlbach. Der Fußballplatz befindet sich heuer neben der Pferdekoppel.

Mit dem PKW anreisende Gäste werden von Anweisern auf die Parkplätze beim Pumphaus geleitet. Vom Fallhausring und Geiselberg kommende Besucher werden gebeten, die ausgewiesenen Parkplätze am Waldrand (Richtung Fallhausring) anzufahren.

Dr. Simek in Ansbach empfangen

Neuer Kreishauptmann der Region Südmähren

Unser Foto im Anhang zeigt (v.l.n.r.): Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, Kateřina Kalinová, Vorsitzende des Ausschusses für Regional- entwiclung, Christa Naaß, Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten und Kreishauptmann Dr. Bohumil Šimek.

Anfang Oktober letzten Jahres haben in Tschechien Regionalwahlen stattgefunden. Dr. Bohumil Šimek wurde zum neuen Kreishauptmann der Region Südmähren gewählt. Letzte Woche absolvierte er seinen Antrittsbesuch in Mittelfranken, begleitet von Kateřina Kalinová, der Vorsit-zenden des Ausschusses für Regionalentwicklung.

Bezirkstagspräsident Richard Bartsch und seine Stellvertreterin Christa Naaß empfingen die Gäste im Bezirksrathaus in Ansbach. Dabei wurde betont, dass die Kontakte zwischen dem Bezirk Mittelfranken und der Region Südmähren weiter geknüpft und vorangebracht werden sollen. Beeindruckt zeigten sich die Besucher vom Landwirtschaftlichen Bildungszentrum in Triesdorf, besonders von dem dortigen hochmodernen Milchgewinnungszentrum.

Wie ein baufälliges Denkmal wieder zum Leben erweckt wurde, davon konnten sich Dr. Bohumil Šimek und Kateřina Kalinová bei einem Abendessen im Gasthaus „Alte Vogtei“ in Wolframs-Eschenbach überzeugen.

Auf großes Interesse stieß auch ein Besuch im Berufsbildungswerk Hören, Sprache, Lernen in Nürnberg. Die Bezirkseinrichtung bildet Jugendliche mit Förderbedarf in rund 30 anerkannten Ausbildungsberufen aus.

Die Altmühlsee Festspiele nehmen Fahrt auf

In Berlin sind die Endproben nun in in vollem Gange

Mit dabei sind wieder die aus den Vorjahren bereits bekannten und beliebten Schauspieler(innen) Tina-Nicole Kaiser, Ursula Kannegießer, Alexandra Merinescu, Hartmut Kühn, Jens-Ulrich Seffen und Armin Sengenberger. Neu dazu kommen Volker Figge, Olivia-Patrizia Kunze, Simon David Altmann, Tobias Steinhardt und Andreas Schirra.

Acht Aufführungen von „Ladys Night“ stehen im August auf dem Spielplan.

Kurz vor Saisonbeginn reist dann die Schauspielergruppe in Muhr an, um am 22.06.2017 die Saison mit der Premiere von „Pinocchio“, einem Kinder- und Familienstück von Christian A. Schnell nach Carlo Collodi, auf der Freilichtbühne zu eröffnen. Es folgen sieben weitere Termine bis 03.07.2017 (Beginn jeweils 9 Uhr).

Auch am Jahresthema „Luther“ kommen die Festspiele nicht vorbei. Am 25.06.2017 steht „Luther und Cajetan“, eine fiktive Begegnung zum Lutherjahr, in der St. Johanniskirche in Muhr a.See auf dem Programm.

Die Premiere von „Mondscheintarif“ von Ildiko von Kürthy, eines der meistverkauften und verfilmten Bücher Deutschlands, das in Muhr jetzt in der Theaterfassung auf die Bühne kommt, ist am 29.06.2017. Hierfür muss man sich nun schnell noch um Karten bemühen, denn es stehen nur zwei weitere Aufführungen am 01. und 02.07.2017 im romantischen Garten am Schloss Altenmuhr an. Da der Schlossgarten ansonsten nicht jederzeit öffentlich zugänglich ist, ist das eine gute Gelegenheit, diesen wunderschön gepflegten Garten mit in Augenschein zu nehmen.

Mit „Der zerbrochne Krug – mal so ganz anders“, einer Komödie von Philipp Lang nach dem deutschen und viel gespielten Lustspielklassiker von Heinrich von Kleist, betritt Dorfrichter Adam am 05.07.2017 erstmals die Muhrer Bühne. In sieben weiteren Terminen bis 22.07.2017 versucht er, sich die Jungfer Eve gefügig zu machen, um dann – auf der Flucht vor dem gehörnten Verlobten – den Krug zu zerbrechen. Der Klassiker – mal so ganz anders aufgeführt – eignet sich gewiss auch für Deutsch-Klassen der Mittel- und Oberstufe.

Speziell für Jugendliche (für Klassen der Mittel- und Oberstufen sehr gut geeignet) wird auf der Insel im Altmühlsee „Burning Love“, ein Stück in sieben Szenen vom fränkischen Altmeister Fitzgerald Kusz (6 Aufführungen im Zeitraum 10.-19.07.2017), gespielt. Ein besonderes Erlebnis ist dabei sicher auch die Fahrt mit der MS Altmühlsee zur Insel und zurück.

Zum 150. Geburtstag des Komponisten Paul Lincke heben die Altmühlsee Festspiele noch in den Berliner Operettenhimmel ab; auf der Seebühne im Seezentrum Gunzenhausen wird – einmalig am 23.07.2017, bereits um 19.00 Uhr – die bekannte Operette „Frau Luna“ aufgeführt, mit Ohrwürmern wie „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“, „Schlösser, die im Monde liegen“ oder „Das macht die Berliner Luft“.

Der Abschluss der diesjährigen Saison wird am 26.07.2017 mit der Premiere von „Ladies Night“, einer turbulenten Komödie von Steven Sinclair und Andrew McCarten eingeläutet. Bis 12.08.2017 geht es in insgesamt acht Aufführungen bei drei Freunden ohne Arbeit, ohne Plan, ohne Perspektive, die als „Die Wilden Stiere“ Männer-Striptease anbieten, um die alles entscheidende Frage „Ganz oder gar nicht?“. Lassen Sie sich überraschen!

Infos und Kartenverkauf: Altmühlsee Informationszentrum (AIZ) Schlossstraße 4, 91735 Muhr a.See, Tel. 09831/890370www.altmühlsee-festspiele.de

Die Festspielsaison beginnt!

Kreuzgangspiele Feuchtwangen bereiten sich auf Saison vor

Die Proben für die Abendproduktionen der Kreuzgangspiele laufen derzeit auf Hochtouren, schon bald, ab dem 8. Juni ist „Kiss me, Kate“ im romanischen Kreuzgang zu erleben. Kurz darauf, am 15. Juni feiert auch „Luther“ Premiere. Für beide Aufführungen – Premierenfieber inklusive – gibt es noch einige Karten.
Für alle, die nicht bis zur Premiere warten können, stehen die Generalproben offen. Diese finden am 7. Juni für „Kiss me, Kate“ bzw. am 14. Juni für „Luther“, jeweils um 20.30 Uhr statt. Karten gibt es nur an der Abendkasse für 10 Euro. Wegen der großen Nachfrage, bitten wir, das Geld passend bereit zu halten.
Theaterstart
Die Vorstellungen von „Kiss me, Kate“ und „Luther“ sind gerade an den Wochenenden stark nachgefragt, so dass es hier nur noch begrenzt Karten gibt. Unser Tipp: Nutzen Sie die Chance nicht nur garantiert, sondern auch noch günstiger ins Theater zu gehen: Für die Vorstellungen am 10., 17., 18., 20., 21., 22., 25., 29. Juni und am 2. Juli gibt es 3 Euro Rabatt auf allen Plätzen.
Alle weiteren Spieltermine gibt es auf www.kreuzgangspiele.de sowie im Prospekt der Kreuzgangspiele, das Sie kostenfrei anfordern können unter Karten- und Infotelefon 09852 904 44.

Foto: Susanne Bergold

Ein herrlicher Maibaum steht in Ornbau

Der Mai geht seinen letzten Tagen entgegen. Das heißt aber nicht, dass die Maibäume verschwinden. In den meisten Dörfern bleiben sie bis zur jeweiligen Kirchweih stehen, um dann versteigert zu werden. In Ornbau haben die „Maimbaumfreunde“ unter der Regie von Manuel Göttler heuer einen der schönsten Maibäume in der Region aufgestellt. An dem 26 Meter hohen Stamm ranken sich die Wappen der Stadt, der Vereine und die Zunftzeichen der in Ornbau noch existierenden Handwerker. Von Edith Ludwig stammt die schöne Darstellung der Stadt mit ihrer noch gut erhaltenen mittelalterlichen Befestigung. Foto: Falk

An Himmelfahrt vereint

Gottesdienst am „Gmahaus“ in Oberwurmbach

Im jährlichen Wechsel mit der Oldtimerschau der „Oldtimerfreunde Fränkisches Seenland“ ist in Oberwurmbach an Himmelfahrt ein Gottesdienst im Freien. Organisiert wird er von der Dorfgemeinschaft, die in Oberwurmbach noch bestens intakt ist. Die Frauen backen Kuchen und Torten und machen Kaffee, die Männer zapfen das Bier, stellen das Zelt auf und bedienen den großen Grill.  Die gegrillten Halssteaks und der geschmackvolle Kartoffelsalat mundet den Gästen vorzüglich. So war es auch heuer.

Pfarrer Thomas Schwab „zelebrierte“ einen Gottesdienst, den Geistliche nicht jeden Sonntag ihrer Gemeinde bieten. Mit  „Samuel“, der sprechenden Handpuppe, führte er einen Dialog. Die Zuhörer waren angetan von dieser originellen Form der Verkündigung. Der Posaunenchor begleitete den Gottesdienst musialisch und war danach mit einem Standkonzert zu hören.

Bürgermeister Karl-Heinz Fitz lobte den Zusammenhalt der Oberwurmbacher und dankte den Mitwirkenden des Fests für ihre Bemühungen. Er ging kurz und mit launigen Worten auf die Wurmbacher Wünsche ein.

Nach dem Gottesdienst saßen die Oberwurmbacher mit ihren Gästen noch etliche Stunden zusammen. Schönstes Wetter begleitete den Donnerstag, kein Wunder, dass sich die letzen Gäste erst am späten Nachmittag verabschiedeten.

FDP sucht den Dialog

Auftakt zu Gesprächen in Heidenheim

Die klassische Kommunikation, wie sie über viele Jahrzehnte üblich war, funktioniert nicht mehr.  Also müssen neue Wege gesucht werden. Sie führen an der digitalen Kommunikation nicht vorbei.  Kreisvorsitzender Thomas Geilhardt: „Gleichwohl wollen wir den Versuch unternehmen, lokale Gesprächsrunden zu etablieren. Das geschieht ohne jegliche parteipolitische Scheuklappen.“

Sich Gedanken um die Gesellschaft im Allgemeinen und um die „kleine Welt“ zu machen, das ist allemal ehrenwert. Es ist wichtig, alle relevanten Kräfte zusammenzuführen und einen offenen Dialog ergebnisoffen zu führen. Es ist oftmals so, dass Einzelne der Gesellschaft wichtige Impulse geben. Bei einem ersten Gespräch im Gasthaus Wittmann in Heidenheim erinnerte Stadtrat Werner Falk an Friedrich Oesterlein aus Hechlingen, einem Pionier des Tourismus und der Regionalvermarktung.

Bäckermeister Norbert Schroth, der das Fähnlein der Liberalen in Heidenheim in die Hand genommen hat, will sich um den gedanklichen Austausch bemühen. Er möchte die  Menschen anregen, sich in einem offenen Dialog Gedanken zu machen, wie Heidenheim perspektivisch weiterentwickelt werden kann.

Kreisvorsitzender Thomas Geilhardt konstatiert einen Mitgliederzuwachs im Kreisverband und möchte mit den offenen Gesprächsrunden fortfahren. Der nächste Termin ist in Muhr am See geplant, der ehemals liberalen Hochburg im Landkreis.

 

Ökologische Ausgleichsfläche

Projekt an der Seepromenade Gunzenhausen

Die Spekulationen schießen ins Kraut: Baut die Stadt an der „Seepromenade“ einen Fischweiher oder einen riesigen Rastplatz für Radler? Nun, um keine der beiden Ideen geht es bei den Tiefbauarbeiten in diesen Tagen. Thomas Hinterleitner, der im Stadtbauamt Gunzenhausen für den Tiefbau verantwortlich ist, klärt auf. Demnach handelt es sich bei der Baustelle um eine ökologische Ausgleichsfläche, die von der Diakonie Neuendettelsau (und somit nicht von der Stadt) geschaffen wird. Die Bauherrin des Wohnheims  mit Tagesstätte an der Spitalstraße hat im Hochwasserüberschwemmungsgebiet ihr Projekt errichtet und sich gegenüber dem Wasserwirtschaftsamt Ansbach verpflichtet, für den damit verloren gegangenen Hochwasserschutzraum (gemessen an den Werten eines hundertjährigen Hochwassers) einen Retentionsraum als Ausgleich herzustellen. Derzeit wird der Oberboden abgeschoben, das Gelände 70 Zentimeter tief ausgehoben. Danach wird es mit dem gleichen Material und mit Humus wieder aufgefüllt. Das städtische Grundstück kann danach zur landwirtschaftlichen Nutzung verpachtet werden.   Foto: FR-Presse

Wo sind unsere Nachbarn geblieben?

Sigried Atzmon stellte sich den Fragen der Schüler

Auf einer Glasplatte sind mittels Diamantrisstechnik die Namen von 66 Schriftstellern, Lyrikern, Philosophen, Wissenschaftlern und Romanautoren eingraviert worden, deren Werke damals in den Scheiterhaufen der Nazis verbrannt wurden. Unter der Glasplatte und über ihre Ränder hinaus betont eine langgezogene Aschespur die Mittelachse. So soll die versuchte Zerstörung der geistigen Produkte symbolisiert werden. Doch ebenso wie im durchsichtigen Material Glas die Schrift deutlich sichtbar bleibt, so überdauert auch das Gewichtige, der Inhalt der verbrannten Bücher. Die Gedanken, die Kreativität der Sprache, der Einfallsreichtum der Autoren konnte nicht vernichtet werden.

Geschichtsunterricht mal ganz anders erleben durften vor kurzem die Schüler der Mittelschule Oettingen. Die Lehrer Max Sefranek und Walter Fuchs hatten zusammen mit Sigried Atzmon vom Freundeskreis der Synagoge Hainsfarth eine Projektwoche organisiert. Im Mittelpunkt stand die Frage: „Wo sind meine Nachbarn geblieben?“ Da die Schüler selbst nicht erlebt haben, wie einst Menschen von einem Tag auf den anderen aus ihren Wohnungen geholt und deportiert wurden, erfuhren sie in dem Film „Spielzeugland“ von der Geschichte eines kleinen Jungen, der mit seinem jüdischen Freund in das vermeintliche „Spielzeugland“ mitfahren wollte und mit diesem scheinbar unsinnigen Wunsch den Freund vor dem sicheren Tod gerettet hat.

Am zweiten Tag der Woche wanderten die Schüler nach Hainsfarth zur Synagoge, um ein ehemaliges jüdisches Gotteshaus kennenzulernen. Dort stellte sich Sigried Atzmon den Fragen der Jugendlichen und gab Auskunft über die Hausgeschichte und der jüdischen Religion. Man konnte erfahren, wie die Bücher Moses aus der Thora, der Schriftrolle, gelesen werden. Der ehemalige Schulleiter in Hainsfarth, Manfred Meyer, führte die Schüler über den jüdischen Friedhof und erläuterte ihnen die Aufschriften der etwa 200 Grabmale der ehemaligen jüdischen Gemeinde im Ort.

Am dritten Tag war Pavel Hoffmann als Zeitzeuge zu Gast in der Grund und Mittelschule, zu der auch Schüler des  Albrecht-Ernst Gymnasium Oettingen eingeladen waren, wo er als jüngster noch lebender Zeitzeuge sein Schicksal als Kind im Ghetto Theresienstadt schilderte. Hoffmann verlor dort als Dreijähriger schon nach vier Wochen seine Mutter. Der Vater war bereits 1942 bei einer Racheaktion der SS erschossen worden. Auch seine Großeltern kamen mit 120 000 weiteren Juden in Auschwitz ums Leben. Dass er heute lebe, verdanke er der Tatsache, dass Himmler kurz vor Kriegsende einen Transport von ausgesuchten Juden nach St. Gallen in die Schweiz geschickt hatte, um durch die Befreiung von Juden seine Schuld zu mindern.

Einen Tag später berichtete eine weitere Zeitzeugin von ihren persönlichen Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus. Uta Löhrer, Mitarbeiterin der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Bayern, moderierte ein Podiumsgespräch,das vom Shalom Ensemble München unter der Leitung von Susanne Gargerle mit Musik aus Theresienstadt umrahmt wurde. Die Komponisten aller dargebrachten Werke überlebten die NS-Zeit allesamt nicht. Ihre Musik jedoch, die so viel vom Grauen und der Verlorenheit der Menschen im KZ wiedergibt, soll nicht für immer verloren sein. Im Gespräch schilderte Frau Dr. Dagmar Lieblova aus Prag ihre schrecklichen Erlebnisse im Ghetto und in den KZs Theresienstadt und Auschwitz. Sie überlebte als einzige ihrer Familie das Grauen des Holocausts. In Theresienstadt, dem „Vorzeige-KZ“ der Nazis, war sie über mehrere Monate Mitglied des Kinderchores, der etwa 50-mal die Kinderoper Brundibar aufführte. Das Ensemble spielte dort mit stetig wechselnder Besetzung, da die Mitglieder oft in andere Lager weitertransportiert wurden oder in Theresienstadt verstarben. Zu Beginn der Veranstaltung wurde ein sehr bewegender Film über Dr. Dagmar Lieblova gezeigt, der im Rahmen einer Schulprojektarbeit entstanden war. Darin wird, die „Musik als Zuflucht“ gezeigt, d.h. als die winzige Möglichkeit „ein Stück Normalität im unendlichen Grauen zu erleben“. Erschüttert und aufgerüttelt durch die eigene Mitwirkung bei einer Aufführung von Brundibar hatte der Schüler Moritz Spender Dagmar Lieblova ausfindig gemacht und ihre Lebensgeschichte aufgezeichnet. Mit dem Film konnte er das Bayerische Kinder- und Jugendfilmfestival gewinnen.

Am letzten Tag des Projekts der Mittelschule Oettingen war nun die Synagoge in Hainsfarth der Ort, der den Rahmen für das bewegende Singspiel „Brundibar“ bilden durfte. Unter der Leitung des Dirigenten Stellario Fagone führte der Kinderchor der Bayerischen Staatsoper und die Musiker des Bayerischen Staatsorchesters  die parabelhafte Geschichte der Geschwister Pepicek und Aninka auf, die sich mit Hilfe der Kinder und Tiere gegen den bösen Leierkastenmann „Brundibar“ wehren können. Das Stück ist ein leidenschaftlicher Aufruf zum Zusammenhalten in Bedrängnis. Ein glückliches Ende wie in der Kinderoper aber durften die meisten der damaligen Darsteller und Musiker nach den Aufführungen im Konzentrationslager Theresienstadt nicht erleben, die meisten von ihnen kamen wie der Komponist der Oper, Hans Krása, im KZ um.

Zum Abschluss der Projektwoche „Wo sind meine Nachbarn geblieben?“ bedankte sich Sigried Atzmon im Beisein von Schulamtsdirektor Michael Stocker, als Vertreter des Staatlichen Schulamts im Landkreis Donau-Ries, und MdL Wolfgang Fackler bei allen Beteiligten, besonders bei der Direktorin des Musikalischen Bereichs der Bayerischen Staatsoper, Annette Zühlke für die Organisation des überaus gelungenen Auftritts der Musiker und der etwa 90 Kinder und Jugendlichen des Kinderchores der Bayerischen Staatsoper mit der Kinderoper „Brundibar“. Der jungen Generation die Botschaft von Zusammenhalt  und Toleranz, von Geschichtsbewusstsein und gegenseitiger Achtung zu vermitteln, darin sieht der Freundeskreis Hainsfarth seine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.      W. Mehl